Pforzheim. Was kostet ein Mensch? Unter diesem Motto fand eine Veranstaltung mit Burghard Kochmann im DDR-Museum Pforzheim statt. Der Vortragsraum war voll besetzt.
Kochmann, selbst ein Opfer der DDR-Diktatur, wurde von der Bundesrepublik freigekauft. Natürlich unter der Verpflichtung, niemals etwas über die Umstände des Freikaufs zu sagen, wie bei seinem Vortrag deutlich wurde. Darin ging er zunächst auf die Geschichte des Verkaufs von Menschen ein – begonnen mit Josef aus dem Alten Testament, als dieser für 20 Silberlinge von seinen Brüdern an die Ägypter verkauft wurde.


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Thematisiert wurde auch der Versuch Eichmanns, Juden aus Budapest gegen Lieferung von Lastwagen von die Alliierten freikaufen zu lassen. Und 1961, nach der gescheiterten Invasion der Amerikaner in der Schweinebucht auf Kuba, bezahlten die USA 60 Millionen Dollar an Kuba, um 1600 gefangene US-Soldaten freizubekommen.
Im Jahre 1961 kam der Vortrag dann schließlich auch in der deutsch-deutschen Wirklichkeit an. Angefangen mit dem Hauslehrer für Willy Brandts Kinder, der in Ostberlin lebte, aber in Westberlin dessen Kinder unterrichtete. Nach dem Mauerbau konnte er seiner Arbeit nicht mehr nachkommen und wurde für vier Jahre inhaftiert und danach gegen einen einmalig gezahlten Bargeldbetrag freigekauft.


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Unter Mitwirkung von Alexander Schalck-Golodkowski und der Kommerziellen Koordinierung im Ministerium für Außenhandel wurde die Bestellung von Waren im Westen durch die DDR und deren Bezahlung durch die Bundesrepublik abgewickelt. Dadurch seien 30,1 Milliarden Mark erwirtschaftet worden, die aber größtenteils für die Kosten der Prominentensiedlung Wandlitz – 3,2 Millionen Mark jährlich – verwandt worden seien. Und das für lediglich 24 Personen, darunter die Honeckers und Mielkes.
Zudem streifte der Vortrag weitere Freikäufe, die mit Rumänien abgewickelt wurden. Dort konnten 300.000 Siebenbürgersachsen für jeweils 8000 Mark in die Bundesrepublik ausreisen. Der Kopfpreis eines Menschen habe sich nach dessen Staatsbürgerschaft und dem Interesse des Ausreiselandes gerichtet.


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Für einen politischen Gefangenen in der DDR wurden am Ende 90.000 Mark bezahlt. Dabei sei der Freikauf eines Akademikers teurer als der eines Arbeiters gewesen – und das im Arbeiter- und Bauernstaat. Insgesamt wurden 34 300 Personen von der Bundesrepublik freigekauft und in den Westen entlassen, erfuhren die Vortragsbesucher.

