Viele ziehen an einem Strang: Nicolas und Michael Geiger (von links), Timo Gerstel, Schirmherr Oberbürgermeister Peter Boch, WSP-Chef Oliver Reitz und Christiane Müh vom Kommunalen Kino. Foto: Meyer
Kultur
Zusammenrücken in Zeiten der Not: Autokino auf dem Messplatz startet in Kürze

„In der Not sind wir uns am nächsten“, sagt Christine Müh und blickt Michael Geiger an: Eigentlich sind der Chef der Pforzheimer Kinobetriebe und die Leiterin des Kommunalen Kinos Konkurrenten um die Publikumsgunst. Doch nun ziehen sie an einem Strang und haben ganz kurzfristig eine Kooperationsvereinbarung geschlossen.

Denn: „Die Menschen vermissen das Kino“, sagt Michael Geiger, und Autokinos würden in Deutschland wie Pilze aus dem Boden schießen. Klar, dass der Familienbetrieb da in Pforzheim nicht zurückstehen wollte, und ebenso klar, dass das KoKi den gleichen Plan gehegte. Aber zwei Autokinos in Pforzheim? Das macht keinen Sinn, da waren sich die Cineasten und die Wirtschaftsförderung schnell einig.

Die habe, so Geiger und Müh einhellig, schnell und unbürokratisch geholfen, den Plan Realität werden zulassen. Und beide sind erstaunt, dass bereits am Donnerstagnachmittag der hintere Teil des Messplatzes für die neue Kino-Location abgesperrt ist. Dieses „Zusammenrücken in Zeiten der Not“ bringt für beide Vorteile: Während das KoKi seine Open-Air-Technik zur Verfügung stellt, sorgen die Geiger-Kinobetriebe mit ihrem Ticket- und Buchungssystem für reibungslosen Ablauf.

Wann geht es los?

Geplant ist der Start bereits am kommenden Freitag. Die Filme sollen täglich nach Einbruch der Dunkelheit, also circa 21.30 Uhr starten. Die Autos können, so Michael Geiger, bereits rund eineinhalb Stunden vorher ihren Stellplatz einnehmen. Einfahrt ist über die Simmlerstraße.

Wie funktioniert die Buchung?

Tickets müssen vorab online geordert werden. Die Kinobesucher zeigen dann bei der Einfahrt die Buchung auf dem Handy kontaktlos durch die geschlossene Scheibe vor. Auch Snacks und Getränke werden vorab bestellt, die gepackte Tüte wird dann an der Einfahrt entgegengenommen. Möglich ist das auf der Homepage www.autokino-pf.de, die ab kommender Woche online sein soll. Wichtig ist: Es gibt keine Abendkasse.

Welche Filme laufen?

Los geht es mit den „Känguru-Chroniken“, ein witziger und hochgelobter Film, „der bislang nur eine Woche im Cineplex gelaufen ist“, sagt Nicolas Geiger. Der Juniorchef will – voraussichtlich bis Ende August – vor allem jüngere Filme zeigen, die auf großes Publikumsinteresse gestoßen sind. Zum Beispiel: „Das perfekte Geheimnis“, „Enkel für Anfänger“, „Parasite“, „Joker“, „Besser Welt als Nie“, „Knives Out – Mord ist Familiensache“. Außerdem sollen auch Filmklassiker und außergewöhnliche Streifen, wie as Oscar-prämierte biografisches Filmdrama „Bohemian Rhapsody“ laufen.

Was kostet es?

Pro Person werden zehn Euro fällig – allerdings müssen die Betreiber immer zwei Personen abrechnen. Maximal zwei Erwachsene und drei Kinder des Paares sind pro Auto zugelassen. Aussteigen darf man nur, um den Toilettenwagen zu benutzen. Scheiben und Türen müssen während des gesamten Aufenthaltes geschlossen bleiben.

Welche Technik kommt zum Einsatz?

Timo Gerstel ist hier gleich in zwei Funktionen im Einsatz: Zum einen als Techniker, der seit Jahren für das KoKi das Open-Air-Kino im Osterfeld betreut, zum anderen als Obermeister der Kfz-Innung. Die Filme werden auf einer 14 mal 8 Meter großen Leinwand zu sehen sein . Der Ton wird über das Autoradio gesendet. Die entsprechende Rundfunkfrequenz ist beantragt. „Und so kann jeder für die Nachbarschaft des Messplatzes störungsfrei den Filmton über die eigene Audioanlage empfangen“, schildert Gerstel.

Eigentlich hatte er gemeinsam mit dem KoKi ein besonderes Jubiläumsprojekt anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Kfz-Innung geplant. Die wird sich nun helfend beim Autokino einbringen. Etwa, wenn ein Motor – nachdem das Autoradio länger gelaufen ist – nicht mehr so richtig anspringen will. Oder sich das Tagesfahrtlicht nicht ausschalten lässt. Da kommen dann die Innungsmitglieder mit ihren Molton-Abklebestreifen zum Einsatz. Auch der große Kran an dem die Leinwand befestigt wird und die Container für die Projektionstechnik stammen von einem Innungsmitglied.