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Ein PZ-news-Leser hielt die Szene in der Durlacher Straße fotografisch fest. Foto: privat
Ein PZ-news-Leser hielt die Szene in der Durlacher Straße fotografisch fest. Foto: privat
10.01.2019

41-Jähriger klaut Rettungswagen, während drei Rettungskräfte einen Notfallpatienten behandeln

Pforzheim. Immer wieder klagen Rettungskräfte darüber, an ihrer oft lebensrettenden Arbeit gestört zu werden. Was einem dreiköpfigen Rettungsteam am Donnerstagnachmittag in Pforzheim passierte, hat aber - zum Glück - dennoch Seltenheitswert.

Während diese gegen 13.30 Uhr in der Pforzheimer Luisenstraße im Behandlungsbereich ihres Einsatzfahrzeuges mit laufendem Blaulicht einen Notfallpatienten behandelten, "stieg ein volltrunkener 41-Jähriger in die Fahrerkabine und fuhr davon", heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei.

Nach einer Strecke von etwa 300 Metern sei es den Notfallsanitätern in der Durlacher Straße über ein Verbindungsfenster zum Führerhaus gelungen, den Mann zum Anhalten zu bewegen und bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Unterdessen habe der Betrunkene bereits einen Baum gestreift und dabei einen Außenspiegel des Rettungswagens beschädigt gehabt. "Ein Sanitäter wurde offenbar beim Griff durch das Verbindungsfenster leicht verletzt", so die Polizei weiter. Aufgrund des umsichtigen und beherzten Eingreifens des Rettungsteams konnte demnach Schlimmeres verhindert werden - so kam ansonsten glücklicherweise niemand weiteres zu Schaden.

Über ähnliche Probleme hatte DRK-Rettungsdienstleiter Herbert Mann in der PZ-Serie "Mehr Respekt, bitte" gesprochen. Er sagte: „Wir können unseren Job nicht machen. Das, wofür wir eigentlich da sind und wofür wir schließlich auch gerufen wurden."

Bei dem Vorfall am Donnerstag eilte die Polizei mit fünf Streifenfahrzeugen zu der Örtlichkeit und nahm den aus Polen stammenden, bislang polizeilich unbescholtenen Mann in Gewahrsam. Das Foto eines PZ-Lesers zeigt, wie die Wagen hinter dem ASB-Rettungswagen stehen. Ein Atemalkoholtest bei dem 41-Jährigen war nach Polizeiangaben aufgrund seines Zustandes nicht möglich. Ihm wurde daher anschließend eine Blutprobe entnommen.

Neben den hinzugeeilten Polizeibeamten mussten zur Versorgung des Patienten ein Notarzt und ein weiteres Rettungsteam hinzugezogen werden.

Der 41-Jährige wird sich nun mindestens wegen des Tatbestands der unbefugten Ingebrauchnahme eines Fahrzeugs beziehungsweise versuchtem Diebstahl, Straßenverkehrsgefährdung in Verbindung mit Trunkenheit im Verkehr sowie Fahrens ohne Fahrerlaubnis verantworten müssen. Ob noch weitere Straftaten vorwerfbar sind, wird derzeit noch geprüft.

Mehr zum Thema in der Serie "Mehr Respekt, bitte":

Mehr Respekt, bitte – Chefarzt Dr. Felix Schumacher: "Das ist der Gipfel der Respektlosigkeit"

Mehr Respekt, bitte – Feuerwehrmann Thomas Häffelin: "Man kriegt im Laufe der Zeit ein dickes Fell"