Höflichkeit ist eine Tugend, sagt man. Und das wissen wohl auch schon die Kleinsten. Wenn ich meine dreijährige Tochter um etwas bitte, was sie partout nicht (unterlassen) will, bekomme ich neuerdings ein „Ich möchte das nicht“ zurück. Und wenn ich dann nachfrage, warum nicht? „Weil ich das nicht möchte!“ Wie soll man da konsequent bleiben?
Eine Kolumne von PZ-Redakteurin Julia Falk
Vorbei scheinen die Zeiten, in denen Kleinkindern nachgesagt wird, sie würden immer nur „Ich will aber“ rausschreien. Das moderne Kind von heute hört oftmals genauso ungern auf Mama oder Papa – aber es bleibt wenigstens höflich dabei. Und gewissermaßen ist das wiederum auch unser erzieherisches Verdienst als Eltern.
Mit Blick auf mögliche Auseinandersetzungen mit anderen im Kindergarten, auf dem Spielplatz oder später in der Schule habe ich meiner Tochter früh erklärt, wie sie ihre eigenen Grenzen aufzeigen darf und soll. Und da ist der erste Schritt natürlich ein „Stopp! Ich möchte nicht, dass Du mir das Sandförmchen wegnimmst. Ich hatte das zuerst.“ Eigentlich nur logisch, dass sie das dann auch durchzieht.
Wenn ich also beim nächsten Mal sage „Hör bitte auf, auf der Couch herumzuspringen“ und ein „Ich möchte aber nicht“ zurückbekomme, dann kann ein kleiner Teil von mir auch stolz sein. Vom Sofa hole ich mein Kind dann aber trotzdem herunter. Denn wichtig ist auch: Mama und Papa haben ebenfalls ihre Grenzen und dürfen welche setzen. Apropos: Seien wir mal ehrlich. Beim Thema Höflichkeit könnten sich viele Erwachsene auch einmal wieder eine Scheibe von den lieben Kleinen abschneiden. Denn mancher verlernt leider mit der Zeit, respektvoll mit seinen Mitmenschen umzugehen – besonders in Zeiten von Social Media.


Bitte recht freundlich! Kolumne "Mami-Mania" über das Phänomen, dass wir alle einmal klein waren


Kolumne "Mami-Mania" über Helden der Kindheit – und wie man um sie herumkommt


Kolumne "Mami-Mania": Das "K" in Kind steht für Konsum



