Diebe nutzen eine Sicherheitslücke, um Wagen mit Keyless-Go-System zu stehlen.

Symbolbild dpa
Baden-Württemberg
Karlsruher Polizei und Interpol setzen Schlag gegen Autoschieberbande
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Karlsruhe. Nach jahrelangen Ermittlungen ist der Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei Karlsruhe unter Beteiligung von Europol sowie Unterstützung der polnischen Behörden ein Schlag gegen eine international agierende Bande von Autoschiebern gelungen.

Insgesamt fünf Beschuldigte, ein deutsch-libanesisches Bruderpaar, 34 und 36 Jahre alt, sowie eine 46-jährige Slowakin aus dem Ortenaukreis und zwei Polen im Alter von 42 und 43 Jahren, kamen vergangene Woche in Untersuchungshaft. Gegen einen weiteren beschuldigten Polen im Alter von 53 Jahren wurde der Haftbefehl unter Auflagen wieder außer Vollzug gesetzt. Ihnen wird gewerbsmäßige Bandenhehlerei in Tateinheit mit der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Sie stehen im dringenden Verdacht, zumindest seit Ende 2016 überwiegend in Deutschland gestohlene Fahrzeuge der Luxusklasse - vorwiegend der Marken Mercedes, Range Rover und Porsche - bei mutmaßlichen Autodieben im polnischen Breslau angekauft und weiterverschoben zu haben. Teilweise sollen sie die Diebstähle zuvor in Auftrag gegeben haben.

Bande hatte es auf Autos mit Keyless-Go-Systeme abgesehen

Die allesamt mit dem sogenannten Keyless-Go-System ausgestatteten Autos wurden den Erkenntnissen zufolge in Fahrzeugteile zerlegt und mittels Container von Polen aus in den Libanon wie auch in die Vereinigten Arabischen Emirate verschickt, um dort weiterverkauft zu werden.

Bereits am 6. November konnten die Ermittler aufgrund eines von der Staatsanwaltschaft Karlsruhe erwirkten Beschlusses in Bremerhaven zwei Container sicherstellen, die für beide Zielländer bestimmt waren. Darin befanden sich Fahrzeugteile und teils in der Mitte zerteilte Fahrzeuge, die zwischen Mitte September 2018 und Anfang Oktober 2018 in Deutschland, Österreich und Polen entwendet worden waren.

Auf der Grundlage der im Vorfeld erlassenen Haftbefehle und Durchsuchungsbeschlüsse wurden am 22. und 23. November entsprechenden Maßnahmen in Deutschland und Polen durchgeführt. Dabei wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe und des Polizeipräsidiums Offenburg insgesamt neun Objekte und weitere elf in Polen durchsucht.

Europaweite Durchsuchungsmaßnahmen

An den Durchsuchungsmaßnahmen im polnischen Breslau waren neben den mehr als 100 Beamten der polnischen Polizei auch Beamte des federführenden Polizeipräsidiums Karlsruhe nebst Beamten des Landeskriminalamtes Sachsen und der Polizeidirektion Görlitz im Einsatz.

Parallel dazu führten die Karlsruher Beamten und fünf Karlsruher Staatsanwälte die operativen Maßnahmen im hiesigen Raum mit Unterstützung von Spezialkräften des Bundeskriminalamtes, des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, des Polizeipräsidiums Einsatz,des Polizeipräsidiums Offenburg und zwei Angehörigen von Europol Den Haag durch. Insgesamt waren hier 110 Beamte am Einsatzgeschehen beteiligt.

Aufgrund der Durchsuchungsmaßnahmen gelang es, der Bande eine Vielzahl von Diebstählen hochwertiger Fahrzeuge zuzuordnen. Darüber hinaus stellten die Ermittlungsbehörden Bargeldbeträge in Höhe von 220.000 Euro und hochwertigen Schmuck sicher. Derzeit bedürfen die sichergestellten Unterlagen und Datenspeicher noch umfangreicher Auswertungen.

Das Polizeipräsidium Karlsruhe gibt Besitzern von Fahrzeugen mit den Keyless-Go-Systemen folgende Verhaltenstipps:

  • Achten Sie auf fremde, verdächtige Personen und Fahrzeuge. Es könnte sich um professionelle Autodiebe handeln, die möglicherweise versuchen sich "unauffällig" das Schlüsselsignal zu verschaffen.
  • Stellen Sie, wenn möglich, hochwertige Fahrzeuge in einer abschließbaren Garage ab.
  • Fragen Sie bei dem Hersteller Ihres Fahrzeuges nach, ob für Ihr Fahrzeug der Komfortzugang deaktiviert werden kann und nutzen Sie diese Funktion, wenn Sie Ihr Fahrzeug außerhalb einer verschließbaren Garage abstellen.
  • Legen Sie den Fahrzeugschlüssel nicht in der Nähe der Haus- oder Wohnungstür ab.
  • Verwenden Sie bei Nichtbenutzung des Fahrzeugs Hüllen oder Behältnisse, um das Funksignal abzuschirmen. So können beispielsweise Schlüsseletuis mit eingebauter Abschirmfolie oder Schlüsseltresore über das Internet oder im Fachhandel erworben werden.
  • Sichern Sie ihr Fahrzeug durch zusätzlichen optischen oder akustischen Alarm, der Diebe bei ihrer Arbeit stört oder abschreckt.
  • Autodiebe gehen oft den Weg des geringsten Widerstandes. Je länger es dauert, ein Fahrzeug zu öffnen und zu entwenden, umso unwahrscheinlicher wird der Fahrzeugdiebstahl. Machen Sie es daher den Dieben schwer und installieren Sie beim Abstellen des Fahrzeugs mechanische Diebstahlsicherungen, wie zum Beispiel die klassische Lenkradkralle, eine Gangschaltungs- oder auch Pedalsperre.
  • Sollten Sie darüber hinaus Fragen haben, stehen Ihnen kostenfrei die Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen zur Verfügung.

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