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Polizeitaucher suchten im vergangenen Jahr in der Enz nach Spuren zu dem Tötungsdelikt an dem Pforzheimer Schmuckhändler. 

Paukenschlag im Schmuckhändler-Prozess: Aufgetauchte Aktenordner gelangen erst jetzt an Gericht - Rechtsmedizinerin sagt aus

Pforzheim. Mit einem Paukenschlag begann die Fortsetzung des Prozesses um den getöteten 57-jährigen Schmuckhändler vor der Schwurgerichtskammer am Karlsruher Landgericht. Der Vorsitzende Richter Alexander Lautz ließ verlauten, dass zwei weitere Aktenordner mit 70 Spuren erst jetzt an das Gericht gelangt sind. Es ist notwendig, dass alle einen gleichen Kenntnisstand haben“, wunderte sich Oberstaatsanwalt Harald Lustig über das Vorgehen der Polizei. Somit ist die angeraumte Entscheidung Ende Juni in weite Ferne gerückt, denn zudem blieb am Freitag die genaue Todesursache des Opfers weiterhin unklar.

„Ich gehe von einer Kombination aus Sauerstoffentzug und Vergiftung aus“, erklärte eine 51-jährige Rechtsmedizinerin aus Heidelberg am Freitag. Nach einem Obduktionsbericht aus Straßburg ging die Staatsanwaltschaft zu Beginn des Prozesses im März von einem Strangulationsprozess aus, doch dieser wurde im Verlaufe des Prozesses von einem Gutachter aus Heidelberg in Frage gestellt.

„Es wurde Druck auf den Hals ausgeübt aber ob es sich dabei um einen Strangulationsprozess gehandelt hat, kann ich nicht beantworten“, erläuterte nun auch eine 41-jährige Rechtsmedizinerin aus Straßburg.

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Diese hatte den Leichnam nach seinem Auffinden im französischen Soultz-sous-Forêts am 22. Juni 2019 vier Tage später in Straßburg obduziert. Vor dem Schwurgericht berichtete sie von einem intakten Gewebe aber erheblichen Brandmerkmalen am Leichnam. Sie stellte zahlreiche Einblutungen im Brust-, Rücken- aber auch Halsbereich fest. Insbesondere im rechten Halsbereich gab es tiefere Einblutungen.

„Nach unseren Ergebnissen ist das Opfer erstickt aber wie genau, können wir nicht feststellen“, so die Sachverständige aus Straßburg.

Ein Ersticken am Erbrochenen oder eine natürliche Todesursache schloss sie aus. Zu einer ähnlichen Erkenntnis gelang eine Rechtsmedizinerin aus Heidelberg. Zwar sei der Befund aufgrund der späteren Obduktion und der eingetretenen Leichenfäule eingeschränkt, dennoch konnten weitere Einblutungen im Hüftbereich festgestellt werden. „Erwürgen mit den Händen halte ich für ausgeschlossen“, so die 51-jährige. Hierfür gebe es keinerlei Stauungsblutungen, was für einen solchen Vorgang normal wäre. Wahrscheinlicher sei ein Stützen auf den Brustkorb. Dass die Einblutungen durch Schleif- oder Transportspuren oder bereits vor der Tat entstanden sind, hält sie aufgrund der Ausdehnung weitgehend für unwahrscheinlich.

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Sicher sei, dass der Schmuckhändler eine hohe aber nicht tödliche Dosis K.O-Tropfen in sich hatte. Aufgrund der Unklarheit möchte das Gericht eine histologische Untersuchung in Auftrag geben. Ebenso soll möglicherweise das Herz des Opfers untersucht werden, welches kurioserweise über mehrere Wochen bei den Ermittlungsbehörden lag.

„Nach derzeitigen Stand kann ich nicht beurteilen, wie viele Termine noch nötig sind“, so Lautz.

Mit dem Ergebnis des histologischen Befunds sei nicht vor Mitte Juli zu rechnen. Zudem forderte Nebenklageverteidiger Markus Schwab, das Gericht auf das Urteil aus den USA gegen den Angeklagten zu verlesen, da dieser gegensätzlich zu einer Aussage dort den Vorwurf wegen Besitzes und Verbreitung von kinderpornografischem Material eingeräumt hatte.