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Nur mit Atemschutzgeräten konnten sich die Pforzheimer Feuerwehrleute in die Tiefgarage an der Stettiner Straße auf dem Haidach wagen. Praktisch ohne Sicht mussten sie sich mit den Wasserschläuchen durch den dichten Qualm bis zum Brandort wagen. 

Gefährliche Brandstiftung in Tiefgarage auf dem Haidach: Hochhaus teilweise evakuiert

Pforzheim. Gegen 23.30 Uhr läuft der Alarm ein. In einer Tiefgarage bei einem Hochhaus an der Stettiner Straße 6 auf dem Haidach in Pforzheim gibt es einen Knall, dazu hört ein Zeuge splitterndes Glas und die Alarmanlage eines Autos. Rauch ist zu sehen. Brandgeruch liegt in der Luft. Und weil die Tiefgarage so nahe an einem Haus mit 16 Etagen und entsprechend vielen Bewohnern liegt und eventuell der giftige Qualm ins Haus eindringen könnte, ist Eile bei der Feuerwehr geboten. Im Nu sind fast alle Pforzheimer Freiwilligen-Abteilungen alarmiert. Und auch die Polizei sendet ein großes Aufgebot an Beamten, denn sehr schnell hat sich angedeutet, dass das Feuer wohl von einem Brandstifter gelegt wurde.

Brandstiftung in der Tiefgarage auf dem Haidach
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Brandstiftung in der Tiefgarage auf dem Haidach

17 Feuerwehr-Fahrzeuge und etwa 60 Mann von Berufsfeuerwehr und den Freiwilligen-Abteilungen Brötzingen/Weststadt, Haidach, Eutingen, Dillweißenstein, Büchenbronn, Huchenfeld und Hohenwart bekämpfen die Flammen oder evakuieren die Hausbewohner der ersten drei Stockwerke des Hochhauses. Auch von benachbarten Häusern sollen nach unbestätigten Augenzeugenberichten Bewohner evakuiert worden sein.

Brand Stettiner Straße 04
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Brandstiftung in Tiefgarage auf dem Haidach in Pforzheim

Drei Autos stehen in der Tiefgarage lichterloh in Flammen. Zu sehen ist davon erst einmal nicht viel, denn die durch den Brand stark aufgeheizten Parkräume sind von dichtem Qualm erfüllt. Deshalb wurden bei den Freiwilligen Feuerwehren auch vor allem Atemschutztrupps angefordert, denn löschen kann man in solch einem Fall nur, wenn man sich mit Luft aus Atemflaschen durch den giftigen Rauch bewegt. Die ersten Feuerwehrleute sind praktisch ohne Sicht in eine heiße, schwarze Rauchwand eingestiegen, um vorsichtig Schritt für Schritt bis zum Brandort zu gelangen. Da der Löscheinsatz mit Atemschutz erstens wegen der Geräte und zweitens wegen der Einsatzfähigkeit der Feuerwehrleute zeitlich begrenzt ist, mussten Ersatztrupps bereit stehen, um die erschöpften und sauerstofflos gewordenen Kollegen abzulösen. 

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Nur mit Atemschutzgeräten konnten sich die Pforzheimer Feuerwehrleute in die Tiefgarage an der Stettiner Straße auf dem Haidach wagen. Praktisch ohne Sicht mussten sie sich mit den Wasserschläuchen durch den dichten Qualm bis zum Brandort wagen.

Drei Autos sind komplett ausgebrannt. Über weitere Schäden an anderen Fahrzeugen lagen mitten in der Nacht noch keine Informationen vor. Die Höhe des Sachschadens kann im Moment nicht beziffert werden, da die Statik der Garagendecke, deren Beton stark in Mitleidenschaft genommen wurde, erst geprüft werden muss. Ebenso ist die Schadenshöhe an den Fahrzeugen nicht feststellbar, da die Garage noch nicht betreten werden darf.

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Der Gesamtschaden könnte im sechsstelligen Bereich liegen. Nach dem Ablöschen der ausgebrannten Fahrzeuge und anderer Einrichtungsgegenstände oder gelagerten Dinge musste die Feuerwehr erst einmal mit einer Druckbelüftung den Rauch aus der Tiefgarage blasen. Der Rauchgeruch dürfte jedoch noch eine Weile im unterirdischen Parkraum zu riechen sein. 

Evakuierung und Unterbringung im Kältebus der Feuerwehr

Parallel zur Brandbekämpfung mussten Anwohner evakuiert werden. Viele davon verließen das Haus im Schlafanzug und einer eilig übergeworfenen Jacke. Sie fanden Aufnahme im Kältebus der Feuerwehr, wo sie sich aufwärmen und auf die Freigabe ihrer Wohnungen warten konnten. Betreut wurden sie von den Rettungskräften, die ebenfalls vorsorglich zum Brandort auf dem Haidach geeilt waren. Verletzte wurden aber zunächst nicht gemeldet. Die Polizei hatte über Twitter die Anwohner gewarnt.

Unterdessen waren die Brandermittler der Kriminalpolizei schon auf dem Haidach eingetroffen. Laut Polizeisprecher Uwe Henne wurde in der Nach nach einem Brandstifter gefahndet. Acht Streifenwagen waren im Einsatz. Offenbar wurden Gegenstände am Brandort gefunden, die auf ein mutwillig gelegtes Feuer hinweisen könnten. Brandursache dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit Brandstiftung durch Brandbeschleuniger sein.

Mehr dazu konnte in der Nacht auf Montag noch nicht mitgeteilt werden. Die Brandermittler konnten allerdings zunächst nicht die Tiefgarage betreten, denn der extrem aufgeheizte Raum musste erst abkühlen und rauchfrei werden. Hinweise auf Tatverdächtige oder verdächtige Wahrnehmungen nimmt die Kriminalpolizei Pforzheim unter 07231/186-4444 entgegen.

Brandstifter neigen dazu, ihre Taten zu wiederholen

Warum aber wollen Brandstifter ihre Ziele in Flammen aufgehen sehen? „Man hat in der Regel Erfahrung mit dem Mittel, das Befriedigung verspricht. Derjenige erlebt, dass er steuern kann, etwas das er aufgrund eines gestörten Selbstwertgefüges sonst nicht erlebt. Und diese Menschen hören eben nicht von alleine auf. Sie müssen geschnappt und therapiert werden“, hatte Psychotherapeut Werner Polster in einem PZ-Interview zu einer Serie von Waldbränden im westlichen Enzkreis erklärt. Und: „Der Pyromane, der sich oft ohnmächtig, klein und wirkungslos fühlt, hat soviel von seiner Tat, ist dadurch in seinem Erleben groß, mächtig und bedeutsam, das gibt er nicht her, so lange er etwas davon hat.“

"Diese Leute müssen im Auge behalten werden. Es gilt, sehr gut zu überlegen, ob man im Einzelfall nicht eine Sicherungsverwahrung im Hinterkopf behält. Die hören nicht so einfach auf."

Psychotherapeut Werner Polster in einem PZ-Interview

Thomas Kurtz

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Thomas Meyer

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