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Herbert Marquard. Foto: Ketterl
Herbert Marquard. Foto: Ketterl
12.04.2019

Neuer SWP-Chef greift durch: Bis zu 50 Änderungskündigungen bei den Stadtwerken

Pforzheim. Der neue SWP-Chef Herbert Marquard ist dabei, die Stadtwerke komplett und konsequent umzustrukturieren. Wie die PZ aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, habe Marquard bis zu 50 Änderungskündigungen ausgesprochen. Und es gibt noch mehr Neuigkeiten.

Der Blick zurück:

Die Stadtwerke hatten im Dezember massive Verluste durch umstrittene Telesales-Verträge, die per Telefonmarketing gewonnen wurden, einräumen müssen. Dies führte zu einem Gewinneinbruch von gut elf Millionen Euro in 2017 auf 4,2 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Als Konsequenz aus dem lange nicht gemeldeten Gewinneinbruch wurden im Januar die beiden Geschäftsführer Roger Heidt und Thomas Engelhard vom Aufsichtsrat fristlos abberufen. 

Die Geschäfte der Stadtwerke führt seitdem Herbert Marquard.

Im Zuge des Gewinneinbruchs verzichtete der Aufsichtsrat auch auf eine Renditeausschüttung an die Mehrheitsgesellschafterin Stadt Pforzheim und die Mitgesellschafterin Thüga AG. Die fehlenden 6,5 Millionen Euro haben OB Peter Boch und den Gemeinderat Ende des Jahres dazu veranlasst, die Verabschiedung des Doppelhaushalts 2019/2020 zu verschieben. Erst am 26. März wurde der Etat beschlossen.

Die aktuelle Lage bei den SWP:

Zu Personalangelegenheiten werde man sich nicht äußern, lässt die SWP zu den Änderungskündigungen wissen. Hintergrund der Maßnahmen ist wohl ein aus Marquards Sicht aufgeblähter Personalapparat, der unter den im Januar vom Aufsichtsrat abberufenen früheren Geschäftsführern Roger Heidt und Thomas Engelhard entstanden sein soll. „Es gehörte zu deren System, unnötige Stabsstellen zu schaffen“, so ein Aufsichtsrat.

Marquard, der am Tag der Abberufung seiner Vorgänger vom Aufsichtsgremium eingesetzt wurde, will dem Vernehmen nach besonders beim Stromvertrieb – also dem Bereich, der im vergangenen Jahr die großen Verluste eingefahren hatte – zeitgemäße und effiziente Strukturen einführen. Hier hatten die Stadtwerke offenbar großen Nachholbedarf, indem man vor allen Dingen auf die Vielzahl der umstrittenen Telesales-Geschäfte (die Kundenakquise über Telefonmarketing) nicht vorbereitet war.

Auch ein neues Kundenportal ist in Vorbereitung. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass das Energieunternehmen auch die Stelle des leitenden Risikomanagers neu besetzen möchte. Für seine kompetente Vorgehensweise wurde Marquard bei seinem Amtsantritt innerhalb der Stadtwerke sehr gelobt.

So geht es weiter:

Wie von SWP-Insidern erwartet, haben die früheren Geschäftsführer, Roger Heidt und Thomas Engelhard, gegen ihre sofortige Abberufung durch den Aufsichtsrat zwischenzeitlich Klage bei der Auswärtigen Kammer für Handelssachen des Landgerichts Karlsruhe mit Sitz in Pforzheim eingelegt. Über einen möglichen Zeitrahmen kann das Gericht aufgrund des frühen Stadiums des Verfahrens noch nichts sagen. „Wir können bestätigen, dass bei der SWP entsprechende Klagen eingegangen sind“, sagte am Freitag Erster Bürgermeister und Aufsichtsratschef Dirk Büscher auf Anfrage der PZ. Die Stadtwerke hätten eine Anwaltskanzlei beauftragt zur Wahrnehmung ihrer Interessen in der anstehenden juristischen Auseinandersetzung.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat derweil die interne Untersuchung der SWP-Affäre um den Gewinneinbruch und das mutmaßliche Vertuschen der hohen Verluste durch die ehemaligen Geschäftsführer abgeschlossen. Die Untersuchung wurde von Büscher angeregt und vom Aufsichtsrat beschlossen.

PZ-Informationen zufolge haben die Wirtschaftsprüfer in detektivischer Kleinarbeit die Vorgänge aufgearbeitet. „Aktuell wird der Jahresabschluss 2018 erstellt, in dem auch das Thema Verluste durch Neubewertung der Telesales-Geschäfte abschließend geprüft wird“, bestätigte Büscher. Man könne jedoch bereits heute feststellen, dass die Summe bei weitem unter den von der PZ genannten 25 Millionen Euro liegen werde. Der Aufsichtsrat wird sich in seiner Sitzung am 29. April mit dem Gutachten beschäftigen.

Faelchle
13.04.2019
Neuer SWP-Chef greift durch: Bis zu 50 Änderungskündigungen bei den Stadtwerken

Der neue SWP Chef scheint der richtige Mann am richtigen Ort zu sein. Schade, dass der nicht schon früher diesen Posten bekommen hat, was fürmich schwer zu verstehen ist, dass die von ihm aufgeführten Missstände nicht viel früher aufgedeckt wurden. mehr...

Schreiberling
13.04.2019
Neuer SWP-Chef greift durch: Bis zu 50 Änderungskündigungen bei den Stadtwerken

Der Roger Heidt als Schwiegersohn eines CDU-Granden dürfte ja wohl sankrosankt gewesen sein. Üblicherweise verspüren Pfeifen unbewusst, dass sie nix drauf haben, halten sich Kritik aber durch eine Herrschaft von Furcht und Schrecken vom Leib. Sich ein Arbeitsklima führt dann zur Abstimmung mit den Füßen. Wer es sich leisten kann, geht woanders hin, es kommt zu einer Negativauslese im Betrieb. Entsprechend ist dann die gesamte Performance.... mehr...