nach oben
Schon 2008 wurde ein Haus in Stuttgart-Möhringen im Rahmen einer Kunstaktion komplett schwarz gefärbt.
Stefan Strumbels Kunst hat Sarow direkt inspiriert. weißbrod
Gerda Frisch (links) und Maria Klein halten den ungewöhnlichen Anblick in der Friedenstraße fest. seibel
01.09.2015

Vorwurf: Ist die schwarze Villa in Pforzheim ein Plagiat?

Vor der Villa Friedenstraße 103 wird jeder zum Schwarzseher. Denn genau das ist sie: schwarz – vom Giebel bis zur Stufe. Doch damit nicht genug: Mancher findet hier nicht nur die Fassade schwarz – sondern auch die Vorgeschichte des Kunstprojekts. Denn der Initiator – Immoblienhändler Andreas Sarow – soll abgekupfert haben – und das aus mehreren Quellen. So zumindest lauten die Informationen, die in der PZ-Redaktion eingehen.

Er ist nicht der Erste, der auf die Idee gekommen ist, ein Haus – samt Giebel und Treppe – in Schwarz zu tauchen. Bekanntestes Beispiel: Im Jahr 2008 wird in Stuttgart-Möhringen ein einst farbenfroh vollgesprühtes zum schwarzen Haus. Hier wie dort stecken Galeriebetreiber dahinter: in Pforzheim Andreas Sarow, in Stuttgart Karin Abt-Straubinger. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf.

Abriss gegen Renovierung

Denn in Stuttgart handelt es sich um ein Abrisshaus. Nur drei Wochen steht es schwarz da – danach wird es niedergewalzt und macht einer neugebauten Galerie Platz. In Pforzheim dagegen ist die schwarze Villa die Galerie, zumindest auf Zeit. Danach kommt nicht der Abriss, sondern die endgültige Renovierung. Aber auch eine andere Inspiration soll Sarow geleitet haben und zwar aus dem Fernsehen. Ein Werbespot der Baumarkkette „Hornbach“ aus dem vergangenen Jahr setzt den Traum vom schwarzen Haus grafisch um – und erinnert frappierend an die schwarze Villa in der Friendenstraße. Kurzum: die Idee ist nicht neu. Macht diese Tatsache Sarow zum Plagiator? Er meint Nein: „Ich habe nie behauptet, der Einzige mit dieser Idee zu sein.“

Bildergalerie: Anwesen an der Friedenstraße soll zum Kunst-Tempel werden

Auch das Haus in Möhringen wie den Werbe-Spot habe er gekannt. Seine Aktion aber hält er für eigenständig: „Wichtig ist ja nicht, dass ein Haus schwarz wird, sondern die Wechselwirkung mit der zuvor identischen Umgebungsbebauung. Das macht den Reiz der Aktion aus.“ Sarow gibt zu, auch bei der schwarzen Villa das Rad nicht neu erfunden zu haben – darum geht es seiner Meinung nach in der Kunst aber generell nicht: „In Wirklichkeit hat es jedes Phänomen in der Kunst schon gegeben. Die eigentlich Frage ist: ,Wie kann das Altbewährte neu interpretiert werden?‘ genau das habe ich gemacht“.

Seine eigentliche Inspiration sei aber weder ein Haus oder Fernseh-Spot gewesen, sondern ein Besuch auf der Art Karlsruhe. Dort sei ihm die Idee zur Villa gekommen. Mehr lesen Sie am Mittwoch in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.