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Der Prozess um die blutige Tat im Haidach geht weiter. 

Schweigen und Einschüchterungen: Prozess um Schießerei im Pforzheimer Haidach geht weiter

Pforzheim/Karlsruhe. „Um Dinge zu regeln, ist die Justiz verantwortlich und nicht die Menschen im Haidach“, hat der Vorsitzende Richter der Auswärtigen Großen Jugendkammer, Eric Werner, klargestellt. Neben der Anwendung des Faustrechts rügte er zudem die ausgiebigen Begrüßungszeremonien der Zuhörer im Saal an. Der Fall der Haidach-Schießerei ist für die Richter und Schöffen der Jugendkammer wahrlich nicht einfach.

Dabei wiegt der Vorwurf des versuchten Totschlags gegen ein Brüderpaar schwer. Sie sollen am 4. Juni des vergangenen Jahres gegen 17.15 Uhr an der Bushaltestelle Leipziger Straße an einer Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein. Hierbei soll es zwischen dem 19-jährigen Angeklagten und dem 25-jährigen Geschädigten zum Streit gekommen sein. In diesem habe der Beschuldigte dem Opfer einen Kopfstoß verpasst und mit dem Messer am Arm- und Hüftbereich zugestochen. Währenddessen eilte der Bruder des 19-Jährigen zur Bushaltestelle und gab mindestens zwei Schüsse aus einem Revolver ab und traf ein parkendes Auto.

Am zweiten Verhandlungstag – er fand in Karlsruhe statt – setzte sich das Schweigen der Angeklagten um den Sachverhalt fort. Allerdings bracht ein Zeuge Erhellung in die Sache und nannte eine Frau als möglichen Grund der Auseinandersetzung. Noch am ersten Verhandlungstag konnte weder der Geschädigte noch dessen drei Begleiter etwas zu den Hintergründen sagen. Mit fadenscheinigen Aussagen sorgten sie dafür, dass der Vorsitzende Richter Beugehaft androhte.

Nachmittags im Zeugenstand: eine 72-Jährige. Die sagte, sie sei zweimal von jungen Männern angesprochen und bedroht worden mit den Worten, sie sei doch ziemlich alt und habe kein gutes Gedächtnis mehr. Werner bat sie, sich umzudrehen, ob sie einen der Männer im Zuschauerraum erkenne. Sie verneinte. Werner drohte, wenn man den erwische, der die Frau bedrohe, brauche man dem Angeklagten keine Post mehr in die U-Haft zu schicken – weil man ihm nämlich dort persönlich Gesellschaft leisten werde.

Mehr über den Prozess wegen versuchten Totschlags lesen Sie am Samstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.