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Der Cobra-Prozess ist gestern in Mannheim fortgesetzt worden.  Foto: PZ-Archiv 

Bahnt sich im Cobra-Prozess eine Wende an? Betrugsvorwurf lässt sich schwer nachweisen

Mannheim/Pforzheim. Wo ist das Cobra-Gold? Auch nach dem vierten Prozesstag vor dem Mannheimer Landgericht ist vieles ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten aus Pforzheim und dem Enzkreis Untreue, Betrug und Insolvenzverschleppung vor. Der 66-jährige Horst A. war Geschäftsführer der Schmuckkettenfabrik Cobra in der Goldstadt, als nach Ostern 2011 im Tresor der Firma ein großer Fehlbestand an Edelmetall festgestellt wurde. Es gab keine Einbruchspuren und nur wenige Personen hatten Zugang zu den Räumlichkeiten.

Der Sohn des Ex-Geschäftsführers erstatte damals Anzeige bei der Polizei. Rund 200 Kilogramm Gold und zwei Tonnen Silber fehlten – angeblich. Denn mehr als achteinhalb Jahre nach der Insolvenz der Firma Cobra ist vieles nicht mehr nachzuweisen. Es gibt unzählige Lieferscheine, Aktenordner mit Belegen und Rechnungen. Im Unternehmen herrschte kurz vor der Insolvenz ein Wirrwarr.

Die Anwälte der Angeklagten haben am Mittwoch die Gelegenheit genutzt, um eine Abkürzung des Verfahrens zu beantragen. Ihren Mandanten seien die Taten nicht oder allenfalls in begrenztem Umfang nachzuweisen. Auch die Staatsanwältin hat offenbar Zweifel, ob die Tatbeteiligung in vollem Umfang bewiesen werden kann. Möglicherweise könnte dies zumindest für zwei Beschuldigte zu einer Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage führen. Das gilt für den ehemaligen Prokuristen und den Sohn des Firmenchefs. Der heute 35-jährige Angeklagte sagt, sein Vater habe ihn gebeten, damals bei der Polizei anzurufen, weil man sich den Fehlbestand nicht erklären konnte.

Der damalige Prokurist von Cobra, ein heute 47-jähriger Familienvater aus dem Enzkreis, kann sich den Verlust des Edelmetalls nicht erklären. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Manfred Forster, sieht nach der bisherigen Beweisaufnahme gute Chancen für eine Einstellung des Verfahrens gegen seinen Mandanten. Der Betrugsvorwurf sei offenkundig vom Tisch. Alle drei Angeklagten müssen sich seit Dezember 2019 vor Gericht verantworten. Im Mittelpunkt des gestrigen Verhandlungstags stand die Aussage eines Angestellten der Firma Thomas Sabo, die enge Geschäftsbeziehungen zu Cobra unterhielt. In Pforzheim wurde Silberschmuck für die bekannte Marke hergestellt. Dafür stellte Cobra gegen Rechnung das Material zur Verfügung oder erwarb das Silber in großen Mengen.

Ein Anklagepunkt wirft den Beschuldigten vor, Silber im Wert von knapp einer Million Euro an Sabo verkauft zu haben, ohne überhaupt im Besitz des nötigen Edelmetalls gewesen zu sein. Die Angeklagten bestreiten dies und verweisen auf angebliche Bewertungs- und Buchungsfehler der ermittelnden Beamten, wie Rechtsanwalt Joachim Brückner ausführte. Er und sein Mandant Horst A. sprachen zudem von einer Vorverurteilung durch die Presse. Da große Mengen Silber nach dem Insolvenzantrag noch im Unternehmen lagerten, sei ein Betrug nicht nachzuweisen. Wem das Edelmetall gehörte, blieb dabei unklar.

Auch die 200 Kilogramm Gold, die laut Inventur hätten vorhanden sein mussten, blieben verschwunden. Sowohl über eine mögliche Abkürzung des Verfahrens als auch über den Verbleib des verschwundenen Goldes soll der Verhandlungstag am 29. Januar mit der Vernehmung des ehemaligen Geschäftsführers der Pforzheimer Scheideanstalt Carl Schaefer Klarheit bringen.

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Lothar Neff

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