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Nach Ansicht der DLRG steht es düster um die Zukunft des Schwimmsports in der Goldstadt. Die Pforzheimer Gruppe fordert eine sofortige Kehrtwende in der Bäderpolitik. 

Brandbrief an die Stadtverwaltung: DLRG fordert Wende beim Pforzheimer Bäderkonzept

Pforzheim. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Pforzheim fordert eine sofortige Wende in der Bäderpolitik der Stadt. Aus Sicht der DLRG und deren Vorsitzenden Jens Kühn sei der jüngste Beschluss des Gemeinderates zum Weiterbau des Emma-Jaeger-Bades nur eines: ein Todesstoß für alle anderen Bäder in der Goldstadt. Für deren Renovierung und Instandhaltung stünde wegen des Emma-Baus kein Geld mehr zur Verfügung.

Der vollständige Brief im Wortlaut:

"Der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung am 12.10. mit einer hauchdünnen Mehrheit von 1 Stimme Mehrkosten von 3,23 Mio. Euro für die Baugrube (Verbau) eines Innenstadtbads beschlossen. Damit belaufen sich die Gesamtkosten allein für dieses Bad auf knapp 30 Mio. Euro. Für ein Schwimmbecken, das weder den Namen Sportbad noch Familienbad verdient hat und einer Großstadt nicht würdig ist. Mit diesem Beschluss sollte allen klar sein, dass dies den Tod sämtlicher noch bestehender Bäder in Pforzheim bedeuten wird. Mit dieser aberwitzigen Investitionssumme ist klar, für die Renovierung des Wartbergbades, des Nagoldbades, der Stadtteilbäder Eutingen und Brötzingen sowie des Beckens in der Konrad-Adenauer-Schule steht auf lange Zeit kein Geld mehr zur Verfügung. Jedes Einzelne wird, sobald eine größere Reparatur ansteht, geschlossen! Jeder der hier „sein Bad“ sieht, kann nur beten, nicht der/die Erste zu sein.

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Knappe Abstimmung: Gemeinderat für Weiterbau des Emma-Jaeger-Bads

Somit wird Pforzheim zum Schluss eine Großstadt sein, ohne eigenes Freibad und zwei Hallenbädern, die insgesamt lediglich 11 Bahnen á 25 Meter Länge zur Verfügung haben. Eines davon in einem Ortsteil am Stadtrand. Und das alles für insgesamt 43 Mio. (Stand heute)! Zu Gute halten muss man die jeweilige Berücksichtigung von Kinderbecken. Dies ist die aktuelle Beschlusslage des amtierenden Pforzheimer Gemeinderats.

Es erschließt sich uns nur schwer, warum ein Gemeinderat, dem nur begrenzte Mittel zur Verfügung stehen, diese Mittel nicht sinnvoll und möglichst effektiv einsetzt. Wenn man es nüchtern betrachtet, hatte Herr Erster Bürgermeister Dirk Büscher mit seiner vorgelegten Bäderstrategie und dem darin enthaltenen Kombibad auf dem Wartberg genau das getan. Mit dieser Synergie wäre es mit einem deutlich geringeren Betrag möglich das Wartberg zu sanieren, womit auch für die restlichen Bäder mehr Geld zur Verfügung stehen würde. Dies hätte nämlich auch bedeutet, das Gelände des Emma-Jäger-Bads in der Innenstadt möglicherweise aufzugeben und zu veräußern. Diese Gelder hätten zweckgebunden für den Erhalt der Bäderlandschaft verwendet werden können.

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Rückbau wird deutlich teuer: Pforzheimer Bad sorgt wieder einmal für Debatte

Wir fragen uns bereits seit geraumer Zeit, wann die Schwimmsportvereine dieser Stadt auch vom Gemeinderat nach ihrer Meinung zur gesamten Bäderproblematik/-strategie befragt werden und nicht nur Gespräche mit der Verwaltung zu Einzelheiten stattfinden. Mit den Fraktionen des amtierenden Gemeinderates hat es hierzu noch keine Gespräche gegeben.

Uns allen ist klar – wir brauchen Wasserfläche! Der Bedarf der Stadt – für die Vereine wie auch für die Freizeitschwimmer im öffentlichen Badebetrieb – ist weitaus größer als 11 Bahnen á 25 Meter in 2 Hallenbädern. Die dezentrale Verteilung der bisherigen Badfläche sehen wir als Standortvorteil der kurzen Wege, den es zu erhalten gilt. Seien es die Freibäder auf dem Wartberg und in Dillweißenstein (seines Zeichens ein 83-jähriges Kleinod, was seinesgleichen in Deutschland sucht), das Hallenbad in Eutingen oder die Schulbäder in Brötzingen und auf dem Buckenberg. Wir können nur für alle Schwimmer:innen hoffen, dass sich die gewählten Vertreter der Bürger:innen besinnen und schnellstmöglich eine sinnvolle Kehrtwende oder ein standfestes Bekenntnis für die übrigen Bäder im Sinne der Stadt einschlagen."