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So sieht es aus, wenn professionelle Autoknacker ein Lenkrad abmontieren. 

Litauische Autoknacker in U-Haft: Schlug die Bande auch in Pforzheim zu?

Heilbronn. Vermutlich, so erklärte der Karlsruher Polizeisprecher Frank Otruba vor einer Woche gegenüber PZ-news, sei eine wahrscheinlich litauische Bande am Werk gewesen, als vor fast zwei Wochen in Pforzheim und in Birkenfeld elf BMW aufgebrochen wurden. Er scheint Recht gehabt haben, denn nach Ermittlungen der Heilbronner Kriminalpolizei wurden jetzt drei Litauer festgenommen, die für Dutzende von Autoaufbrüchen verantwortlich sein sollen.

Im Kampf gegen bandenmäßig begangene Autoaufbrüche nahmen Spezialkräfte drei Männer fest, die unter anderem mit Taten Mitte April in Untereisesheim und im Heilbronner Osten in Verbindung gebracht werden können. Die drei litauischen Staatsangehörigen sitzen in Untersuchungshaft. Die mutmaßlichen Bandenmitglieder sollen in wahrscheinlich wechselnder Tatbeteiligung für über 70 Einzeltaten in Baden-Württemberg und in angrenzenden Bundesländern verantwortlich sein. Der Wert der Beute sowie der entstandene Sachschaden dürfte insgesamt bei über einer halben Million Euro liegen. Ob die Autoknacker auch in Pforzheim und im Enzkreis unterwegs waren, konnte von der Polizei noch nicht bestätigt werden.

Bereits im Dezember 2017 war es der Heilbronner Kripo gelungen, nach mehreren Aufbruchsserien sechs Männer und zwei Frauen aus Litauen festzunehmen. Der Bande wurden über 100 Einzeltaten zur Last gelegt. Die Bandenmitglieder hatten es insbesondere auf Navigationsgeräte, Multifunktionslenkräder und weitere Teile und Gegenstände aus Fahrzeugen der Marke BMW abgesehen – und genau diese Dinge wurden jüngst aus den BMW in Pforzheim und Birkenfeld gestohlen.

Nach diesen Festnahmen wurden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Heilbronn zunächst keine derartigen Straftaten mehr verzeichnet. Anfang April jedoch begann eine neue Serie. Die mit den Ermittlungen betraute Ermittlungsgruppe der Heilbronner Kripo konnte auch hier recht bald erste Erfolge vorweisen. Es wird derzeit davon ausgegangen, dass erneut eine litauische Bande für die Taten verantwortlich ist. Im hiesigen Bereich handelt es sich um zwei Serien mit zwei Fällen in Untereisesheim und 15 Autoaufbrüchen in Heilbronn.

Durch umfangreiche Maßnahmen gelang es der Polizei, die Tatverdächtigen im Raum Mannheim/Ludwigshafen zu lokalisieren und zu observieren. Am 28. April konnten Spezialkräfte der baden-württembergischen Polizei zwei Verdächtige im Bereich des Mannheimer Güterbahnhofs dabei beobachten, wie sie zwischen den dortigen Güterzügen verschwanden. Kurz nachdem die 21 und 27 Jahre alten Litauer wieder auftauchten, wurden sie vorläufig festgenommen.

Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass an einem mit Neuwagen der Marke BMW beladenen Güterzug aus 17 Fahrzeugen Navigationsgeräte, Lenkräder und andere Gegenstände ausgebaut worden waren. Die Beute wurde im Fahrzeug der Festgenommenen gefunden. Auch Tatwerkzeug lag im Auto.

Im weiteren Verlauf der Ermittlungen stießen die Beamten auf eine Adresse in Ludwigshafen. In einer Wohnung, die vermutlich als Unterkunft der Bande diente, wurde ein 23-jähriger Litauer angetroffen und ebenfalls vorläufig festgenommen. In dieser Wohnung fanden die Ermittler Bargeld und Beweismaterial, das beschlagnahmt wurde und ausgewertet wird.

Insgesamt zeigten die Ermittlungen, dass die Täter fachmännisch und hochprofessionell vorgehen. In Teilen konnte auch herausgefunden werden, dass in Frage kommende Fahrzeuge in Wohngebieten vorher ausgespäht werden. Das macht deutlich, wie wichtig die Mitarbeit der Bürger ist, und dass verdächtige Personen sowie die Kennzeichen von deren Fahrzeugen sofort der nächsten Polizeidienststelle gemeldet werden sollten.

Bereits im März 2016 waren in Pforzheim fünf auf BMW spezialisierte Autoknacker wegen Bandendiebstahls, schweren Diebstahls und gewerbsmäßiger Hehlerei zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Doch die nächste Bande scheint kurz danach mit der gleichen Masche in der Region weitergemacht zu haben. Denn die Autoaufbrüche kehrten in Wellen alle paar Wochen und Monate wieder – und dies wird nach Angaben der Polizei wohl auch so bleiben: „Wenn wir einen festnehmen, schicken die sofort wieder andere, gut ausgebildete Autoknacker her“, so Polizeisprecher Otruba.

Allein im Jahr 2015 registrierte die Polizei im gesamten Gebiet des Präsidiums Karlsruhe rund 300 gestohlene Navis, 2016 waren es sogar mehr als 400, 2017 etwa 250 Fälle. Pforzheim und der Enzkreis sind keine Ausnahme, wie Florian Reinartz vom Landeskriminalamt in Bayern bestätigt. Für die Polizei koordiniert er die Informationen rund um den Diebstahl von Navigationsgeräten aus Autos auf Bundesebene. Der Experte registrierte 2015 deutschlandweit rund 24.500 Fälle (davon etwa 500 in Baden-Württemberg), 2016 waren es seinen Aufzeichnungen zufolge ungefähr 21.000 (davon etwa 1000 in Baden-Württemberg). „Die Dunkelziffer liegt allerdings noch höher“, betont Reinartz.

Das einzig Positive für Betroffene: In der Regel übernimmt die Versicherung den Schaden in voller Höhe, erklärte Otruba.

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