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Erkundung im Rettungsstollen: Martin Wagner, Michael Schwab, Robin Seithel, Jürgen Genthner, Ralf Brunow (von links) mit PZ-Reporter Olaf Lorch-Gerstenmaier.  Foto: Meyer 

Unterm Arlinger wird wieder gebohrt - Baustelle Westtangente wieder in Betrieb

Pforzheim. Kleines Virus, große Baustellenprobleme: Im Zuge des ersten Bauabschnittes der Baumaßnahme B463/Westtangente Pforzheim musste der Baubetrieb für die derzeit laufenden Rohbauarbeiten des Arlinger Tunnels infolge massiver Einschränkungen des Personen- und Warenverkehrs im Zusammenhang mit den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus seit dem 16. März vorübergehend eingestellt werden. Nachdem sich die Umstände, insbesondere für die aus Österreich stammenden Baufirmen, welche für die Rohbauarbeiten des Tunnels zuständig sind, weitestgehend normalisiert haben, wurde der Baubetrieb am Dienstag wieder aufgenommen.

Der während des Zeitraums der Unterbrechung erforderliche Notbetrieb wurde aufgehoben und die Baustelle eingerichtet. Ab Mittwoch läuft dann wieder der Regelbetrieb.

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Unterm Arlinger geht’s weiter: Die Baustelle der Westtangente

Baustelle Westtangente Erdaushub 01
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Baustelle für den Arlinger Tunnel

Trotz dieser unvermeidbaren Ausfallzeiten wird von Seiten des Regierungspräsidiums Karlsruhe und der bauausführenden Arbeitsgemeinschaft durch Optimierungen einzelner Prozessabläufe im Zuge der Bauausführung weiterhin eine planmäßige Fertigstellung der Rohbauarbeiten des Arlinger Tunnels für Ende 2022 angestrebt.

Weitere Informationen zum Projekt B463/Westtangente Pforzheim finden sich auf der Homepage des Regierungspräsidiums Karlsruhe unter https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/Abt4/Ref473/Seiten/B-463-Westtangente-Pforzheim.aspx.  

Anschlag Arlingertunnel 28
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Tunnelanschlag der Westtangente

Zahlen und Fakten zum 1. Bauabschnitt der Westtangente

Ausgangslage

Im Innenstadtbereich Pforzheims treffen die Verkehrsströme dreier Bundesstraßen aufeinander. Die B10 kommt aus Karlsruhe und führt in Ost-West-Richtung nach Stuttgart, die B294 aus dem Enztal führt in Süd-West-Richtung nach Bretten. Aus der Stadtmitte in Richtung Nagold führt die B463 in Süd-Richtung. Bedingt durch eine fehlende Verkehrsverbindung zwischen den qualifizierten Straßen im gesamten Raum westlich außerhalb von Pforzheim sowie dem ein- und ausströmenden Ziel- und Quellverkehr entsteht im Innenstadtbereich ein großer Anteil an Durchgangsverkehr mit entsprechend hohem Schwerverkehrsanteil. Daneben wird das beschriebene Netz an Wochenenden zusätzlich durch Freizeitverkehr belastet, der mangels alternativer Fahrtrouten in den Schwarzwald entsteht. Dies verdeutlicht den unmittelbaren Bedarf einer leistungsfähigen Ortsumfahrung westlich von Pforzheim.

Von der A8-Anschlussstelle Pforzheim-West bis zur B294 im Brötzinger Tal führt der der 1. Bauabschnitt der Westtangente. Der 2. Bauabschnitt soll dann zumeist unterirdisch hinter Dillweißenstein ins Nagoldtal zur B463 führen. Mit der Fertigstellung der kompletten Westtangente müsste der gesamte Autobahnverkehr in den Schwarzwald, insbesondere der Schwerlastverkehr, nicht mehr durch Pforzheim fahren.

Planungsstand: Im Bau

Vorhabenträger: Bund, Stadt Pforzheim

Kosten: rund 122,5 Mio. €

Baulänge: rund 2,75 km

Baubeginn: 2009

Bauende: voraussichtlich Ende 2023

Teilabschnitt 1.01

Der Bauabschnitt 1.01, welcher die Anbindung der A8-Anschlussstelle Pforzheim West an die B10 umfasst, konnte bereits im Jahr 2012 baulich fertiggestellt werden.

Bauzeit: 2009 - 2012

Baukosten: rund 10,0 Mio. €

Teilabschnitt 1.02

Der im April 2019 fertiggestellte Bauabschnitt 1.02 beginnt im Norden im direkten Anschluss an die A8-Anschlussstelle Pforzheim-West und führt anschlussfrei in Richtung Süden, während die Heilbronner Straße und der Römerwestweg gekreuzt werden, bevor der Anschluss an die Dietlinger Straße (L562) das Ende des Bauabschnittes markiert.

Bauzeit: November 2015 - April 2019

Baukosten: rund 20,0 Mio. €

Teilabschnitt 1.03

Der Bauabschnitt 1.03 umfasst den Streckenabschnitt des Arlinger Tunnels einschließlich der Anbindung an die B294 beziehungsweise den Anschluss an das Gewerbegebiet Oberes Enztal. Das künftige Nordportal und somit der Beginn des neuen Streckenabschnitts liegt circa 100 m südlich der L562 (Dietlinger Straße), nordwestlich des Ortsteils Pforzheim-Arlinger. Von Nord nach Süd unterquert der Tunnel den Höhenrücken des Arlingers. Das Bauvorhaben besteht aus dem eigentlichen Verkehrstunnel, der Hauptröhre, und einem im Osten angelegten Rettungsstollen sowie weiteren Teilbauwerken (vier Querschläge, drei Betriebszentralen, zwei Pannenbuchten, ein Löschwasserbecken, ein Havariebecken).

Die Länge des Tunnels beläuft sich auf 1,3479 Kilometer. Der Rettungsstollen hat eine Länge von 1,0773 Kilometer. Im Bereich des Nord- sowie Südportals werden die ersten circa 50 Meter in offener Bauweise gebaut. Der größte Teil des Tunnels wird in bergmännischer Bauweise hergestellt. Als Bauverfahren hierfür wird die neue österreichische Tunnelbauweise verwendet. Diese findet Anwendung auf Grund des inhomogenen Gebirges um auf gebirgsschonende Weise das Material auszubrechen. Es werden temporäre Sicherungen aus Spritzbeton, Ausbaubögen, Gebirgsankern und Spießen eingesetzt. Insgesamt werden in diesem Bauabschnitt circa 330.000 Kubikmeter Aushub- und Ausbruchmassen anfallen.

Die Bauzeit für die Rohbauarbeiten einschließlich der notwendigen Betriebsausstattung ist mit rund viereinhalb Jahren veranschlagt.

Bauzeit: Mai 2019 - voraussichtliches Ende 2023

Baukosten: rund 92,5 Mio. €