Pforzheim. Etwa drei Monate ist es inzwischen her, dass sich Murat K. (Namen von der Redaktion geändert) und seine Ehefrau Yagmur gesehen haben. Denn seit dem 10. März sitzt der 38-jährige Türke in Abschiebehaft, erst in Darmstadt, seit Ende April in Pforzheim, wo das Land Baden-Württemberg an der Rohrstraße Amtshilfe bei der Unterbringung leistet. Immer wieder war seine Abschiebung, gegen die er bis vor das Bundesverfassungsericht zog, mangels Flügen verschoben worden, zuletzt am 23. Mai auf den 10. Juni (die PZ berichtete). Seit ihr Mann in Pforzheim einsitzt, versucht Yagmur K. laut eigenen Angaben, ihn zu besuchen. Wegen des Infektionsschutzes, so hieß es, sei das aber nicht möglich. Bis jetzt.
Monatelang haben sich Murat K. und seine Frau Yagmur (Namen von der Redaktion geändert) nicht gesehen. In einer Woche soll der 38-jährige, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt und wegen Drogenhandels im Gefängnis saß, abgeschoben werden. Seit März sitzt er deswegen im Abschiebegefängnis, erst in Darmstatd, seit Ende April in Pforzheim. Bislang durfte seine Frau ihn nicht besuchen. Doch kurz vor der Ausreise scheint sich etwas getan zu haben.


Abschiebung in letzter Minute? 38-Jähriger sollte nach Monaten in Haft in die Türkei ausgeflogen werden
Denn auf PZ-Anfrage erklärt das für das Abschiebegefängnis zuständige Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) am Mittwochvormittag, dass „im Rahmen der allgemeinen Lockerungen die Besuchsmöglichkeiten für die Untergebrachten nun erweitert“ würden. Im Übrigen habe laut RP Yagmur K. selbst nie nach einem Besuch an der Rohrstraße gefragt. Murat K., habe selbst erst „gestern spätnachmittags den Wunsch nach einem Besuch seiner Ehefrau“ geäußert, so das RP.


Es geht kein Flug nach Nirgendwo: Auch Abschiebung scheitert an Corona
Für Yagmur K. eine Schutzbehauptung. „Ich habe seit April jede Woche angerufen“, beteuert die 40-jährige Deutsche mit türkischen Wurzeln. Meist habe man mit dem Schutz vor Corona argumentiert, oft seien aber auch gar keine Gründe genannt worden. Dass sie ihren Mann nun doch besuchen darf, erfährt sie zeitgleich von der PZ und Murat K. selbst. Es wird wohl das letzte Mal sein, dass die beiden sich in den nächsten Jahren auf deutschem Staatsgebiet sehen können.


Abschiebehäftling beschwert sich bei höchstem Gericht: Fünf Männer aus Hessen leben seit einer Woche in Einrichtung an der Rohrstraße
Neben Murat K. warten aktuell laut RP noch fünf weitere Personen an der Rohrstraße auf ihre Abschiebung: Darunter vier, die das Land Hessen hier in Gewahrsam nimmt, sowie eine Person im Auftrag des Landes Baden-Württemberg. Nähere Angaben zu diesem Häftling will das RP aber nicht machen. Wann die Amtshilfe für Hessen ende, sei nicht absehbar. Wann der reguläre Betrieb an der Rohrstraße für das Land Baden-Württemberg wieder aufgenommen werden könne, sei ebenfalls noch unklar.
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