Seit Corona ein wachsender Trend: Geldanlage in echtem Gold. Doch auch die Industrie benötigt Edelmetalle und setzt auf Reycling. Foto: Fachvereinigung Edelmetall
Wirtschaft
Nicht alles Gold,was glänzt: Fachvereinigung Edelmetalle zieht in Pforzheim durchwachsene Bilanz

Pforzheim. Die Rohstoffpreise spielen verrückt – das merkt man gerade in der Goldstadt, dem Sitz der Fachvereinigung Edelmetalle, die gestern in einer virtuellen Pressekonferenz Bilanz zog. „Die schwere Rezession, welche die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr durchlebte, spiegelte sich auch in der Edelmetallindustrie deutlich wider“, erklärte York Alexander Tetzlaff, Geschäftsführer der Fachvereinigung. Die Schmuckindustrie verbuchte in der Pandemie deutliche Rückgänge, viele Lieferketten brachen. Unter dem Strich steht ein Rückgang der verarbeiteten Goldlegierungen um 24 Prozent.

Anders im Investmentbereich: Viele Anleger suchten und fanden Gold als sicheren Hafen. Der Silberpreis explodierte. „Für einige Unternehmen war es eines der besten Jahre in der Firmengeschichte“, verriet Georg Steiner, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Edelmetallwirtschaft des Branchenverbandes und Geschäftsführer der Pforzheimer Scheideanstalt Heimerle+Meule.

Georg Steiner, Geschäftsführer von Heimerle+Meule. Foto: Peter Obenaus,Cologne

Und sein Vorstandskollege Franz-Josef Kron, Vorstandsvorsitzender der Pforzheimer Agosi gibt noch ein krasseres Beispiel für die Preiskapriolen: Rhodium aus der Familie der Platin-Metalle hat sich abermals um 300 Prozent verteuert. Rhodium werde vorwiegend für Autokatalysatoren benötigt. „So könnte eine Teetasse voll Rhodium bald einen Preis von über einer Million US-Dollar erreichen“, merkte Kron an. Lieferengpässe und Produktionsausfälle in südafrikanischen Minen seien für den Anstieg verantwortlich.

Franz-Josef Kron, Vorstandsvorsitzender der Pforzheimer Agosi. Foto: AGOSI

Von solch astronomischen Preisen ist Gold – zum Glück für die heimische Schmuckindustrie – noch weit entfernt. „Schwer getroffen durch den weltweiten Lockdown im ersten Halbjahr, führte eine leichte Erholung über die Sommer- und Herbstmonate in den nächsten Lockdown und dies im verkaufsstärksten Zeitraum des Jahres, kurz vor Weihnachten“, erläuterte Steiner.

Auch der Trauringbereich, der besonders in Deutschland ein wichtiges Standbein für die Schmuckindustrie ist, verzeichnete einen durchschnittlichen Rückgang um mehr als 25 Prozent.

Das Recyclinggeschäft folgte im Jahr 2020 dem wellenförmigen Verlauf der gesamten Edelmetallwirtschaft. „Wie in den Vorjahren war der Absatz von Dentallegierungen aus Edelmetall auch im Jahr 2020 weiter rückläufig“, ergänzte Steiner. Verursacht durch die Beschränkungen im Rahmen der Corona-Pandemie konnten Zahnärzte ihren Praxisbetrieb über Wochen nicht weiterführen.