Wolf
Es gibt nur wenige Wölfe in freier Wildbahn in Baden-Württemberg. (Symbolbild)
Bernd Weißbrod/dpa
Baden-Württemberg
Scheu vor Menschen verloren?  Nordschwarzwald-Wolf soll abgeschossen werden
  • dpa/ PZ/ pm

Zum ersten Mal seit fast 180 Jahren soll wieder ein Wolf in Baden-Württemberg erschossen werden. Das Umweltministerium habe dafür eine bis 10. März gültige Ausnahmegenehmigung erteilt, teilte ein Sprecher in Stuttgart mit.

Der im Nordschwarzwald heimische Rüde mit der Bezeichnung GW2672m habe sich mehrfach Hunden und damit auch Menschen genähert. Andere Versuche, das Tier zu verscheuchen, hätten nicht geholfen. Zuvor hatte die «Badische Zeitung» über den Auftrag an anonyme Spezialjäger berichtet.

Scheu vor Menschen verloren?

Der Wolf verhalte sich zwar nicht augenscheinlich bedrohlich, erklärte das Ministerium. «Allerdings stellen wir fest, dass ein Wolfstourismus beginnt.» Das Tier sei offenbar ein begehrtes Film- und Fotomotiv geworden. «Es ist bereits vorgekommen, dass Menschen versuchen, den Wolf gezielt anzulocken.» Der Wolf könnte so die Scheu vor Menschen vollkommen verlieren. «Gefährliche Situationen - eventuell provoziert durch menschliches Verhalten, um gute Bilder zu bekommen - sind vor diesem Hintergrund nicht mehr auszuschließen.»

Was ist mit dem erwarteten neuen Rudel?

Erst kürzlich hatten postive Schlagzeilen über einen Wolf im Nordschwarzwald die Runde gemacht. Einer der beiden hier lebenden Rüden war Mitte Dezember von einer Wildtierkamera in Forbach (Landkreis Rastatt) aufgenommen worden — und zwar in Begleitung. Laut Micha Herdtfelder vom Wildinstitut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt des Landes (FVA) würden normalerweise nicht zwei männliche Tiere gemeinsam durch den Wald streifen. Es lag also die  Vermutung nahe, dass es sich um ein Männchen und ein Weibchen handelte.

Bei dem Wolf von dem hier die Rede war, handelte es sich allerdings um GW852m, der schon seit vielen Jahren in den Wäldern des Nordschwarzwaldes, häufig im Gebiet des Sommerberges oder bei Enzklösterle unterwegs ist und schon öfters Risse im Kreis Rastatt gemacht. Im Jahr 2018 hat er weit über die Region hinaus Berühmtheit erlangt, als eine Attacke von ihm auf einer Schafweide bei Enzklösterle rund 40 Schafe das Leben kostete.

Bei GW2672m, der nun abgeschossen werden soll, handelt es sich um den zweiten im Nordschwarzwald lebenden Wolf. Er streifte bisher durch das Territorium Hornisgrinde. 

Landesjagdverband Baden-Württemberg meldet sich zu Wort

Nach Bekanntwerden des Abschuss-Vorhabens von Rüde GW2672m meldet sich nun auch der Landesjagdverband Baden-Württemberg in einer Pressemitteilung zu Wort. Darin heißt es, man befürworte eine pragmatische Herangehensweise im Umgang mit verhaltensauffälligen und besonders schadensstiftenden Wölfen, in diesem Fall sei jedoch der Zeitpunkt überraschend.

Schließlich seien die Verhaltensauffälligkeiten des Wolfes bereits seit Mai 2024 bekannt. Der Landesjagdverband hoffe, dass die politische Entscheidung der Umweltministerin Thekla Walker auf einer rein fachlich fundierten Wissensbasis anerkannter Wildbiologen beruhe, heißt es weiter.

Laut der Pressemitteilung ist der Verband der Meinung, dass Wölfe unter das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz gestellt werden sollten, um für die Zukunft Rechtssicherheit zu erlangen. Zusätzlich bedürfe es der Schaffung einer Rechtsgrundlage im Bundesjagdgesetz für mögliche Entnahmen (das Fangen oder Töten der Tiere) sowie für Notstands- und Tierschutzsituationen, heißt es abschließend.

© dpa-infocom, dpa:260127-930-602820/1

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