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Großes Medieninteresse herrschte am ersten Verhandlungstag vor der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe in Pforzheim.  Foto: Lorch-Gerstenmaier 

Erschütternde Erkenntnisse im Pforzheimer Kinderporno-Prozess: 20.000 Dateien, 300 Gigabyte - und eine Falle verhinderte noch mehr Funde

Wenn Roman F. (Name geändert) jener „Lucky Eddy“ ist – wovon die Staatsanwaltschaft Mannheim und das Bundeskriminalamt überzeugt sind –, dann drohen dem heute 44-jährigen deutschen Staatsbürger mit Wohnsitz in der Pforzheimer Innenstadt (aber seit März in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim) einige Jahre Haft, vorausgesetzt, die Auswärtige Große Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe in Pforzheim unter Vorsitz von Andreas Heidrich schließt sich der Argumentation des Ersten Staatsanwalts Christoph Wedekind an.

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Pforzheim

Prozess in Pforzheim: 44-Jähriger in Kinderporno-Ring verstrickt? FBI-Agent soll aussagen

Demnach sei Roman F. alias „Lucky Eddy“ seit August 2015 Betreiber unter anderem der „Hidden-Door“-Darknet-Plattform und Administrator verantwortlich für Verbreitung, Erwerb und Besitz von mindestens 86 Videos und Bilddateien, die voll sind mit Kinder- und Jugendpornografie für einen 33-köpfigen abgeschotteten Zirkel handverlesener Personen fragwürdiger „Exklusiviät“: Es handelt sich dutzendfach um Manipulationen – vorwiegend von Kindern – an deren Geschlechtsteil, vaginale und anale Penetrationen (auch durch Frauen), unnatürliche Posen, das Einführen von Gegenständen, Samenergüsse in Mund und Gesicht, das Trinken des eigenen Urins und das Verspeisen von Exkrementen. Die jüngsten Kinder sind vier Jahre alt. Das gesicherte Datenvolumen beträgt über 20 000 Einzeldateien mit rund 300 Gigabyte.

Am Boden fixiert

Und vielleicht ist das noch nicht alles – denn als die Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) am 19. März nach monatelanger Überwachung der Telekommunikation und in enger Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen FBI (ein Spezialagent wird am 9. Dezember, dem dritten Verhandlungstag, als Zeuge auftreten) die Ein-Zimmer-Wohnung von Roman F. stürmten und den Beschuldigten am Boden fixierten, stießen sie auf zahlreiches Material, das ihnen immer noch Kopfzerbrechen bereitet: Mehrere Computer, miteinander verbunden, waren in Schränken und Schubladen versteckt – die Konstruktion erinnert an Sprengfallen. Nur dass bei der Öffnung der Möbelstücke plötzlich die Stromzufuhr unterbrochen wurde, ausgelöst durch Kippschalter. Bis heute versucht man im BKA, den Inhalt wieder zu rekonstruieren. Auf Kooperation von Roman F., können die Beamten nicht hoffen. Weder gegenüber der Polizei noch im Prozess macht der Angeklagte Angaben zur Person oder zur Sache.

Das BKA glaubt, noch ein weiteres Pfund gegen Roman F. in der Hand zu haben: Abwesenheitsnotizen auf der Plattform „Hidden Door“ deckten sich großteils mit den eingereichten Urlaubstagen bei seinem Arbeitgeber. Am Montagnachmittag wurde während der Präsentation der Beweisstücke durch einen BKA-Beamten die Öffentlichkeit – auch die Presse – ausgeschlossen. Das wird auch für den Vormittag des zweiten Verhandlungstags am Montag, 2. Dezember, gelten.

Olaf Lorch-Gerstenmaier

Olaf Lorch-Gerstenmaier

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