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Inmitten von Kunst zeigt sich Immobilienhändler Andreas Sarow in seiner Villa in der Postwiesenstraße.
13.09.2015

Besuch bei Sarow: Ein Lamborghini und das Wohnzimmer so groß wie ein Schwimmbad

Andreas Sarow hat sich eingeschlossen. Wer in sein Reich in der Pforzheimer Postwiesenstraße eindringen will, muss die rotbraune Metallwand überwinden, die den Eingang versperrt. Erst wenn der Hausherr es will, beginnt sich die klobige Konstruktion zu bewegen.

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Zentimeter für Zentimeter befreit sich das Metall aus der Starre und gibt den Blick frei aufs Foyer. Links steht sein weißer Lamborghini, wird hinter einer Glaswand von Leuchtern bestrahlt – rechts führt der Weg hoch in einen riesigen Raum. Sein Ende ist bloß zu erahnen. Andreas Sarow ist reich – und ein Geheimnis macht er daraus nicht.

Der Mann, der mit der „schwarzen Villa“ bundesweit für Aufsehen gesorgt hat, wohnt privat ganz lichtdurchflutet. Strahlend blenden die Wände den Blick und nur raumhohes Glas trennt den Garten vom Innern des Hauses. „Das war die Idee“, sagt Sarow: „Vorne Bunker und hinten ganz offen.“ Das Haus hat er in einer Zwangsversteigerung billig erworben und nach seinen Plänen umgebaut. Das alte Schwimmbad gibt es nicht mehr. Sarow hat sein Wohnzimmer daraus gebaut.

Er hat eine heruntergekommene Immobilie gekauft – und nach seinen Wünschen verändert. Das ist sein Job. Dutzende Häuser hat er so verkauft – und auch mit der schwarzen Villa wird es geschehen. Kann man davon leben? Ganz sicher. Aber baut man endlose Räume daraus? „Ich habe mir alles selbst erarbeitet“, sagt Sarow. Er hat keine Mitarbeiter außer seiner Frau, und auch beim Kauf der Häuser ist er vorsichtig.

Zwangsversteigerungen besucht er fast täglich – aber nur selten kommt er mit neuem Hausbesitz zurück. So ganz von null aber, bekennt Sarow, hat er auch nicht angefangen. Der Vater ist Unternehmer im Enzkreis. Sarow hätte nachfolgen können. Aber das wollte er nicht. „Ich wollte mein eigenes Ding machen“, sagt Sarow. Geschadet hat sie ihm sicher nicht, die finanzielle Sicherheit, die so eine Herkunft mit sich bringt, die Vertrauen gibt – auch bei denen, auf die es bei so einem spekulativen Geschäft ankommt: die Banken. „Ohne eine starke Bank im Rücken könnte ich meine Geschäfte nicht führen“, sagt Sarow.

Wie gut sie da tut, die Herkunft aus sorglosem Hause. Manches Hindernis räumt sie aus dem Weg.

Sarow verbringt gelassene Jahre, zieht nach Stuttgart, studiert Architektur – kellnern muss er nicht. Auch seine Hobbys sind nicht die eines normalen Studenten: Schon damals sind es Autos, die ihn faszinieren. Es ist ein leichtes Leben. Aber auch sein Beruf fasziniert ihn, das merkt man. In einem Raum hat er sie versammelt: die Modelle, die seiner Fantasie entsprungen sind und, die er teilweise verwirklicht hat. Tennishallen, hohe Häuser – und auch sein Abschlussprojekt an der Hochschule in Stuttgart. Einen Abschluss hat er gemacht – Architekt darf er sich trotzdem nicht nennen. Dazu müsste er Mitglied in der Architektenkammer sein. „Ich hätte nach dem Abschluss zwei Jahre in einem Architekturbüro arbeiten müssen. Ich wollte aber direkt loslegen“. Kleinere Häuser darf er entwerfen – „Aber den Sparkassenturm könnte ich nicht konzipieren“, sagt Sarow. Und so sind es Umbauten, mit denen er sich beschäftigt. Werke, die seine ganze Energie verbrauchen. „Zwischen Arbeit und Freizeit unterscheide ich wenig. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt er. Zielstrebig ist er.

Mit seinen 40 Jahren hat er sich eine Existenz aufgebaut – mit Frau und Kind, Autos und Häusern und ja, auch Boote mag er gern. Er segelt am Bodensee, wenn die Sonne scheint – wie auf sein Leben. Aber Sarow hat dunkle Tage gekannt, spricht von einem einschneidenden Erlebnis, das seine Sicht auf das Leben verändert hat. Mehr will er dazu nicht sagen. Seitdem habe er jedenfalls Distanz gewonnen zu materiellen Dingen, meint er. Er erfreue sich an ihnen, sein Leben aber hänge nicht davon ab: „Ich könnte mich von meinem gesamten Besitz sofort verabschieden“, sagt er – hinter ihm die gläserne Wand zum Garten, rechts von ihm der endlose Raum. Die Diskrepanz hat er bemerkt. Wie um sich zu erklären, erzählt er von einem Projekt. Damals vor rund zehn Jahren hat er sich getrennt, von allem Luxus und jeglichem Überfluss. In Lauffen am Neckar hat er eine Tennishalle betrieben. Er hat in einem stillgelegten Wohnmobil gewohnt – auf acht Quadratmetern, ohne Dusche und Komfort.

„Ich wollte mich unabhängig machen vom Besitz und habe gemerkt, wie wenig man eigentlich braucht. Man nimmt viel eher am öffentlichen Leben teil, wie beispielsweise zur Nahrungsaufnahme. In diesem Wohn-Ei nimmt man das Wetter viel bewusster wahr“, sagt er. Mittlerweile ist es vorbei damit. Er hat das Wohn-Ei mit seinem metallbewährten Haus getauscht – und auch für andere Leidenschaften gibt er gerne Geld aus.

Er fällt auf mit seinen Autos, vier an der Zahl, vom Lamborghini über Porsche und BMW zum Hummer – das ist ihm bewusst. Aber die Aufregung kann er nicht verstehen, dass manche ihn Hochstapler nennen ebenso wenig. „In Amerika kann man viel einfacher mit schönen Autos herumfahren. Ich wüsste nicht, warum ich sie verstecken soll“, sagt er und verweist dabei auf Basketball-Star Dirk Nowitzki als Kronzeugen dieser Beobachtung. Auch bei seinen Autos achtet er auf den Preis, wirft nicht wahllos Geld aus dem Fenster, sagt er. Er kauft sie gebraucht, kennt den Zeitpunkt des größten Wertverlusts und ist angewiesen auf sie – und ihre je eigene Funktion.

Davon gibt es viele: „Der Hummer ist als Arbeitstier unerlässlich. Auch, um einfach mal in die Baugrube fahren zu können.“ Den Porsche-SUV hat er als Transportmittel für sein Kind gekauft, mit dem BMW fährt er auf dem Nürburgring „Und der Lamborghini – das ist meine Seele“, sagt Sarow. Ja, er genießt es, sein Leben. Im Garten ist es dunkel geworden, der endlose Raum strahlt Wärme aus.

Darin stapft sein Sohn umher – stapft vorbei am gläsernen Fenster, an Skulpturen und Bildern, vorbei an Kamin und Couch, auch vorbei am Weinkühlschrank, in dem Fanta lagert. Hier ist Sarows Reich. Er selbst hat es gebaut – und davor eine metall-schwere Tür.

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