Boris Palmer in der Landesregierung? Zwei PZ-Redakteurinnen sind da unterschiedlicher Meinung.
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Politik
Sollte Boris Palmer in die Landesregierung? Das sagen zwei PZ-Redakteurinnen

Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg sind Stimmen laut geworden, die einen Ministerposten für Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer in der Landesregierung fordern. Der Ex-Grüne ist allerdings umstritten. Könnte er trotzdem ein wichtiger Teil in einer Koalition mit der CDU sein? Zwei PZ-Redakteurinnen sind unterschiedlicher Meinung.

Pro: PZ-Redakteurin Lisa Scharf

„Palmer denkt nicht in Schranken, sondern sucht nach Lösungen.“

Wenn nicht jetzt die Zeit für mutige Entscheidungen ist – wann dann? Weg vom Parteiproporz, hin zum Pragmatismus: Mit diesem Ansatz hat Cem Özdemir eine Wahl gewonnen, er wäre auch eine gute Basis für die Aufstellung des künftigen Kabinetts. Wobei eine Berufung des Tübinger Oberbürgermeisters in ein Ministeramt gar nicht mal so unkonventionell wäre, wie sie vielleicht scheint. Boris Palmer ist einer der beliebtesten Politiker des Landes. Und das nicht ohne Grund. Er hat sich als Pragmatiker einen Namen gemacht. Als einer, der nicht in Schranken denkt, sondern vor allem nach Lösungen sucht. Häufig mit Erfolg. So einer kann einem Land, das vor derart großen Herausforderungen steht und zugleich unter der Last der überbordenden Bürokratie ächzt, nur guttun. Hinzu kommt: Palmer wird über die Parteigrenzen hinweg respektiert. Er steht politisch da, wo auch die Mehrheit der Menschen im Land steht: in der Mitte. Und er hat an seinem Temperament gearbeitet. Bleibt eigentlich nur noch die Frage: welches Ministerium?

Umfrage der Woche: Sollte Boris Palmer in die Landesregierung?

Kontra: PZ-Redakteurin Katharina Lindt

„Die Tragik ist, dass seine Freimütigkeit seine Erfolge überschattet.“

Mag sein, dass Boris Palmer gerne die Schnittstelle zwischen den Grünen und der CDU wäre. Seine Rolle aber ist die eines Provokateurs. Die gibt er aktuell zum Besten. Statt staatsmännisch zu schweigen, kokettiert er mit seiner Person auf neugierige Fragen der Reporter. Wer das Ministeramt als reine Egoshow versteht, hat in der Landesregierung nichts zu suchen. Natürlich hat Palmer als Tübinger Oberbürgermeister (OB) viel für die Studentenstadt erreicht, sonst wäre er nicht ihr Oberhaupt seit 2007 – trotz seiner polemischen Äußerungen. Die Tragik ist, dass seine Freimütigkeit seine kommunalpolitischen Erfolge überschattet. Ein paar Beispiele: Er hat es geschafft, dass im „Cyber Valley“ im Bereich der Spitzentechnologie viele neue Jobs entstanden sind. Die Gewerbeeinnahmen stiegen entsprechend überdurchschnittlich. Auch der Stadtvermüllung hat Palmer den Kampf mit einer Verpackungssteuer angesagt – als erste Kommune Deutschlands.

In der Geschichte gab es einige Oberbürgermeister, die in die Spitzenpolitik gewechselt sind. Die Gravität eines Willy Brandts hat Palmer allerdings nicht.

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