Die Verdächtigen sollen als falsche Polizeibeamte jahrelang auch Menschen aus Baden-Württemberg ausgenommen haben.
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Opfer von Telefonbetrug übergibt tausende Euro neben dem Amtsgericht
  • pol/pz

Enzkreis/Pforzheim. Wieder ist ein Mann aus dem Enzkreis Opfer von Telefonbetrügern geworden. Besonders dreist: Das Geld musste der Mann am Amtsgericht übergeben, wahrscheinlich um dem Betrug einen seriösen Anschein zu verpassen.

So hat sich die Tat abgespielt: Am Montag erhielt ein im südlichen Enzkreis wohnender Mann gegen 11 Uhr einen Telefonanruf von einem angeblichen Polizeibeamten. Letzterer schwindelte dem Mann vor, dass dessen Sohn einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht hätte und deswegen festgenommen worden sei. Gegen Zahlung einer Geldsumme würde der Sohn aber wieder auf freien Fuß gesetzt.

Auf Anweisung des falschen Polizisten fuhr der Geschädigte daraufhin zur Bank und hob einen Bargeldbetrag von mehreren Tausend Euro ab.

In der Folge leitete der Anrufer den Geschädigten dazu an, zur Übergabe des Geldes nach Pforzheim zum Amtsgericht zu fahren - diese Örtlichkeit wurde von Täterseite offenbar deshalb gewählt, um dem Ganzen einen amtlichen Anschein zu verleihen und somit die Betrügerei weiter zu verschleiern, teilt die Polizei mit.

In das während der Geldabhebung und Fahrt nach Pforzheim andauernde Telefonat schaltete sich ebenfalls eine falsche Staatsanwältin ein, die der ohnehin vorgeschwindelten Situation wohl noch mehr - trügerische - Glaubwürdigkeit verlieh. Die Geldübergabe erfolgte schlussendlich gegen 13.15 Uhr etwa 50 Meter vor dem Parkplatz des Amtsgerichts Pforzheim in Nähe der Franziskusstraße auf dem Gehweg der Lindenstraße.

Der angeblich amtliche Abholer entfernte sich mit dem ergaunerten Geld danach zu Fuß in Richtung Gebäude der Staatsanwaltschaft, ging die dortigen öffentlichen Treppen hinunter und war dann verschwunden. Nachdem der Geschädigte den Betrug bemerkt hatte, verständigte er die Polizei.

Bei dem Geldabholer soll es sich um einen etwa 25 Jahre alten, 1,70 Meter großen und leicht untersetzten Mann mit schwarzen, halblangen Haaren gehandelt haben. Er habe Hochdeutsch gesprochen und sei mit einer dunklen Hose sowie einem weißen Blouson bekleidet gewesen. Zudem soll er eine weiße FFP2-Maske getragen haben.

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen und bittet Zeugen darum, sich unter der Rufnummer (07231) 186 44 44 beim Kriminaldauerdienst zu melden.

So verhält man sich richtig

Im Zusammenhang mit betrügerischen Telefonanrufen gibt die Polizei erneut folgende Hinweise:

  • Legen Sie am besten auf, wenn Sie nicht sicher sind, wer anruft oder Sie sich unter Druck gesetzt fühlen.
  • Rufen Sie den Angehörigen unter der Ihnen bekannten Nummer an. Sprechen Sie am Telefon nie über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen.
  • Ziehen Sie eine Vertrauensperson hinzu oder verständigen Sie über den Notruf 110 die Polizei.