Pforzheim
Schießerei vor dem „Musikpark“ im Jahr 2011: Erinnerungen an die „Hells Angels“ in Pforzheim

Die Nachricht erreichte mich auf dem Handy irgendwo zwischen Paris, wo ich mit Freunden Silvester gefeiert hatte, und Straßburg, sonntagmorgens gegen 8 Uhr im TGV. Die damals recht neue Schnellzugverbindung sowie der Umstand, dass Neujahr 2011 auf einen Samstag fiel und der erste Dienst des Jahres in der „Pforzheimer Zeitung“ deshalb erst am Sonntag abzuleisten war, hatten mir den Kurztrip ermöglicht.

Eine Kolumne von PZ-Redakteur Marek Klimanski

Doch der Arbeitstag fiel weniger beschaulich aus als gedacht.„Aus einer Maschinenpistole ist auf die Disco ,Musikpark‘ geschossen worden“, erfuhr ich bereits auf dem Weg nach Pforzheim. Menschen waren nicht zu Schaden gekommen, die vier aus einer schwarzen Limousine abgefeuerten Projektile hatten – möglicherweise absichtlich, weil als Warnung gedacht – ihren Weg in die Fassade genommen.

Der bis heute unaufgeklärte Vorfall stand mutmaßlich als Höhepunkt der rohen Sitten im Zusammenhang mit einem Bandenkrieg, der bundesweit Schlagzeilen machte und in Pforzheim zwischen dem örtlichen Ableger der „Hells Angels“ und einer weiteren rockerähnlichen Gruppierung namens „United Tribuns“ tobte. Es ging um die Position der Türsteher in den örtlichen Clubs und damit für das organisierte Verbrechen darum, wer den Zutritt und somit im Inneren der Lokale den Drogenhandel kontrollieren konnte.

Nach einem weiteren Vorfall mit einer baugleichen Maschinenpistole wie jener zum Jahreswechsel verwendeten – mutmaßlich nur, weil das Schießgerät blockierte, gab es kein Blutbad in der Bar – und einer offenen Straßenschlacht zeigte der Rechtsstaat Zähne: Die Pforzheimer „Hells Angels“ wurden verboten, die „United Tribuns“ verschwanden sang- und klanglos. Besagte Straßenschlacht fand auf dem Gelände des früheren Hauptgüterbahnhofs statt, und just in der Nähe haben andere „Hells Angels“ nun wieder einen Treffpunkt etabliert.

Da kommen viele Erinnerungen hoch, und bei mir besonders an jenen Januar – rohes neues Jahr –, an die Maschinenpistolenschüsse, Gewaltkriminalität auf offener Straße in unserer Stadt. Brauche ich nicht, nie wieder. Kein rohes neues Jahr, und keine rohen Ostern.

Zahlreiche Razzien wurden bis 2011 gegen die „Hells Angels“ in Pforzheim durchgeführt.
Seibel (Archiv)
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