Welche Berufe sind besonders beliebt? Hat das Geschlecht einen Einfluss auf die Berufswahl? Hier sind die Ranglisten für 2022.Eine Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigt: Die beliebtesten Ausbildungsberufe sind nicht in Stein gemeißelt. Die größte Veränderung betrifft die Ausbildung zur Kauffrau für E-Commerce. Mit 1887 neuen Ausbildungsverträgen steigt deren Beliebtheit um 27 Prozent. Der Beruf rückt in der Ranglisteder beliebtesten Ausbildungsberufe ganze zwölf Plätze nach oben. Das pandemiebedingte Wachstum des Online-Handels könnte hier ausschlaggebend sein. Das Handwerk hat dagegen – vor allem bei Frauen –noch Wachstumspotenzial.Dass die beliebtesten Ausbildungsberufe meist dem Bereich Industrie und Handel entstammen, ist hingegen keine Neuigkeit. Doch das zweitplatzierte Handwerk kann ein wenig aufholen. Der Anstieg um drei Prozent bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen steht einem leichten Rückgang (-1,1 Prozent) in Industrie und Handel gegenüber.
SPITZE UNVERÄNDERT
Bei Männern führt der Beruf des Kfz-Mechatronikers die Beliebtheitsskala schon längst an – und tut dies 2022 weiterhin. Auch auf den folgenden Rängen herrscht größtenteils Kontinuität – es folgen in dieser Reihe Fachinformatiker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik, Verkäufer, Kaufmann im Einzelhandel und Industriemechaniker. Dabei vereinen diese sechs beliebtesten Ausbildungsberufe 27,5 Prozent aller von Männern neu abgeschlossenen Verträge auf sich.
NEUER GEWINNER
Frauen haben im Vorjahresvergleich rund 2000 zusätzliche Ausbildungsverträge abgeschlossen – ein Anstieg um mehr als 13 Prozent. An den beliebtesten Ausbildungsberufen der Frauen hat das jedoch wenig geändert. Allerdings gibt es zum ersten Mal seit Jahren einen neuen Spitzenreiter: Die Medizinische Fachangestellte erreicht mit 17 154 Verträgen den ersten Platz und verdrängt damit die Kauffrau für Büromanagement. Auf den weiteren drei Plätzen folgen Zahnmedizinische Fachangestellte, Verkäuferin und Kauffrau im Einzelhandel. Als erste gelistete klassische Handwerksberufe folgen auf den Plätzen acht die Friseurin 23 und 24 Konditorin beziehungsweise Köchin. Die Tischlerin steht auf Rang 28.
3 Prozent
So groß ist der Anstieg an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Handwerk.
Gerade bei den Mädchen gibt es nach Überzeugung von IHK und Handwerkskammer großes Potenzial. Dafür wäre aber mehr praxis- und anwendungsorientierter Unterricht an den Schulen nötig, sagen die Experten der Handwerkskammern. Es sei bedauerlich, dass Friseurin seit 30 Jahren der beliebteste handwerkliche Ausbildungsberuf für Mädchen sei. Der mit einem Einstieg in „Männerberufe“ emanzipatorische Anspruch „Wir schaffen das auch“ sei ins Hintertreffen geraten. dpa
Für den Fall der Fälle
Auch Azubis sollten früh an eine finanzielle Absicherung denken
Durch eine Krankheit oder eine schwere Verletzung kann man nicht mehr in der Lage sein, seinen Beruf auszuüben. Auch junge Menschen können davon betroffen sein – und sich frühzeitig finanziell absichern.
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente erhalten Menschen, die durch eine Krankheit oder Verletzung dauerhaft nicht mehr in ihren Beruf arbeiten können. In den ersten fünf Jahren gilt jedoch: Diese wird sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nur nach einem Arbeitsunfall oder bei einer Berufskrankheit ausgezahlt. Dies teilt der Bund der Versicherten (BdV) mit.
Daher sollten sich bereits Azubis frühzeitig über weitere finanzielle Absicherungen informieren – also bereits während der Ausbildung über den Abschluss einer Erwerbs- oder Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) nachzudenken. Die BU springt ein, wenn Menschen dauerhaft aus gesundheitlichen Gründen ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr zu einem gewissen Grad ausüben können – meist zu über 50 Prozent.
Angebote vergleichen
Ein früher Vertragsabschluss kann Vorteile haben: Neben dem Beruf wirken sich unter anderem auch das Alter und der Gesundheitszustand auf die Höhe der Versicherungsprämie aus. Je früher der Abschluss erfolgt, umso größer ist die Chance, dass der Vertrag keine Leistungsausschlüsse oder Risikozuschläge enthält, so der BdV.
Die Stiftung Warentest rät dazu, die Angebote zu vergleichen. Es lohnt sich, beispielsweise darauf zu achten, ob die Police eine Nachversicherungsgarantie, eine dynamische Leistungssteigerung sowie eine Anhebung der Regelaltersgrenze ermöglicht. tmn
Wissen, wovon sie reden
Nicht nur Auszubildende können Ausbildungsbotschafter sein, erklärt die Handwerkskammer Karlsruhe. Die sogenannten „Senior-Ausbildungsbotschafter“ sind Betriebsinhaber oder Beschäftigte, die ihre berufliche Laufbahn mit einer dualen Ausbildung begonnen haben. Sie stellen beispielsweise auf Elternabenden und ähnlichen Anlässen Ausbildungsberufe und Ausbildungsmöglichkeiten im Unternehmen vor und zeigen die Chance einer beruflichen Ausbildung auf. pm
Schon gewusst?
Welche finanziellen Hilfen gibt es?
Auszubildende können bei der Arbeitsagentur Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen, wenn das Geld nicht reicht. Eltern von Azubis unter 25 Jahren erhalten außerdem weiterhin Kindergeld, solange ihr Kind eine Ausbildung absolviert. Wenn die_der Azubi nicht mehr zu Hause wohnt und den Eltern keine Kosten durch ihn entstehen, müssen die Eltern der_dem Azubi das Kindergeld auszahlen.
Tipp: Antrag auf BAB frühzeitig stellen, denn bei Bewilligung wird sie nicht rückwirkend gezahlt. QUELLE: DGB-JUGEND
