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Die Räte Sebastian Lind, Rico Edelmann, Martina Elia, der Präsidiumsvorsitzende Paul Jenisch und Beisitzer Leon Meyer blicken auf die Höhe- und Tiefpunkte der vergangenen knapp zwei Jahre zurück.  Foto: Meyer 

Dritte Amtszeit des Jugendgemeinderats in Pforzheim endet mit gemischter Bilanz

Pforzheim. Das erste schulübergreifende Sportturnier, die Wiederbelebung des jugendpolitischen Tags oder die Fahrradwerkstatt am Waisenhausplatz: Hinter viele Punkte, die der dritte Jugendgemeinderat auf seinen Fahrplan gesetzt hatte, kann das Gremium einen Haken machen. Die vergleichsweise hohe Zahl abgeschlossener Projekte steht nach Ansicht einiger Jugendräte sinnbildlich für den insgesamt aktivieren Rat im Vergleich zu seinen Vorgängern. Doch einig ist man sich auch darin, dass noch mehr drin gewesen wäre – hätte es weniger persönliche Scharmützel und parteipolitische Grabenkämpfe gegeben.

Die „persönlichen Fehden“, so Ratsmitglied Sebastian Lind, der mit seinem Bruder Adrian Lind immer wieder mit dem ehemaligen Präsidiumsvorsitzenden Rico Edelmann aneinandergeraten war, hätten die Arbeit behindert. „Daran war ich nicht unbeteiligt. Das hat sich mit der Zeit immer mehr hochgeschaukelt“, sagt Lind, der im Falle einer Wiederwahl daran arbeiten möchte, dass das „das nächste Mal auf gar keinen Fall wieder“ passiert. Martina Elia, die ebenfalls aus dem Rat ausscheidet, erklärt, dass sie mit ihrer persönlichen Entwicklung im Laufe der Zeit zwar zufrieden sei, doch das man bei Diskussionen „häufig gegen eine Wand“ angeredet habe, und so auch manchem „die Lust vergangen“ sei.

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Der 23-jährige Edelmann, der allein wegen seines Alters nicht mehr für den JGR kandidiert, sieht neben der „aufgeheizten Stimmung“ die „nahezu verweigerte Mitarbeit in den Anfangsmonaten“ seitens der Jungen Union (JU) als eine der großen Bremsen. Nach der Kampfabstimmung um den Präsidiumsvorsitz, den der frühere Jungliberale Edelmann gegen JU-Mitglied Niklas Finger damals für sich entschied, hätten die Unions-Jugendlichen nicht mehr kooperiert. Auch der amtierende JGR-Präsidiumsvorsitzende und Junge Liberale Paul Jenisch erklärt, dass es eine anfängliche Arbeitsverweigerung der JU gab, die „grundsätzlich dazu beigetragen hat, dass das Arbeitsklima über unsere komplette Amtszeit schwierig und angespannt war“.

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Ein Team-Gefühl habe so nicht entstehen können. „Vielleicht verlagert sich das Problem ja bald nach Stuttgart“, sagt Edelmann, der dem Pforzheimer JU-Vorsitzenden und CDU-Landtagskandidaten Philipp Dörflinger vorwirft, sich aus dem Hintergrund in die Arbeit des JGR einzumischen. Dieser erklärt auf Nachfrage, dass er sich als JU-Vorsitzender und Stadtrat natürlich mit den Mitgliedern austausche. Aber: „Wenn Herr Edelmann das als Einflussnahme auf das Gremium wertet, ist das schon sehr weit hergeholt.“ JGR- und JU-Mitglied Fridolin Kollmar bestreitet die verweigerte Kooperation. Die Unionsjugend habe „zu jeder Zeit mit den anderen Jugendgemeinderäten zusammengearbeitet“. Differenzen inhaltlicher Art habe es gegeben. „Dass man nicht mit jedem Projekt einverstanden ist und sich nicht in jedem Projekt gleich engagiert, ist somit selbstverständlich“, widerspricht auch JUler Alex Engelmann dem Vorwurf mangelnder Zusammenarbeit.

Desinteresse der Stadträte

Der Einsatz insgesamt, so Jenisch, sei zwar gestiegen. Doch wie in den Vorjahren sei es wieder eine „Handvoll Engagierter“ gewesen, die sich die Arbeit geteilt habe. Diese hätten, so Beisitzer Leon Meyer, mit Formaten wie dem Sportturnier oder dem jugendpolitischen Tag „Marken etabliert“, die es Wert seien, weiterverfolgt zu werden. Von der Verwaltung wünscht er sich mehr Gehör. Gerade beim Thema Bädereintritt sei er „sehr enttäuscht“ gewesen, wie der JGR abgewiegelt worden wäre. Insgesamt, findet der 16-Jährige, müsse der Jugend als „Generation der Zukunft“ viel mehr Gehör geschenkt werden. Für Jenisch ist auch das Interesse vonseiten der Stadträte ausbaufähig. Mit Blick auf die Fraktionsrunden sei man von den Montagsterminen für JGR-Sitzungen abgekommen. „Da die meisten immer noch nicht kommen, spielt hier sicher auch eine gewisse Ignoranz eine Rolle“, sagt Jenisch, der vorschlägt, dass jede Fraktion immer einen Vertreter in den JGR schickt.

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Meyers Ansicht nach ist eine der großen Aufgaben des JGR, die Jugendlichen noch besser zu erreichen. „Umfragen zeigen, dass sie wissen, was global politisch passiert. Doch was vor Ort geschieht, davon bekommt unsere Generation am wenigsten mit“, sagt Meyer. Die Rolle des JGR müsse die der Verbindung ins Rathaus sein. „Wir müssen klarmachen, dass wir ein offenes Ohr für sie haben“, sagt Edelmann, der andere Jugendbeteiligungsformen neben dem JGR fordert. „Es kann nicht sein, dass es immer noch Jugendliche in dieser Stadt gibt, die nichts vom JGR wissen“, sagt Lind. Noch bis 29. November stehen 35 Kandidaten zur Wahl, die das ändern wollen.

Jeanne Lutz

Jeanne Lutz

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