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Mitarbeiter von Galeria Kaufhof und Kaufland streiken für mehr Gehalt. Foto: Meyer

Personal-Kahlschlag bei Galeria Kaufhof in Pforzheim - Standort bleibt

Pforzheim. Nach Monaten der Spekulation ist es nun offiziell: Die Warenhauskette Galeria Kaufhof streicht am Standort Pforzheim 30 bis 40 Stellen, sagte der Pforzheimer Betriebsratsvorsitzende Theo Layer. 145 Mitarbeiter seien derzeit beschäftigt. Die Hiobsbotschaft für die Belegschaft kam am Freitag während der Betriebsversammlung. Bis zum 30. Juni müssen sich Mitarbeiter entscheiden, ob sie freiwillig gehen wollen, so Layer. Erst dann werde der Sozialplan angewandt.

„Die, die freiwillig gehen, senken den Abbau“, sagte Melanie Rechkemmer, Gewerkschaftssekräterin im Bezirk Mittelbaden/Nordschwarzwald. Die Konzernzentrale stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

Dass es zum Stellenabbau bei der kriselnden Kette kommt, überraschte Layer und Rechkemmer nicht. Personalkosten seien seit langem Thema gewesen. „Die Geschäftsführung sprach von einem Obolus, aber nicht in dem Umfang, wie jetzt gefordert“, so die Gewerkschaftssekräterin.

Eine kleine Erleichterung für die Mitarbeiter gibt es: Der Standort von Galeria Kaufhof bleibt, versicherte Layer. Über die Immobilie verfüge die Holding Signa, und damit René Benko, der Karstadt-Kaufhof-Eigentümer.

Im Anschluss an die Betriebsversammlung protestierten vor dem Warenhaus etwa 50 Mitarbeiter in Gelbwesten. Ein hoher Zuspruch, wie es unter den Streikenden hieß, wenn man sehe, wie viele Mitarbeiter sonst im Haus präsent seien.

Verdi rief landesweit zu Warnstreiks auf. Dass sich der Streik mit der Betriebsversammlung überschnitt, ist ein Zufall – die Beschäftigungssicherung im Galeria Kaufhof sei nicht der Grund, sagte Rechkemmer. Sondern die laufenden Tarifverhandlungen.

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Warnstreik bei Galeria Kaufhof

Ausgesucht wurde das umsatzstarke „Brückentagswochenende“, um das Einkaufen zu beeinträchtigen, heißt es in einer Mitteilung. Auch Beschäftigte von Kaufland im Brötzinger Tal schlossen sich dem Warnstreik an. Sie fordern höhere Löhne: 6,5 Prozent oder mindestens 163 Euro, was einem Euro pro Stunde entspricht, sagte Rechkemmer. Die Arbeitgeberseite bot 1,5 Prozent und ein weiteres Prozent im nächsten Jahr – doch dieses Angebot wurde als „viel zu niedrig“ zurückgewiesen, so Verdi. Die nächste, dritte Verhandlungsrunde finde am 12. Juni statt.

Weitere Kürzungen seien erstmal vom Tisch, doch die Fusion der letzten großen Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof, die sich im Hintergrund noch abspielt, hat laut Layer für Mitarbeiter empfindliche Folgen: Im nächsten Jahr läuft die Tarifbindung aus. Im März hatte der neue Kaufhof-Chef Stephan Fanderl, der zugleich auch Karstadt führt, die bisherige Mitgliedschaft von Kaufhof im Flächentarif des Einzelhandels gekündigt. Stattdessen soll ein Haustarifvertrag kommen oder gar der Mindestlohn, so Layer. Für die Mitarbeiter heißt das: Weniger Geld als sie nach Flächentarif bekommen würden.

Verdi zeigte sich dennoch kämpferisch: Am Samstag geht der Warnstreik weiter. Rechkemmer erwartet, dass 70 bis 80 Menschen der Arbeit fern bleiben werden.

Mehr zum Thema:

Am Freitagmorgen hatte die Gewerkschaft ver.di Baden-Württemberg angekündigt, ihre Streiks im baden-württembergischen Einzelhandel auszuweiten. "Das Einkaufen am umsatzstarken Brückentagswochenende wird heute und morgen in weiten Teilen des Landes durch ein- bis zweitägige Warnstreiks beeinträchtigt", heißt es in einer Pressemitteilung.

Katharina Lindt

Katharina Lindt

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