Mehr als 100 Gäste der Suppenküche und der Krebsberatungsstelle hat Frank Daudert (Dritter von rechts) in seinen Spargelbesen eingeladen. Angelika Eisele, Frank Johannes Lemke, Besucher Olaf, Anna-Maria Moldovan, Annelies Gensler und Susanne Knöller (von links) servieren Maultaschen mit Spargelsoße.
Jeannine Lockner
Pforzheim
Gastronom Daudert lädt Bedürftige in seinen Spargelbesen in Pforzheim ein

Pforzheim. Rüdiger W. (Name geändert) hat bereits Platz genommen. Der 58-jährige Pforzheimer sitzt geschniegelt und erwartungsvoll am Tisch in „Dauderts Spargelbesen“ im Volksbankhaus. Normalerweise geht er samstags in die Suppenküche an der Kiehnlestraße – doch an diesem Tag bleibt sie geschlossen.

Der Grund: Rund 100 Gäste der Suppenküche sowie 20 Klienten der Krebsberatungsstelle sind von Gastronom Frank Daudert zum Mittagessen eingeladen worden – vermittelt über den PZ-Hilfsverein „Menschen in Not“. Bereits am Wochenende zuvor hatten mehr als 100 Klienten von Caritas und Diakonie diese besondere Einladung erhalten.

Für Rüdiger W. ist es ein besonderer Moment. „Seit zwölf Jahren besuche ich die Suppenküche“, erzählt er. Mit einem Minijob bessert er seine Bezüge auf, doch das Geld ist knapp. Die Unterstützung durch die Suppenküche helfe ihm, über die Runden zu kommen. Umso größer ist die Freude über das ungewohnte Menü: „Maultaschen mit Spargelsoße – das ist ein Festtagsessen.“

Während die Gäste Platz nehmen, behält Frank Daudert den Überblick. Als Annelies Gensler aus dem Leitungsteam der Suppenküche nachfragt, ob sieben nicht angemeldete Gäste ebenfalls essen dürfen, kommt die Antwort ohne Zögern: „Selbstverständlich. Das ist kein Thema.“ Dem Gastronomen ist wichtig, dass seine Veranstaltungen Menschen zusammenbringen. „Bei mir soll immer ein Querschnitt der Gesellschaft zusammenkommen“, sagt er. „Ich habe gerne den Professor zu Gast, genauso wie Lieschen Müller.“ Feste bei der Familie Daudert sollen für alle offen sein. Besonders freue es ihn zu sehen, wie sehr sich diejenigen über die Einladung freuen, die sich einen solchen Besuch sonst nicht leisten könnten. Möglich wird das Angebot auch durch Partner wie Gemüsehändler Jörg Müller, der Daudert seit Beginn mit heimischem Spargel beliefert. An guten Tagen werden rund 150 Kilogramm des „weißen Goldes“ verarbeitet. Zu den beliebtesten Gerichten zählen Spargelrolle, Pfannkuchen mit Spargel und Hollandaise sowie Garnelenpfännchen mit „Sauce Provençale“ und Spargelstückchen.

Auch Frank Johannes Lemke, Vorstandsvorsitzender des Vereins Ökumenische Vesperkirche und Initiator der Suppenküche, unterstreicht die Bedeutung des Angebots: „Für unsere Gäste ist dieser Ausflug eine große Wertschätzung. Sie werden Teil einer größeren Gemeinschaft.“ In der Suppenküche seien viele Besucher unter sich, erklärt Lemke. „Sie kennen sich, begegnen sich regelmäßig.“ Im Spargelbesen dagegen entstehe eine neue Form des Miteinanders. „Das ist gelebte Inklusion. Niemand wird ausgegrenzt. Man kommt zusammen.“

Für die Gäste ist dieser Tag vor allem eines: eine willkommene Abwechslung vom Alltag. Es wird geredet, gelacht und gemeinsam gegessen. Für ein paar Stunden zählt nicht, woher jemand kommt, sondern nur, dass man zusammen am Tisch sitzt.