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Ein Pforzheimer soll der Administrator eines Kinderporno-Rings im Darknet gewesen sein. Am 18. November beginnt in Pforzheim der Prozess gegen den 43-jährigen Deutschen. 

Neue Details zum Pforzheimer Kinderporno-Ring mit internationalen Mitgliedern

Pforzheim. Zwei Wochen vor Prozessbeginn gibt sich die Staatsanwaltschaft Mannheim noch etwas einsilbig zu den Hintergründen eines Falles von bandenmäßiger Verbreitung von kinderpornographischen Schriften. Am 18. November wird vor dem Landgericht Karlsruhe – Auswärtige Große Strafkammer Pforzheim ein 43-jähriger Pforzheimer zu einem Kinderporno-Ring befragt werden, für den er als Administrator einen Server in seiner Wohnung betrieb, der die Bild- und Videomaterial teilende Plattform im Darknet bediente. Bislang wurden nur wenige Details zu dem angeklagten Deutschen oder zu der Gruppe, die das kinderpornographische Material nutzte, bekanntgegeben.

Am 19. März wurde der in einer Erdgeschosswohnung an der Pflügerstraße in Pforzheim wohnende von Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) nach einer Razzia verhaftet. Der Anklage vorausgegangen waren jahrelange aufwändige Ermittlungen durch das BKA, in deren Verlauf es schließlich – auch aufgrund erfolgreicher internationaler Kooperation – gelungen war, den sich anonym im Darknet bewegenden und unter einem Pseudonym auftretenden Angeklagten zu lokalisieren und schließlich zu identifizieren. Der Angeklagte soll seit 2015 über seinen Server mit 32 Mitgliedern eines hoch konspirativen und in sich abgeschlossenen Forums Bilder- und Videodateien mit kinderpornographischen Inhalten ausgetauscht haben.

Erste Staatsanwälin Isa Böhmer: Keine "inländische Tätergruppierung"

„Bedingt durch die Anonymität des Darknets und von dessen Nutzern sind die weiteren Mitglieder des Forums nur unter ihren sogenannten  ,Nicknames‘ (Anmerkung der Redaktion: Pseudonym, Spitzname) bekannt. Es ist bisher davon auszugehen, dass es sich nicht um eine inländische Tätergruppierung handelt. Dafür spricht auch, dass die Mitglieder in englischer Sprache miteinander kommunizierten“, teilt Erste Staatsanwältin Isa Böhmer von der Staatsanwaltschaft Mannheim auf Anfrage von PZ-news mit.

Man darf davon ausgehen, dass Ermittlungsbehörden im Ausland über mögliche Ergebnisse der BKA-Untersuchungen unterrichtet wurden - wenn es denn Verwertbares gibt. Spuren im Darknet zu verfolgen ist extrem schwierig, was die jahrelangen BKA-Ermittlungen im Falle des 43-jährigen Pforzheimers ja zeigen.

"Keine Hinweise auf ein bestimmtes Herkunftsland" der Bilder und Video

So wenig aktuell über die 32 weiteren Mitglieder des Kinderporno-Rings bekannt gegeben wird, so wenig weiß man offenbar auch über das getauschte Material. „Es gibt keine Hinweise auf ein bestimmtes Herkunftsland“, teilt Isa Böhmer mit. Ob diese Bild- und Videodateien von den Mitgliedern selbst mit Aufnahmen eigener Verbrechen erstellt wurden, ob es sich um vergleichsweise harmloses oder extrem brutales kinderpornographisches Material handelt, wird wohl erst im Laufe der Verhandlung ans Licht kommen. „Hierzu können gegenwärtig keine Angaben gemacht werden“, heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft Mannheim, deren Abteilung Cybercrime die Anklage erhoben hat.

War der mutmaßliche Täter schon vorher einmal aufgefallen?

Googelt man den Namen des 43-Jährigen findet man nur sehr wenig, und das, was im Internet von ihm zu lesen ist, deutet nicht unbedingt auf ein kriminelles Treiben hin. In seiner Nachbarschaft an der Pflügerstraße habe er vielen bei Problemen mit Computern geholfen. Der alleine lebende Mann sei ein ruhiger, hilfsbereiter, netter Mensch gewesen, über den man freilich kaum etwas erfahren habe. Aber war er der Polizei schon vorher bekannt, eventuell sogar im Zusammenhang mit Kinderpornographie oder Kindesmissbrauch?

Auch auf diese Frage antwortet die Staatsanwaltschaft Mannheim: „Hierzu können keine Angaben gemacht werden.“ Der Strafprozess in den Räumlichkeiten des Amtsgerichts Pforzheim beginnt am Montag, 18. November. Drei weitere Verhandlungstage sind vorgesehen.

Thomas Kurtz

Thomas Kurtz

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