Pforzheim/Neuhausen. Mit einer Gedenkfahrt erinnern Radfahrende am Sonntag, 2. Februar, ab 11 Uhr in Pforzheim an den vor einem Jahr bei einem Autounfall getöteten Radfahr-Aktivisten Andreas Mandalka. Bundesweit unter seinem Pseudonym „Natenom“ bekannt, setzte er sich vor allem in Pforzheim und Umgebung für die Sicherheit von Radfahrenden im Straßenverkehr ein.
Ein breites Bündnis von Fahrradverbänden hat nun zu der Gedenkfahrt aufgerufen. Die Organisatoren erwarten Hunderte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland. Das teilt die Radverkehrsinitiative Critical Mass Pforzheim in einer Pressemitteilung mit.
Der Hintergrund: Ein damals 77-jähriger Autofahrer hatte Andreas Mandalka am 30. Januar 2024 nachts auf einer Landstraße in der Nähe von Pforzheim angefahren; „Natenom“ verstarb noch an der Unfallstelle. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Autofahrer den 43-Jährigen ungebremst und mit mehr als 80 Kilometern pro Stunde von hinten erfasst hat. Gleichzeitig stellte die Staatsanwaltschaft fest, dass der Radfahrer vorschriftsmäßig mit Licht unterwegs gewesen war und eine Warnweste getragen hatte. „Leider werden durchschnittlich pro Tag etwa acht Menschen im deutschen Straßenverkehr getötet“, sagt Ansgar Hegerfeld, Landesvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Hessen (ADFC Hessen).


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„Die besonders vulnerablen Menschen sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Dabei sind sie den Autofahrenden, die sich falsch verhalten, praktisch schutzlos ausgeliefert. Kontrollen und abschreckende Strafen fehlen, und auch die Eignung von Autofahrenden zum Führen eines Fahrzeugs wird kaum überwacht.“
Marthe Soncourt aus dem Vorstand des ADFC Kreisverband Pforzheim-Enzkreis ergänzt: „Uns bereitet außerdem die zunehmende Aggressivität im Straßenverkehr große Sorge. Nicht nur Natenom war regelmäßig Opfer von Aggressionen und motorisierter Gewalt im Straßenverkehr.“
Bei einer Fahrraddemonstration 2024 waren mehr als 600 Menschen nach Pforzheim gekommen, um ein weißes Fahrrad – ein sogenanntes Ghostbike – als Mahnmal am Unfallort aufzustellen.


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Ablauf der Gedenkfahrt
Start der Fahrt ist an dem Sonntag vor der Staatsanwaltschaft Pforzheim (Lindenstraße 3). Dort findet eine Auftaktkundgebung mit mehreren Redebeiträgen statt. Im Anschluss führt die Gedenkfahrt durch die Pforzheimer Innenstadt und über die L 574 zum Unfallort zwischen Schellbronn und Neuhausen. Um circa 13 Uhr findet dort eine Schweigeminute statt. Die Rückkehr zum Hauptbahnhof ist gegen 15 Uhr geplant.

