Pforzheim. Oberbürgermeister Peter Boch und Baubürgermeister Volle haben dem Gemeinderat die Leviten gelesen, nachdem eine Planungsausschuss-Sitzung nicht beschlussfähig war, weil zu viele Stadträte gefehlt hatten oder vorzeitig gegangen waren. Abwesenheit oder vorzeitiges Gehen sei nur bei triftigem Grund möglich. Noch in der gleichen Woche glänzte die Bürgermeister-Riege im Integrationsbeirat durch Abwesenheit.
Eine Kolumne von PZ-Redakteur Marek Klimanski
Nicht dabei sein zu dürfen: Das ist hart. Fußball-Weltmeister Matthias Ginter kann ein Lied davon singen. Genau wie Stürmer Nils Füllkrug. Oder VfB-Stuttgart-Mittelfeld-Ass Angelo Stiller. Sie alle wurden nun nicht für die Nationalmannschaft berufen, aus der Bundestrainer Julian Nagelsmann das WM-Team formen will. Aber zum Team zu gehören und dann einer Anwesenheitspflicht nicht nachzukommen – das kann schon auch die eine oder andere Härte nach sich ziehen. Begangen haben diese Tat in der vorvergangenen Woche mehrere Stadträte im Planungs- und Umweltausschuss des Gemeinderats, der dann nicht mehr beschlussfähig war.


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Und manche Stadträte waren nicht mehr da, weil sie die Sitzung vorzeitig verlassen hatten, um zur Eröffnung des neuen Rewe-Supermarkts am Leopoldplatz zu gehen. Was in Summe den Unmut der Bürgermeister auf sich zog: Baubürgermeister Tobias Volle, der am Montag in Vertretung des Ersten Bürgermeisters Dirk Büscher den Werke-Ausschuss leitete, machte das deutlich. Und der Chef im Rathaus, Oberbürgermeister Peter Boch, erklärte es am Dienstag im Hauptausschuss ein weiteres Mal: Das Fernbleiben oder vorzeitige Verlassen ist den Stadträten bei Sitzungen nur dann erlaubt, wenn wirklich triftige Gründe vorliegen. Das gilt auch für stellvertretende Mitglieder, die für ihre verhinderten Fraktionskollegen in die Gremien gehen.


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Recht haben sie, die Bürgermeister. Da könnte sonst ja jeder schalten und walten, wie er wollte. Und vermutlich haben sie sich allesamt am späten Donnerstagnachmittag zu einer Bürgermeisterrunde getroffen, um zu besprechen, wie mit pflichtvergessenen, weil bei Sitzungen abwesenden Räten umzugehen sei. Ob harte Strafen wie Am-Ohr-Ziehen oder die Zwangslektüre der Melania-Trump-Autobiografie besprochen wurden, wissen wir nicht. Wir wissen nicht einmal, ob diese Besprechung stattgefunden hat.


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Aber irgendwo müssen sie ja gewesen sein, die Bürgermeister – jedenfalls hat keiner von ihnen Zeit gefunden, den Vorsitz im zu dieser Zeit tagenden Integrationsbeirat zu führen, das tat dann FDP-Mann Hans-Ulrich Rülke als einer der gemeinderätlichen OB-Stellvertreter. Vermutlich eine noch nie dagewesene Konstellation. Vielleicht war aber auch das schon die Strafe für die Saumseligkeit der Stadträte in der Vorwoche – und die Bürgermeister dachten sich: Ab jetzt wird knallhart zurückgefehlt. Fehlen wird es ihnen irgendwann allen, das Gefühl, mitmachen zu dürfen. Spätestens wenn sie nicht mehr im Kader sind und anfangen, sich selbst nach dem harten Holz der Ersatzbank zu sehnen. Seufz.



