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Pforzheims frühere Oberbürgermeisterin Christel Augenstein wird im Derivate-Prozess vor dem Landgericht Mannheim unter anderem von dem Heidelberger Rechtsanwalt Jürgen Leibold vertreten. © Ketterl/PZ-Archiv
24.08.2017

Derivate-Prozess gibt Einblicke in die Gefühlswelt der Ex-OB: „Frau Augenstein wirkte etwas hilflos“

Ziemlich „überrascht“ und „geschockt“ soll die frühere Pforzheimer Oberbürgermeisterin Christel Augenstein reagiert haben, als sie erstmals verwaltungsintern mit dem ganzen Ausmaß der Millionen-Zinsverluste konfrontiert wurde. Daran erinnert sich ein ehemaliger Mitarbeiter des städtischen Rechnungsprüfungsamts (RPA), wie er am Donnerstag im Derivate-Prozess aussagt.

Der städtische Bedienstete, der jetzt in anderer wichtiger Funktion im Rathaus arbeitet, habe dann die OB gefragt, wie sie das Dilemma dem Gemeinderat beibringen wolle. „Sie wirkte etwas hilflos, ohne Frau Augenstein nahetreten zu wollen“, schildert der Verwaltungsmitarbeiter die Situation. Er eröffnet am sechsten Verhandlungstag vor der Großen Wirtschaftskammer des Landgerichts Mannheim die lange Reihe der noch anstehenden Zeugenvernehmungen.

Bildergalerie: Pforzheimer Derivate-Prozess beginnt in Mannheim

Nach eigenen Worten hat der damalige RPA-Mitarbeiter kurz vor der Oberbürgermeisterwahl 2009 die Rathauschefin gefragt: „Glauben Sie, dass Sie nach Ihrer Wiederwahl mit Ihren Erkenntnissen die Zeit überstehen?“ Augenstein habe geantwortet: „Wir brauchen eine kleine Inflation.“ Der Zeuge interpretiert, was die höchste Repräsentantin Pforzheims damit gemeint haben könnte: „Dann hätte sich der negative Marktwert nicht realisiert.“ Die angeklagte frühere Stadtchefin schweigt am Donnerstag, wird allerdings auch nichts gefragt.

Auftakt im Pforzheimer Derivate-Prozess

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