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Enttäuschte Gesichter beim Pforzheimer SPD-Kreisvorsitzenden Frederic Striegler (Zweiter von rechts) und der Bundestagsabgeordneten Katja Mast (rechts). Foto: Ketterl
Enttäuschte Gesichter beim Pforzheimer SPD-Kreisvorsitzenden Frederic Striegler (Zweiter von rechts) und der Bundestagsabgeordneten Katja Mast (rechts). Foto: Ketterl
24.09.2017

Das befürchtete Desaster: AfD drei Stimmen vor der SPD im Wahlkreis Pforzheim

Pforzheim. Frederic Striegler flüchtet sich in Sarkasmus: „Ich kann gar nicht verstehen, dass nur noch so wenig los ist“, sagt der Pforzheimer SPD-Kreisvorsitzende. „Bei dem Wahlergebnis.“ Es ist 20.30 Uhr, noch zehn der gut 40 Wahlkämpfer, die die Ergebnisverkündung im SPD-Büro an der Jörg-Ratgeb-Straße verfolgt haben, sind vor Ort. Die meisten davon im Nebenraum, im Fernseher läuft die „Elefantenrunde“. Enttäuscht wirken die Sozialdemokraten, klar. Auch niedergeschlagen. Aber überrascht? Das nicht. „Das Ergebnis hat sich abgezeichnet“, sagt Striegler.

Die Gewinner und Verlierer der Bundestagswahl in Pforzheim

An Haustüren und Wahlkampfständen habe er „mitunter das Gefühl gehabt, nicht mehr durchzudringen“. Manche Wähler hätten gar nicht mehr diskutieren, sondern nur noch ihre Wut loswerden wollen. Auch die Direktkandidatin Katja Mast spricht von „Momenten, in denen man gespürt hat, dass es zu solchen Ergebnissen kommen kann – zum Beispiel bei Werkstor-Aktionen“. Sie sei mit verbalen Aggressionen konfrontiert gewesen, wie sie sie „noch nie erlebt“ habe.

31.611 Erststimmen (19,1 Prozent) vereint sie im Wahlkreis Pforzheim/Enzkreis am Ende auf sich, liegt so gut 5000 Stimmen vor dem AfD-Kandidaten Waldemar Birkle. Bei den Zweitstimmen liegt ihre SPD, so das vorläufige Endergebnis, gar drei Stimmen hinter der AfD.

Im Bundestag wird Mast die Region dennoch weiter vertreten, über die SPD-Landesliste verteidigt sie ihr Mandat. Und doch: „So ein Ergebnis macht etwas mit einem“, räumt sie ein. Der Wahltag sei eine „harte Zäsur für die Bundesrepublik Deutschland, dass über 70 Jahre nach Kriegsende wieder Rechtsextreme im Bundestag sitzen werden“. Und ganz egal, wie hart der Wind wehe: „Ich werde als Sozialdemokratin immer dagegen kämpfen.“ Diesen Kampf, macht Mast deutlich, wolle sie am liebsten aus der Opposition heraus führen: „Wir nehmen die Oppositionsrolle an.“ Auch Striegler fordert eine „klare Kante“ gegen die AfD, die er für „antidemokratisch“ hält. Der Pforzheimer Kreisvorsitzende ist es auch, der aus dem Wahlergebnis am Ende doch noch etwas Positives liest: Anders als bei den vergangenen Wahlen, scheine das Pforzheimer Erststimmenergebnis der SPD über dem Schnitt in Baden-Württemberg zu liegen. „Aber das“, sagt er, „ist jetzt natürlich auch kein Trost.“

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miri33
25.09.2017
Das befürchtete Desaster: AfD drei Stimmen vor der SPD im Wahlkreis Pforzheim

Wenn Menschen (aus welchen Gründen auch immer) eine Partei wählen sind sie und die Partei antidemokratisch? Herr Striegler sollte sich überlegen, ob nicht genau dieses Unverständnis der Grund für den Abstieg der SPD ist. mehr...

nanos
25.09.2017
Das befürchtete Desaster: AfD drei Stimmen vor der SPD im Wahlkreis Pforzheim

Jeder der gestern im TV zu Wort kam musste seinem Statement erst mal vorausschicken wie schlimm es ist, dass nun Populisten, Rechtsextremisten und Nazis in den Bundestag einziehen. Für all diese, denen der Erhalt der Demokratie angeblich so sehr am Herzen liegt, erscheint es unerträglich, dass sich ein Teil der Bevölkerung in freier Wahl gegen die bisherige Regierung ausspricht und das überschaubare Risiko eingeht die AfD in den Bundestag zu wählen. Die Bundeskanzlerin wirkte äußerlich ...... mehr...

Faelchle
25.09.2017
Das befürchtete Desaster: AfD drei Stimmen vor der SPD im Wahlkreis Pforzheim

Dass die etablierten Parteien mit überzogenen Reaktionen auf einige provokanten Äußerungen der AFD reagieren, ist genau das Konzept, dass diese Partei verfolgt. Gabriel, Schulz un C0. fallen immer wieder darauf herein. Doch irgendwann zieht die Masche nicht mehr, und der politische Alltag kehrt ein, da bin ich gespannt, was die AFD an Konkretem zu liefern hat. Vor den Zaun zu stehen und den ganzen Tag zu kläffen, wie es der Hund meines Nachbarn macht, wird dann nicht mehr ausreichen. Ihr ...... mehr...

rouge ordinär
25.09.2017
Das befürchtete Desaster: AfD drei Stimmen vor der SPD im Wahlkreis Pforzheim

Das bedeutet im Umkehrschluß, daß die NSDAP (Reichstagswahlen 1932 - Juli: 37,3%; November: 33,1%) eine demokratische Partei war. Bemerkenswert. Ebenfalls bemerkenswert: 1945 hatte niemand diese Partei gewählt oder hatte ihre Ziele vertreten.... mehr...