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Einen Eindruck der Aggressivität und Brutalität des 42-jährigen Algeriers bekommen auch die Prozessbeteiligten hautnah mit. Als Richter Heidrich den Angeklagten fragt, wie es denn sein könne, dass der Mann, der mit Autohandel zwischen 2000 und 3000 Euro verdiene, in Algerien im Besitz einer Wohnung sei und in Deutschland Sozialhilfe beziehe, flippt der Angeklagte aus, schlägt mit der Faust auf den Tisch, kann nicht verstehen, was dies mit der Verhandlung zu tun habe. Der Richter lässt „zum Abkühlen“ die Verhandlung unterbrechen. Symbolbild: picture alliance/dpa | Fabian Nitschmann 

Prozess gegen vier Männer nach Geiselnahme in Pforzheimer Shisha-Bar

Pforzheim. Einen wahren Albtraum haben zwei hiesige Studenten mit ausländischen Wurzeln laut Anklage im April 2018 im Hinterzimmer einer Pforzheimer Shisha-Bar erlebt. Zunächst wurde ein heute 22-Jähriger geschlagen, mit dem Messer bedroht, und ihm wurde die Trennung von der Familie und die Verschleppung nach Frankreich angedroht, wenn er nicht sage, wer einen der Täter angefahren habe. Nicht nur dieser schlug nach Zeugenaussagen immer wieder zu und bedrohte die Opfer, sondern auch ein weiterer, ebenfalls algerischer Landsmann. Zwei irakische Brüder, deren Familie die Bar gehört, sollen nicht eingegriffen haben. Einer von ihnen führte die Opfer in den Abstellraum, dessen Tür mit zwei Paletten Getränkedosen zugestellt worden sei. Über das Handy des ersten Opfers wurden die Algerier auf ihr zweites aufmerksam, das der Student unter Androhung weiterer Gewalt in seiner Not ebenfalls in die Bar rief.

Was der mittlerweile 21-Jährige am ersten Verhandlungstag vor der Großen Kammer unter Vorsitz von Richter Andreas Heidrich am Mittwoch berichtet, gleicht einem Horrorfilm. Zu den bereits beschriebenen Drohungen, Qualen und Schikanen sei ihm die Hose aufgeschnitten worden, er musste sich entkleiden, war im unteren Körperbereich nackt und wurde obendrein samt Gesicht gefilmt. Unter Drohung der mutmaßlichen Täter, das Video samt Gesicht und entblößtem Geschlechtsteil ins Internet zu stellen, wollten die Männer den Namen des Fahrers erpressen.

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Eine Stunde hätten sie den Beiden Zeit gelassen, um nach dem Fahrer zu suchen. Als Druckmittel behielten die Männer Handy, Geldbeutel und Ausweis des damals 18-Jährigen. „Wenn ein Fenster offen gewesen wäre, wäre ich gesprungen. Ich hatte Angst“, schildert der Zeuge sein Martyrium, das weitere Zeugen belegen. Der Hauptangeklagte warf dem Studenten eine Drogengeschichte vor.

Einen Eindruck der Aggressivität und Brutalität des 42-jährigen Algeriers bekommen auch die Prozessbeteiligten hautnah mit. Als Richter Heidrich den Angeklagten fragt, wie es denn sein könne, dass der Mann, der mit Autohandel zwischen 2000 und 3000 Euro verdiene, in Algerien im Besitz einer Wohnung sei und in Deutschland Sozialhilfe beziehe, flippt der Angeklagte aus, schlägt mit der Faust auf den Tisch, kann nicht verstehen, was dies mit der Verhandlung zu tun habe. Der Richter lässt „zum Abkühlen“ die Verhandlung unterbrechen.

"Wenn ein Fenster offen gewesen wäre, wäre ich gesprungen. Ich hatte Angst."

Der Zeuge schildert sein Martyrium

Später folgt eine weitere Unterbrechung, demselben Angeklagten geschuldet, der die Gerichtszelle nicht verlassen will, weil er darauf besteht, dass seine Frau alles mitschreibt. Mit Fußfesseln wird der Mann, der wie auch ein Mitangeklagter bereits in Haft sitzt, vorgeführt, bis er sich wieder beruhigt hat. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt.

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