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Die Eingangstür der früheren Schmuckfabrik Cobra in Pforzheim.

Prozess im Herbst: Gold und Silber bei Cobra Schmuck gestohlen - Spektakulärster Kriminalfall der Pforzheimer Traditionsindustrie

Pforzheim. Es ist wohl der spektakulärste Kriminalfall in der langen Geschichte der Pforzheimer Traditionsindustrie: Ende April 2011 hatte der Geschäftsführer der Cobra Schmuck GmbH, Horst A., Insolvenzantrag gestellt. Kurz zuvor hatte der Pforzheimer Unternehmer festgestellt, dass im Tresor der Schmuckfabrik an der Habermehlstraße große Mengen Edelmetall fehlten.

Rund 200 Kilogramm Gold und 1,6 Tonnen Silber im Wert von insgesamt neun Millionen Euro waren verschwunden. Der erste Verdacht: Das Edelmetall wurde über Ostern gestohlen. Aber: Es gab keine Aufbruchspuren am Tresor. Gefunden wurde das Edelmetall nicht. „Das ist doch längst im Ausland“, vermuteten Brancheninsider. Doch wie sollen solch große Mengen außer Landes geschafft worden sein?

Die Kriminalpolizei Pforzheim hatte bis Dezember 2013 akribisch ermittelt – es gab Hausdurchsuchungen und umfangreiche Prüfungen sämtlicher der Geschäftsunterlagen. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hatte im Januar 2014 nach jahrelangen Ermittlungen gegen den vormaligen Inhaber der zwischenzeitlich insolventen Pforzheimer Schmuckfirma Cobra, dessen Sohn sowie den früheren Prokuristen Anklage beim Landgericht Mannheim erhoben.

Dem mutmaßlichen Haupttäter wurde Betrug und und Untreue in mehreren Fällen, Insolvenzverschleppung, Bankrott sowie Vortäuschen einer Straftat zur Last gelegt. Sein Sohn soll ihn bei einem Vergehen der Untreue unterstützt haben. Die Verantwortlichen sollen zwischen Januar 2010 und Februar 2011 an einen ihrer Hauptkunden insgesamt 1,9 Tonnen Silber verkauft haben, obwohl die Firma über dieses Silber tatsächlich nicht mehr verfügte. Zudem sollen der mögliche Haupttäter und sein Sohn bei der Polizei in Pforzheim wahrheitswidrig einen Diebstahl von Edelmetall in Millionenhöhe angezeigt haben. Im März 2018 wurde das Hauptverfahren eröffnet und zur Hauptverhandlung zugelassen.

Hans-Ulrich Rülke, der Fraktionsvorsitzende der FDP im Landtag von Baden-Württemberg, wollte jetzt von Justizminister Guido Wolf (CDU) wissen, wann mit einer juristischen Aufklärung des Falls – sprich dem Prozessbeginn – zu rechnen sei. Im Herbst 2019 soll das Verfahren Cobra Schmuck terminiert werden.

Hier die Antwort des Justizministers: „Wie Sie wissen, liegen mir unser demokratischer Rechtsstaat sowie eine bürgernahe und leistungsfähige Justiz sehr am Herzen. Daher freue ich mich besonders, dass wir in den letzten zweieinhalb Jahren schon wichtige Erfolge hinsichtlich dessen personeller Verstärkung erzielen konnten.“ Damit sei man aber noch nicht am Ziel, wie auch der Stand des von genannten Strafverfahrens Cobra Schmuck GmbH exemplarisch zeige. „Wir müssen daher auch in den kommenden Jahren weiter in die Justiz unseres Landes investieren und die personelle sowie sachliche Ausstattung unserer Gerichte und Staatsanwaltschaften stetig verbessern.“

Doch Minister Wolf betont: „Über den Ablauf des Verfahrens entscheiden die Gerichte in richtlicher Unabhängigkeit.“ Das Verfahren sei beim Landgericht Mannheim als Große Wirtschaftsstrafsache anhängig. Die zuständige 24. Strafkammer habe „durch nicht vermeidbare Umstände teilweise erhebliche Rückstände gebildet“. Zur Entlastung der notleidenden Kammern habe das Justizministerium eine zusätzliche Strafkammer gegründet und personelle Verstärkungen veranlasst, So konnten einige der ältesten Verfahren erledigt werden.

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