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Die Strafkammer am Tübinger Landgericht hat die Beweisaufnahme im Fall von drei Männern, darunter zwei Calmbachern, aufgenommen, denen Drogenhandel im großen Stil vorgeworfen wird.  Foto: Bernklau 

Cannabis-Prozess in der Region: Wie das angeklagte Drogen-Trio aufflog

Tübingen/Bad Wildbad-Calmbach. Im Tübinger Prozess um den Anbau und Handel mit großen Mengen Marihuana haben sich gestern die Angeklagten teils geäußert – über den Umweg durch ihre Verteidiger. Die beiden angeklagten Männer aus Calmbach, 38 und 48 Jahre alt, hatten am ersten Prozesstag vor dem Landgericht einen Verständigungsvorschlag, also einen Deal der Kammer abgelehnt, der ihnen gegen ein umfassendes Geständnis eine Höchststrafe von drei Jahren und drei Monaten zugesichert hätte – aber eben keine Bewährungsstrafe.

Der 66 Jahre alte Hauptangeklagte, der im Schwarzwald auf seinem einsamen Hofgut bei Bad Griesbach Cannabis angebaut, geerntet, verpackt und vertickt haben soll, bekräftigte hingegen sein Einverständnis. Es begrenzt seine Höchststrafe auf fünf Jahre und neun Monate. Dem losen Marihuana-Netzwerk mit fünf weiteren Beschuldigten in abgetrennten Verfahren war die Polizei durch einem Hinweis aus der Szene auf die Spur gekommen.

Telefon überwacht

Nach der Überwachung von Telefonen und Handy-Nachrichten, einer im tiefsten Forst installierten Kamera am Treffpunkt, der Haberer-Schutzhütte, und dem Lockangebot eines verdeckten Ermittlers griffen die Kripo Calw und das Landeskriminalamt auf einem Parkplatz an der B 28 nahe dem Kniebis zu. Der ältere Calmbacher wurde bei der fingierten Übergabe von 20 Kilo Marihuana-Blüten im Wert von 110.000 Euro festgenommen. Er hatte den Stoff direkt zuvor auf dem Hofgut des Cannabis-Anbauers abgeholt.

Dieser Produzent ist ein hagerer Mann, der vor Gericht still und versonnen Goethe und Freud zitiert. Er hat freilich eine einschlägige, zur Bewährung ausgesetzte Vorstrafe und eine eigenartige Lebensgeschichte. Als junger Metzgermeister und Koch vom Schwarzwald ausgewandert, war er in Kanada mit einer Fleischfabrik zu Wohlstand, Haus- und Grundbesitz gekommen. Für die Rückkehr in seine Heimat verkaufte er diesen Besitz und zog zurück auf das Schwarzwälder Hofgut. Sein Barvermögen legte er in Schmuck und zwölf Kilobarren Gold an, damals je 30.000 Euro teuer. Diesen Schatz vergrub er auf seinem Gelände.

Cannabis-Anbau im großen Stil

Während einer lebensbedrohlichen Krankheit und Operation offenbarte er das einem Bekannten, der sich um das Hofgut kümmern sollte. Doch dieser „Pascal“, so seine Aussage und die Recherchen der Kripo, muss das Gold an sich genommen und in Teilen verjubelt haben. Als es der genesene Cannabis-Bauer sich mit einem Einbruch beim treulosen Treuhänder wieder zurückholen wollte, wurde er erwischt. Die Polizei brachte ihn heim – und entdeckte dabei die erste Plantage. „Pascal“ nahm sich später das Leben. Wo das Gold verblieben ist, wurde während der Verhandlung nicht klar. Das verlorene Vermögen nannte der Kanada-Rückkehrer als auslösendes Motiv für seinen nach etwa sieben Ernten durchaus einträglichen Cannabis-Anbau. Seine Gewinne, einschließlich der beschlagnahmten Blütenbestände und des Bargelds, taxiert die Anklage etwa auf den damaligen Kaufwert der Goldbarren. Der Mann wurde allerdings auch noch zweimal überfallen auf seinem einsamen Hofgut. Die Beute: technische Ausrüstung der Cannabis-Zucht. Sein Anwalt möchte den Verrat und das doppelte Überfall-Trauma strafmildernd berücksichtigt sehen.

Mehr über den Fall lesen Sie am Samstag, 21. September in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.