Caritas MiN Auto
Christine Bischoff und ihr Team von der Sozialmedizinischen Nachsorge (von links) sowie Terasa Neuhaus und Rafael Biscardi von der Caritas Pforzheim freuen sich, dass Susanne Knöller, Vorsitzende von „Menschenin Not“ (Zweite von links), die Fahrzeugschlüssel überreicht.
Röhr
Pforzheim
Dank PZ-Lesern und „Menschen in Not“: Neues Auto für Caritas, die kranken Kindern helfen

Ein schwerkrankes Kind ist eine Herausforderung. Die Caritas hilft zu Hause. Und dank „Menschen in Not“ sind entlegene Orte in der Region zu erreichen.

Pforzheim. Der Junge ist sieben Jahre alt, Erstklässler. Dann wird er schwer krank. Eine komplizierte Darmerkrankung reißt ihn aus seinem bisherigen Leben – und seine Familie gleich mit.

Monatelang ist vieles anders. Und auch als er wieder nach Hause kommt, ist längst nicht alles gut. Im Gegenteil. Nun beginnen die Fragen: Wann kann er wieder zur Schule? Wer begleitet ihn dort? Wer bezahlt diese Hilfe? Welche Anträge müssen gestellt werden? Wer spricht mit Schule, Krankenkasse und Behörden?

„Bis wir den Jungen zurück in der Schule hatten, war das wirklich sehr viel Arbeit“, erinnert sich Teresa Neuhaus, Stabstelle Fundraising und Ehrenamt bei der Caritas. Die Eltern seien engagiert gewesen, aber schlicht überfordert von dem Hilfesystem. Für die Mutter hatte das auch ganz konkrete Folgen: Solange die Versorgung ihres Sohnes nicht geregelt war, konnte sie nicht einfach wieder in ihren bisherigen Arbeitsalltag zurückkehren. „Bei solchen Familien stellt sich der Alltag von einem Tag auf den anderen komplett auf den Kopf“, sagt Neuhaus. Das betreffe nicht nur Pflege und medizinische Fragen. Genau in dieser Situation setzt die Sozialmedizinische Nachsorge der Caritas an. Sie begleitet Familien mit frühgeborenen, schwer oder chronisch kranken Kindern nach der Entlassung aus der Klinik.

Ein entlastendes Netzwerk

Der Sprung von dort nach Hause ist für viele enorm. „In der Klinik ist immer jemand da, den man fragen kann“, so Neuhaus. „Und dann kommt man heim ins Häusliche und muss alles alleine schaffen.“

Dann geht es plötzlich um Medikamente, Hilfsmittel, Fachärzte, Pflege, Therapien und Anträge. Bei manchen Kindern auch um Beatmung oder künstliche Ernährung. Und zugleich soll das Familienleben irgendwie weitergehen.

Die Caritas will Eltern dabei nicht dauerhaft alles abnehmen. „Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Christine Bischoff von der Sozialmedizinischen Nachsorge. Gemeinsam mit den Familien soll ein Hilfenetz aufgebaut werden, das später auch ohne die Nachsorge trägt.

Unterstützt wird der Aufbau des noch jungen Diensts auch von der „Aktion Mensch“. Die Förderung hilft dabei, die Sozialmedizinische Nachsorge weiterzuentwickeln und auszubauen. Dauerhaft reicht die Finanzierung über die Krankenkassen jedoch nicht aus, um alle Leistungen abzudecken. Vor allem für die ganzheitliche Begleitung der Familien bleibt die Caritas deshalb auf Spenden angewiesen.

Dafür müssen die Mitarbeiterinnen jedoch auch dorthin kommen, wo die Familien leben. Und das ist längst nicht nur in Pforzheim. Die Nachsorge betreut Familien im Enzkreis und inzwischen auch in Teilen des nördlichen Landkreises Calw. Die Betroffenen wohnen weit verstreut. Öffentliche Verkehrsmittel sind dort für die Hausbesuche oft keine realistische Möglichkeit – schon wegen der Fahrzeiten und des Materials, das die Mitarbeiterinnen dabeihaben.

PZ-Leser bewegen Großes

Dafür hat der Dienst nun ein eigenes Fahrzeug. Fast vollständig finanziert wurde es von „Menschen in Not“, dem Hilfsverein der „Pforzheimer Zeitung“. Von den insgesamt 13.500 Euro für den jungen Gebrauchtwagen kamen 11.700 Euro von „Menschen in Not“. Ohne diese Unterstützung, sagt die Caritas, hätte sie das Fahrzeug nicht anschaffen können.

Das Auto soll nicht einfach nur Fahrten bequemer machen. Es schafft die Voraussetzung dafür, dass die Sozialmedizinische Nachsorge weiter wachsen und auch Familien zuverlässig erreichen kann, die außerhalb Pforzheims oder schlecht angebunden wohnen.

Denn für manche Eltern ist schon der nächste Arzttermin eine Herausforderung. Für Familien mit einem beatmeten, künstlich ernährten oder schwer erkrankten Kind erst recht. Für die Sozialmedizinische Nachsorge gilt deshalb ein einfaches Prinzip: Nicht die Familie muss zur Hilfe kommen. Die Hilfe muss zur Familie kommen.

Wer die Sozialmedizinische Nachsorge fördern möchte, kann über „Menschen in Not“ zweckgebunden mit dem Stichwort „Sozialmedizinische Nachsorge“ an IBAN DE72 6665 0085 0000 8888 77 spenden. Eine Unterstützung ist auch direkt über den Caritasverband Pforzheim, www.caritas- pforzheim.de, möglich.