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Der Abschied naht: „Salamander“ räumt am Leo. Hier wird im Spätherbst eine große Douglas-Filiale eröffnet. 
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Schließen Ende Oktober: die Parfümerie „Douglas“ in der Westlichen 39 . . . 
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. . . und jene an der Leopoldstraße. 

Schuhgeschäfte und Mode-Unternehmen: Diese Traditionshäuser kehren Pforzheim den Rücken

Pforzheim. Erst am Dienstag hatte die PZ den Abschied des Traditionshauses „Gummi Bamb“ verkündet und beleuchtet. Nun muss sich die Goldstadt auf den weiteren Verlust eines langjährigen Ankers im Einzelhandel vorbereiten, auch wenn es sich in diesem Fall um eine externe Kette handelt.

"Gummi Bamb" war ein inhabergeführtes Fachgeschäft. Es trifft aber auch Filialbetriebe. Generationen von Pforzheimern haben sich bei „Salamander“ mit dem legendären Maskottchen Lurchi mit Schuhen eingedeckt. Nun läuft in diesem Laden am Leo der Räumungsverkauf. Schon im Spätherbst will dort ein anderer Filialist durchstarten. Es ist beileibe nicht der einzige Wandel, der sich im Handel vollzieht.

Das passiert nun in den Räumlichkeiten von „Salamander“

Schon am Dienstag war der Andrang groß bei „Salamander“ an der Westlichen 43, auch wenn die Total-Räumung offiziell erst am Donnerstag beginnt. Die Salamander Deutschland GmbH mit Sitz in Wuppertal, die seit 2016 zum Schuh-Konzern Ara AG gehört, zieht sich hier zurück. Warum, war am Dienstag für die PZ nicht zu erfahren. Sie macht Platz für einen unmittelbaren Nachbarn, der seinen Auftritt in Pforzheim neu ausrichtet. Wie Julia Sosnizka, die Pressesprecherin der Düsseldorfer Parfümerie-Kette „Douglas“, auf Nachfrage bestätigt, wird dieses Unternehmen im November in der Westlichen 43 eine große Filiale eröffnen. Dafür werde das Geschäft komplett umgebaut, auch die Fassade modernisiert. Douglas führt seine bislang zwei Standorte – am Leo, Westliche 39, sowie in der Leopoldstraße 5 – an neuer Stelle zusammen. Beide Mitarbeiter-Teams würden im dann fast 400 Quadratmeter großen Laden weiterbeschäftigt. In den bisherigen Räumen laufen laut Sosnizka die Mietverträge aus, dort sei Ende Oktober Schluss. In der City tun sich also zwei weitere Lücken auf, die es zu schließen gilt. Hüben wie drüben heißt es von Eigentümerseite, man sei zwecks potenzieller Nachfolger in Verhandlungen.

Auch Benetton, Döttinger und Schuhprofi verlassen Pforzheim

Bestätigt wurde am Dienstag vor Ort ebenfalls, dass das Mode-Label „Benetton“ seinen Store in der Fußgängerzone aufgibt. Ende August sei an der Westlichen 7 Schluss. Mit einer Rabattaktion geräumt wird auch bei „Döttinger plus“ an der Dillsteiner Straße: Das Mode-Unternehmen, das auch ein Fachgeschäft in Stuttgart betreibt, kehrt der Goldstadt den Rücken. Gleiches gilt für die Baden-Badener Mutter GmbH, die den „Schuhprofi“ an der Freiburger Straße auf der Wilferdinger Höhe führt. Schilder weisen auf den aktuellen „Räumungsverkauf wegen Filialschließung“ hin.

Das sagt das Wirtschaft und Stadtmarketing dazu

Einer, der solche Veränderungen intensiv beobachtet, ist Oliver Reitz, der Direktor des städtischen Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP). Die Gründe für Geschäftsaufgaben seien immer im Einzelfall zu erkunden und zu bewerten, betont Reitz. Bei Filialbetrieben seien es manchmal überregional getroffene Konzernentscheidungen, „bei inhabergeführten Geschäften ist es nicht zuletzt auch die persönliche Lebenssituation“. Mitunter mache es auch einen Unterschied, ob ein Ladenlokal nur angemietet oder im eigenen Besitz sei.

Auch wenn Geschäftsaufgaben „sehr bedauerlich“ seien, hätten Eigentümer solche Situationen jüngst für bauliche Investitionen und Optimierungen genutzt. Reitz führt etwa den ehemaligen „Foto Notton“ an, wo „Eckart & Finkbeiner“ nach aufwendigem Umbau „Gutes für Augen & Ohren“ anbieten. „Nach wie vor leiden viele Ladenlokale auch und gerade im Kernbereich der Innenstadt unter ihren Flächengrößen und den oft nicht optimalen Zuschnitten“, so Reitz. Verkaufsflächen, die sich auf mehrere Stockwerke verteilten, erforderten nicht zuletzt einen höheren Personalaufwand und belasteten die Betriebskosten.

Stadt und Private gefordert

Erst am Wochenende habe er das Leerstandsthema bei einer Wirtschaftsförderer-Tagung mit Kollegen aus anderen Regionen diskutiert. Bundesweit werde es eine Herausforderung für Innenstädte bleiben, eine „individuelle und angenehme Atmosphäre“ zu schaffen, die „die Kaufkraft ansprechen und halten kann“. Hierzu könnten Gemeinderat und Verwaltung durch die Umgestaltung des öffentlichen Raums, Lichtkonzepte oder Veranstaltungen beitragen. Bei baulichen Maßnahmen im Verkaufsraum, Zusammenlegungen von Flächen, Anpassungen von Sortimenten oder bei der Kundenansprache und -pflege seien hingegen Eigentümer und Geschäftsinhaber gefordert, wobei der WSP auch hier gerne unterstütze. Erfreulich sei, dass die neu gestaltete Fußgängerzone auch im privaten Bereich Investitionen ausgelöst habe. Diese seien etwa sichtbar bei gastronomischen Betrieben, die für ihren Außenbereich eine neue, hochwertige Möblierung angeschafft hätten und somit – „auch im Einklang mit der Gestaltungssatzung“ – zu einem „harmonischen Gesamtbild und zu einer deutlich höheren Aufenthaltsqualität“ beitrügen.

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