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In Maulbronn ist das Urteil gegen den 42-Jährigen gefallen.  Foto: Stäbler 

Bewährungsstrafe: Finanzberater aus dem östlichen Enzkreis zieht Anlegerinnen über den Tisch

Maulbronn/Enzkreis. Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung wurde ein 42-jähriger Deutscher aus dem östlichen Enzkreis am Dienstag vor dem Amtsgericht Maulbronn verurteilt. Richter Bernd Lindner sprach den einstigen Finanzvermittler in 15 Fällen des Betrugs – einmal in Tateinheit mit Urkundenfälschung – schuldig.

Der Mann hatte Kunden – vor allem Frauen – zwischen 2017 und 2019 um insgesamt mehr als 170.000 Euro gebracht. Er hatte ihnen eine Festgeldanlage mit drei Prozent Zins und einer jährlichen Kapitalausschüttung von zehn Prozent versprochen. Angelegt wurde das Geld – meist Beträge zwischen 5000 und 10.000 Euro, in einem Fall gar 50.000 Euro – jedoch nicht. Stattdessen finanzierte der Mann, der als Handelsvertreter für einen bekannten Finanzvertrieb tätig war, damit sein Leben auf großem Fuß.

Von Anfang an geständig

Der Finanzberater mit Fachhochschulabschluss brauchte damals nicht nur Geld für die Scheidung, durch die er auch Kunden und Provisionen verlor, sondern gab etliches Geld für Trachten, für einen Flug zu seiner Freundin nach Südamerika aus und fütterte einen Autokredit. Das Ganze – organisiert in einem Schneeballsystem – flog schließlich über den Finanzvertrieb auf. In Verzweiflung, um kurzfristig und schnell noch einmal an Geld zu kommen, fälschte der Mann dann eine Unterschrift, indem er sie in ein Dokument kopierte.

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Der 42-Jährige war von Beginn der Verhandlung an geständig und zahlte das Geld bereits seit 2020 in monatlichen Raten von rund 1600 Euro an seine Gläubiger zurück. Er hatte nicht nur alles akribisch aufgelistet, alle Betrogenen mit entsprechenden Raten bedient, sondern mit ihnen auch Schuldvereinbarungen getroffen und sich bei ihnen persönlich entschuldigt. Nur in einem Fall wurde die Vereinbarung abgelehnt – die Raten vom Angeklagte aber dennoch beglichen. Obendrein ersparte das umfangreiche Geständnis Richter Lindner aufwendige Zeugenbefragungen, auf die komplett verzichtet werden konnte. Hinzu kam, dass der Mann, der nun wieder als Handelsvertreter – allerdings in einem ganz anderen Bereich – tätig ist, sich zuvor strafrechtlich nichts zu Schulden kommen ließ und seine Taten bereute.

Mit den Tränen kämpfend, sagte er in seinem letzten Wort: „Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich die Gläubiger in ihrem Vertrauen erschüttert und mich in eine Situation gebracht habe, die mich noch lange verfolgen wird.“ Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Referendarin Nadine Oestreicher, forderte wie auch Verteidiger Michael Erath zwei Jahre auf Bewährung. Die Bewährungszeit legte der Richter auf vier Jahre fest. „Wenn die Zahlungen eingestellt werden, dann wird die Berufung widerrufen“, machte Lindner unmissverständlich deutlich.