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Vom Brandort auf den Abschleppwagen und dann ab zur Spurensicherung: Die ausgebrannten Autowracks müssen noch von den Experten der Polizei untersucht werden, auch wenn durch das Feuer fast alle Spuren verwischt sind. 
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Die Flammen rissen in der Nacht die Anwohner der Marktstraße aus dem Schlaf. 
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Insgesamt sechs Fahrzeuge wurden in Mitleidenschaft gezogen. 
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Insgesamt sechs Autos waren in der Nacht zum Montag nur noch ein Raub der Flammen. 

Schwierige Spurensuche im Brandschrott - Zusammenhang der Taten liegt nahe

Remchingen-Singen. Einer oder mehrere Unbekannte haben in der Nacht zum Montag insgesamt sechs Autos in Singen in Brand gesetzt. Der entstandene Schaden ist immens. PZ-news zeigt eine Karte mit den Stellen, an denen es gebrannt hat. Erst vor wenigen Tagen standen auch Autos in Pforzheim in Flammen.

Der Polizei zufolge seien die geparkten Fahrzeuge am Sonntag kurz vor Mitternacht in Flammen gestanden. Sie standen demnach unter einem bewohnten Gebäudevorsprung an der Marktstraße. Durch die brennenden Autos wurde das Gebäude ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.

Hoher Sachschaden auch an einem Gebäude

Die Feuerwehr war schnell vor Ort und konnte so das Übergreifen auf das Gebäude verhindern. Dennoch entstand ein immenser Sachschaden von rund 100.000 Euro allein an den Fahrzeugen. Der Schaden am Gebäude beträgt ersten Schätzungen zufolge etwa 200.000 Euro.

Die sofort eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen führten nicht zur Ergreifung eines Täters. Auch ein Hubschrauber war deshalb im Einsatz, mehrere Leser hatten sich danach bei PZ-news erkundigt. Nun sucht die Polizei dringend Zeugen, die sich an den Kriminaldauerdienst Karlsruhe unter (0721) 666-5555 wenden können.

Spurensicherung wühlt im Brandschrott

Die Scheiben geborsten, die Reifen zerfetzt – nur ein Gerippe aus schwarzem, stinkendem Schrott ist übrig von den Autos, die in der Nacht auf Montag im Remchinger Ortsteil Singen in Brand gesteckt wurden. Am Tag danach ist auf dem Parkplatz des Abschleppdienstes Schirdewan auf der Wilferdinger Höhe die Spurensicherung bei der Arbeit. Die Ermittler der Kriminalpolizei schießen Fotos und nehmen die Autos unter die Lupe. „Sehr viel zu sichern gibt es nicht mehr“, sagt Polizei-Pressesprecher Raphael Fiedler mit Blick auf das, was von den Fahrzeugen übrig ist.

Zwei der sechs Wagen, die kurz vor Mitternacht an der Marktstraße in Brand gesteckt wurden, stehen auf dem Hof – neben denen, die erst wenige Tage zuvor im Pforzheimer Ortsteil Maihälden in Flammen aufgingen. Die Vermutung liegt nahe, dass beide Taten in Zusammenhang stehen. Laut Hans Matheis, Vize-Präsident des Polizeipräsidiums Karlsruhe, müsse man durch Ähnlichkeiten bei der Herangehensweise „stark davon ausgehen, dass es sich um den gleichen Täter handelt“. Gänzlich bestätigen oder ausschließen könne man dies aber nicht, so Fiedler. Auch ein Nachahmungstäter sei denkbar.

Für die jüngsten beiden Fälle in Maihälden und Singen hat die bislang im Dunklen tappende Polizei die 15-köpfige Ermittlungsgruppe „Lenkrad“ gegründet. „Wir nehmen beide Taten sehr ernst, weil sie vom Umfang und den möglichen Auswirkungen auf Wohngebäude Risiken bergen, die niemand mehr im Griff hat“, sagt Matheis – „vor allen Dingen der Täter nicht.“ Dass dieser gezielt gegen bestimmte Personen vorgehe – dafür gebe es keine Hinweise. Die Ermittlungsgruppe versuche auch, Parallelen zu den Bränden im Sommer herzustellen und die Spuren von damals neu zu betrachten.

Extrem schwierige Spurensuche

Leicht ist es nicht, dem Täter auf die Schliche zu kommen. Das Feuer vernichte viele Spuren, gibt Fiedler zu bedenken. DNA, Fingerabdrücke und Fasern – „was der Täter hinterlässt, ist fast komplett zerstört.“ Darum suche man rund um die Tatorte akribisch nach Gegenständen, die der Brandstifter weggeworfen oder verloren haben könnte, so Matheis. Auch Videoüberwachung im Umfeld werde ausgewertet und in Tankstellen nachgefragt, ob jemand kurz vor der Tat Brandbeschleuniger gekauft hat. Es gelte, Parallelen zu finden. Etwa, wie der Täter vorgegangen ist und welcher Brandbeschleuniger genutzt wurde. Auch, dass beide Tatorte in der Nähe von Bahnhöfen liegen, habe man im Blick, so Fiedler.

Die Polizei baut auch auf Hinweise aus der Bevölkerung. Jedes Detail könnte für die Ermittler wichtig sein, sagt Fiedler. Das könne jemand sein, der sich herumtreibe, unentschlossen auf und ab laufe, so Matheis. Gemeldet werden sollten auch verdächtige Gegenstände, die in Zusammenhang mit der Tat stehen könnten. „Lieber einmal zu früh als zu spät anrufen“, sagt er.

Ähnliche Tat nur wenige Tage zuvor in Pforzheim

Erst am Dienstagabend standen fünf Fahrzeuge in Pforzheim-Maihälden in Flammen. Auch hier entkamen der oder die Täter unerkannt. Hier entstand ein Schaden von rund 250.000 Euro. Ob eine Verbindung zwischen den brennenden Autos in Singen und denen in Pforzheim besteht, war zunächst noch unklar. Eine Polizeisprecherin konnte keine Auskunft dazu geben. 

Vor einem Jahr: Feuerteufel in Remchingen

Vor rund einem Jahr, Ende November 2018, hat schon einmal ein Feuerteufel in Remchingen sein Unwesen getrieben. Damals brannten fünf Autos und ein 30-Jähriger sagte kurz darauf aus, das Feuer gelegt zu haben. Das Gericht verhängte zwar eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren gegen ihn, allerdings ist er seitdem in einer geschlossenen Psychiatrie. Bernhard Ebinger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Pforzheim, bestätigte das noch einmal am Montag gegenüber PZ-news.

Nina Tschan

Nina Tschan

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