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Am 16. Verhandlungstag im Fall um den getöteten Schmuckhändler vor der Schwurgerichtskammer des Karlsruher Landgerichts blieben neue Erkenntnisse weitgehend aus. 

Schmuckhändler-Prozess: Kammer widmet 16. Verhandlungstag unter anderem Video vom Tattag - Urteil wohl erst im August

Karlsruhe/Pforzheim. Der Prozess um den getöteten 57-jährigen Pforzheimer Schmuckhändler erweist sich mehr und mehr als zähflüssig. Normalerweise hätten am Freitag die Plädoyers gehalten werden sollen. Doch zwei plötzlich aufgetauchte Aktenordner und eine weiterhin unklare Todesursache ziehen die Verhandlung überraschend in die Länge.

Am 16. Verhandlungstag vor der Schwurgerichtskammer des Karlsruher Landgerichts blieben neue Erkenntnisse weitgehend aus. Zunächst berichtete eine 24-jährige Polizeibeamtin von einem Feuerwehreinsatz in den Büroräumlichkeiten des 37-jährigen Angeklagten am 20. März 2018. Hierbei soll ein Paketbote den Angeklagten nicht wie gewohnt angetroffen haben und deshalb misstrauisch geworden sein.

Nachdem die Feuerwehr die Fenster geöffnet habe, sei der 37- jährige ohnmächtig auf dem Boden vorgefunden worden. Laut der Beamtin war er anschließend zwei Tage in einer Pforzheimer Klinik zur Beobachtung.

„Der medizinische Befund hat eine Bewusstseinsstörung ergeben“, erklärte sie.

Wie es dazu kam, konnte bei der Untersuchung allerdings nicht festgestellt werden. Ein Drogenscreening verlief unauffällig. In einem der ersten Verhandlungstage konnte sich der Angeklagte diesen Vorfall selbst nicht erklären.

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Ebenso komplex erscheint der Sachverhalt über verschiedene Ring-Kollektionen. Die Behauptung des Angeklagten, dass der getötete Schmuckhändler die Kollektion des 37-Jährigen an andere Kunden verkauft hat, konnte bisher nicht belegt werden. So berichtete ein Zeuge einer Schmuckgießerei, dass das Opfer eigene Designs hatte und diese bei ihm in Auftrag gab. Dies bestätige die Ehefrau des getöteten Schmuckhändlers am Freitag. Ebenso vergewisserte sich die Gerichtskammer, dass das 57-jährige Opfer keinerlei blutgerinnungshemmende Mittel zu sich nahm. Jedoch habe er Mittel gegen Bluthochdruck und Nierenversagen zu sich genommen.

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Einen Eindruck über die emotionale Lage des Angeklagten am Tag der Tat könnte das Gericht über eine Videosequenz erhalten. Demnach sei der 37-Jährige zwischen 17 und 18 Uhr in den Räumlichkeiten eines Brüderpaars aus der Pforzheimer Schmuckbranche gefilmt worden. Bei der Verlesung der Videoanalyse schilderte der Vorsitzende Richter Alexander Lautz ein „verzweifeltes Verhalten“ des Angeklagten. Verteidiger Marvin Schroth regte an, die Sequenzen zu sichten, da die Brüder behaupteten, dass sie vom Angeklagten bedroht wurden.

Sollte der Prozess wie geplant fortgeführt werden können, dann ist mit einem Urteil am 14. August zu rechnen. Bis dahin sind vier weitere Verhandlungstage angesetzt.

Fortgesetzt wird der Prozess am Montag, 29. Juni, ab 13.30 Uhr.