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Pfarrer Georg Lichtenberger (links) und Asylbewerber Ali Secka sehen sich die zersprungenen Scheiben im Vorbau einer Pforzheimer Flüchtlingsunterkunft an. Die Täter sind unbekannt, die Bewohner sorgen sich. 

Bewohner in Sorge: Drei Scheiben an Flüchtlingsunterkunft beschädigt

Pforzheim. Irgendwann in der Zeit zwischen 20.30 Uhr am Freitagabend und 10 Uhr am Samstagmorgen müssen Unbekannte etwas gegen die Scheiben eines Vorbaus einer Flüchtlingsunterkunft an der Tiefenbronner Straße in Pforzheim geworfen oder geschlagen oder geschossen haben. In drei Fenstern gab es Löcher, die aber wegen der Größe, so ein Polizeisprecher, nicht auf Einbrecher hindeuten würden. Die Bewohner sorgen sich aus anderen Gründen.

Ein katholischer Pastoralreferent, der am Samstagmorgen im Asylheim vorbeischaute, meldete die kaputten Scheiben um 10.09 Uhr der Polizei. Beschädigt wurden drei Fenster, zwei im Hausmeister-Büro, eines im Wasch-und Trockenraum. Die eigentlichen Wohnräume der Flüchtlingsunterkunft befinden sich hinter dem Vorbau. Auf den blickt eine irakische Familie, wenn sie aus dem Fenster ihrer Räume schaut. Und dem entsprechend habe der Familienvater, so der katholische Pfarrer Georg Lichtenberger, Ängste geäußert. Was wäre passiert, wenn seine Scheiben zu Bruch gegangen wären? Wenn es kein dummer Kinderstreich gewesen wäre? Wenn nicht testosterongesteuerte Jugendliche im alkoholgeschwängerten Leichtsinn über die Stränge geschlagen hätten? Wenn es zum Beispiel ausländerfeindliche Rechte gewesen wären?

Antworten darauf gibt es vorerst keine. Die Polizei hat die Schäden begutachtet, Spuren gesichert und würde gerne weitere Hinweise aus der Bevölkerung entgegennehmen. Offensichtliche Beweise für einen fremdenfeindlichen Hintergrund gebe es nicht, so ein Polizeisprecher. Keine Schmierereien, keine Parolen. Es weise nichts auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund hin.

Die Bewohner scheint das nicht unbedingt zu beruhigen. Wie Priester Lichtenberger aufzählt, wohnen in der vielleicht zu 60 bis 70 Prozent ausgelasteten 40-Personen-Unterkunft an der Tiefenbronner Straße vor allem Familien mit Kindern oder alleinstehende Frauen mit Säuglingen und in einem Fall sogar mit vier Kindern aus dem Irak, Somalia oder Kamerun, dazu gesellen sich noch drei kurdische Geschwister und nicht einmal eine Hand voll alleinstehender junger Männer. Auch die Flüchtlinge haben von diversen Ausschreitungen in Deutschland gehört, müssen im Alltag immer wieder mit Anfeindungen leben – und wer Kinder hat, fürchtet sich um deren Sicherheit noch mehr.

Bislang aber, so Lichtenberger, habe man keine solchen Probleme an der Tiefenbronner Straße gehabt. Am Freitagabend gab es wie jede Woche den „runden Tisch“ im Flüchtlingsheim, ein Treff von Bewohnern, ehrenamtlichen Helfern und auch Nachbarn, so Lichtenberger. Die Flüchtlingsunterkunft bereite niemand Probleme. Ob die defekten Scheiben ein bewusst provozierter aggressiver Akt oder eine dumme Aktion von Randalierern gewesen sind, weiß niemand. Die Anspannung von Bewohnern und Helfern jedenfalls scheint angestiegen zu sein.

Im Februar waren bereits in der Unterkunft in Huchenfeld 15 Fenster und Türen eingeschlagen worden.

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