"Weggesehen wird erst dann, wenn man Hilfe braucht. Zum Beispiel dabei, mit dem Kinderwagen aus dem prallvollen Bus zu kommen", schreibt PZ-Redakteurin Julia Falk in einer neuen Folge ihrer Kolumne "Mami-Mania" darüber, dass Kinder oft als störend empfunden und gleichzeitig rücksichtslos behandelt werden.
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Bitte recht freundlich! Kolumne "Mami-Mania" über das Phänomen, dass wir alle einmal klein waren

Kennen Sie das Gefühl als Eltern, irgendwie immer zu stören? Sei es im Restaurant, im Supermarkt oder im Bus. Das Kind hat einen schlechten Tag, ist quengelig und hört nicht: Sofort bildet man sich ein, missbilligende Blicke im Nacken zu spüren. Was sollen die Leute nur denken? Alle glauben, ich habe das Kind schlecht erzogen.

Eine Kolumne von PZ-Redakteurin Julia Falk

Weggesehen wird erst dann, wenn man Hilfe braucht. Zum Beispiel dabei, mit dem Kinderwagen aus dem prallvollen Bus zu kommen. Da bietet vielleicht einer von zehn Passagieren seine Unterstützung an. Oder vor kurzem: Ich war mit meiner Tochter im Café, als sie sich plötzlich aus dem Nichts übergeben musste. Absolute Horrorvorstellung! Und während ich versucht habe, gleichzeitig mein Kind zu trösten, ihre Jacke, meine Hose und den Fußboden sauber zu machen und dann fluchtartig das Café verlassen habe, haben die zwei älteren Damen am Nebentisch scheinbar nichts bemerkt. Oder bemerken wollen? Jedenfalls hätte ein freundliches „Brauchen Sie irgendwie Hilfe?“ schon gereicht und ich hätte mich nicht ganz so allein gefühlt in der Situation.

Eltern meinen oft, sich besonders anpassen zu müssen. Dabei beruht das nicht auf Gegenseitigkeit. Wie oft wurde meine Tochter auf der Straße schon einfach umgerannt, weil jemand wieder nicht geschaut hat, wo er hinläuft. Oder wie häufig erwische ich Autofahrer dabei, dass sie auf dem Familien-Parkplatz parken und meinen, ihr Chihuahua gehe als Kind durch. Kinder sollten schon lernen, dass es gewisse Grenzen gibt. Niemand muss das ganze Restaurant aus Bockigkeit zusammenschreien. Aber gleichzeitig muss die Gesellschaft an vielen Stellen kinderfreundlicher werden. Denn eines eint uns alle: Wir waren alle einmal klein.