760_0900_114906_Akten1.jpg
Die volle Schuldfähigkeit hat eine psychiatrische Sachverständige dem Angeklagten im Prozess um den 57-jährigen getöteten Pforzheimer Schmuckhändler attestiert. Symbolbild: dpa 

Prozess um getöteten Schmuckhändler: Darum ist der Angeklagte voll schuldfähig

Karlsruhe/Pforzheim. Die volle Schuldfähigkeit hat eine psychiatrische Sachverständige dem Angeklagten im Prozess um den 57-jährigen getöteten Pforzheimer Schmuckhändler attestiert. Dem 36-jährigen Angeklagten aus dem Landkreis Calw wird sowohl Mord als auch der Besitz von kinderpornografischen Schriften vorgeworfen. „Ich habe keinerlei Merkmale für eine Schuldunfähigkeit feststellen können“, stellte sie klar. Ebenso spreche nichts für einen Mord aus Affekt, da der Angeklagte nach der Tat gefestigt gewirkte habe und bei einem affektiven Vorgehen ein emotionaler Zusammenbruch charakteristisch sei.

Pädophile Interessen habe der Angeklagte gegenüber der Sachverständigen verneint. Es würden aber die Beweise für eine solche Neigung überwiegen. Bereits in den USA war der 36-jährige aufgrund des Besitzes von kinderpornografischen Schriften verurteilt worden. Im Rahmen der Ermittlungen um den getöteten Schmuckhändler fanden die Beamten erneut solche Dateien. Dort waren Kleinkinder in sexuellen Handlungen und unterwürfigen Positionen zu sehen.

Pforzheim

Angeklagter war auf Sex-Plattformen aktiv: Im Fall des getöteten Schmuckhändlers rücken Daten in den Blick

„Ohne Zweifel ist eine Störung der Sexualpräferenz erkennbar, welche eindeutig als Pädophilie zu bezeichnen ist“, erläuterte die Sachverständige.

Zu dieser Störung passe auch, dass der Angeklagte mehrfach auf Plattformen unterwegs gewesen sei und dort Beherrschungs- und Unterwerfungsbeziehungen suchte. Sowohl im Verfahren als auch gegenüber der Sachverständigen sprach er immer wieder von „schlimmen Erlebnissen“ während der Haft in den USA. Hierbei soll er sowohl körperlich als auch sexuell mehrfach misshandelt worden sein. „Ich kann dies nicht ausschließen, aber auch nicht bejahend verifizieren“, meinte sie.

Pforzheim

„Es schien so, dass er sofort wusste, um was es geht“: Beamter erzählt von Festnahme des Angeklagten im Prozess um getöteten Schmuckhändler

Allerdings sei es ungewöhnlich, dass in der Folge keine psychischen Belastungen aufgefallen seien und der Angeklagte nach seiner Rückkehr nach Deutschland sofort den Start ins soziale Leben fand. Deutlich weniger Erkenntnisse als erhofft erhielt die Schwurgerichtskammer von einem Finanzermittler. Zwar bescheinigte er dem getöteten Schmuckhändler eine „gute finanzielle Position“, aber hinsichtlich der Finanzen des Angeklagten blieben viele Fragen offen. So überwiegt der vorhandene Warenwert mehrere negative Kontensalden. Doch anstatt den Warenwert einer Plausibilitätskontrolle zu unterziehen, nutzten die Ermittler die Bilanz des Angeklagten.

Mehr lesen Sie am Donnerstag, 14. Mai, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.