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 Foto: dpa (Symbolbild) 

Zielstrebig und großzügig: Im Prozess um getöteten Pforzheimer Schmuckhändler wird erstmals mehr aus Leben des Angeklagten bekannt

Karlsruhe/Pforzheim. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er damit etwas zu tun hat“, zeigte sich ein 37-jähriger Freund des Angeklagten schockiert, als am Dienstag der Prozess um den getöteten Pforzheimer Schmuckhändler vor dem Schwurgericht am Landgericht Karlsruhe fortgesetzt wurde. Während die ersten sieben Verhandlungstage nur bedingt einen Eindruck über den 36-jährigen Angeklagten aus dem Landkreis Calw zuließen, konnte das Gericht nun durch die Aussagen eines Freundes mehr über das Leben des Mannes erfahren.

Seit der Schulzeit Freunde

Kennengelernt hatten sich die beiden bereits in der Schulzeit. Der 37-Jährige machte keinen Hehl daraus, dass die Freundschaft über den wöchentlichen Stammtisch hinausreicht und er als Trauzeuge bei der Hochzeit des Angeklagten fungierte. Den Angeklagten beschrieb er als zuverlässig, zielstrebig, großzügig aber gleichzeitig als eine Person, die schwerer von ihrer Meinung abzubringen sei.

„Sein selbstbewusstes Auftreten hatte für Außenstehende möglicherweise etwas Arrogantes“, so der Zeuge.

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Geld und Besitz hätten eine untergeordnete Rolle gespielt und die Familie habe jederzeit im Vordergrund gestanden. Deshalb habe er die geschäftlichen Reisen ins Ausland stark eingedämmt. Für die Zukunft soll der Angeklagte seinem Freund gegenüber immer wieder ein Projekt mit einem Brüderpaar angesprochen haben. Über die finanzielle Situation des 36-Jährigen konnte der Mann keine genaueren Angaben machen, sprach aber von einem noch offenen Privatkredit in Höhe von 25.000 Euro, den er dem Angeklagten gewährt habe.

„Er hatte damals Probleme mit einem Lieferanten und ich habe ihm schnelle Hilfe angeboten, doch er macht nicht den Eindruck, dass er finanzielle Problem hat“, erklärte der 37-Jährige.

Sexspielsachen gefunden

Verblüfft zeigte er sich, als der Vorsitzende Richter Alexander Lautz offenbarte, dass in einem Schrank im Bereich des Büros und der Zweitwohnung des Angeklagten, zahlreiche Sexspielsachen gefunden wurden. Die Frage, ob er um die Verurteilung des Angeklagten in den USA wegen kinderpornografischen Materials wisse, bejahte er und sprach davon, dass das erneute Auffinden solchen Materials ein „großer Zufall“ sein müsse.

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Angestellte sagt aus

Eine 41-jährige Angestellte des unter Mordverdacht stehenden Mannes äußerte, dass dieser den getöteten Schmuckhändler immer wieder als „Blender“ bezeichnet habe. Zudem habe sie sich am Montag nach der Tat über kaputte Gläser in der Spülmaschine der Büroräume gewundert. „Er ist nun untergetaucht und seine Familie tut mir deshalb leid“, staunte sie über eine angebliche Aussage des Angeklagten über den Getöteten. Ebenso suspekt erschien die Angabe eines Goldschmelzers, dass einer der bereits mehrfach genannten Brüder wenige Tage nach der Tat das vermeintliche Diebesgut zum Einschmelzen brachte.

Der Prozess wird am Mittwoch 6. Mai, 9 Uhr fortgesetzt.