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Der Prozess findet im Landgericht Karlsruhe statt.  Foto: Meyer 

Prozess um toten Schmuckhändler: Kripo-Mann hält Brüder-Paar für unbeteiligt

Pforzheim. Am sechsten Verhandlungstag im Fall des getöteten Schmuckhändlers aus Pforzheim wurde vor dem Karlsruher Landgericht ein Polizeibeamter gehört. Er erläuterte die Aussagen der beiden Brüder, die ebenfalls in Pforzheim in der Schmuckbranche tätig sind. „Er hat uns offen gedroht, dass wir nicht zur Polizei gehen sollen“, zitierte der Kommissar aus der Vernehmung zweier Geschäftspartner des 36-jährigen Angeklagten.

Am dritten Verhandlungstag hatte der Angeklagte aus dem Landkreis Calw behauptet, dass die Brüder ihm empfohlen hätten, die Leiche zu entsorgen und sämtliche Spuren verschwinden zu lassen. Dabei sprach er von dubiosen Geschäften, in die die beiden früher verstrickt gewesen sein sollen. Er habe von deren Erfahrung profitieren wollen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die beiden Brüder eine größere Rolle in dem Fall spielen“, stellte der Kommissar allerdings klar.

Insgesamt fünf Mal wurden die Brüder von ihm verhört und machten ihm zufolge einen eingeschüchterten Eindruck. „Ich gehe davon aus, dass sie Angst gehabt haben“, so der Polizeibeamte.

Während die Brüder bei einer ersten Vernehmung am 27. Juni davon erzählt hätten, am Abend der Tat lediglich geschäftliche Dinge mit dem Angeklagten in einem Sushi-Restaurant besprochen zu haben, hätten sie einen Tag später ihre Aussage revidiert. Dabei sollen die beiden freiwillig zur Polizei gekommen sein. Sie berichteten, dass der Angeklagte gegen 13 Uhr in seinen Büroräumen Besuch von dem getöteten Schmuckhändler gehabt habe. Den Brüdern habe er erzählt, dass er Sushi zubereiten wollte. Als er zurückgekehrt sei, sei der 57-jährige Schmuckhändler bewusstlos auf dem Boden gelegen und kurze Zeit später verstorben. Auf die Frage, weshalb er keine Hilfe gerufen habe, soll er geantwortet haben, dass er das deutsche Rechtssystem kenne und aus dieser Lage nur schwer rauskomme. Einem der beiden Brüder soll er wenige Stunden später die Geschehnisse berichtet haben.

Gegen 21 Uhr offenbarte er beim gemeinsamen Abendessen in einem Sushi-Restaurant auch dem anderen Bruder das Erlebte.

Zufälligerweise sollen sich die Eltern der Brüder im Restaurant aufgehalten haben, was der Angeklagte mit einem Lächeln quittierte. „Es schien so, er wolle uns sagen, dass er nun unsere Eltern kennt“, so die beiden während ihrer Vernehmung. Anschließend soll der Angeklagte offen gedroht und behauptet haben, dass sie nun Mitwisser seien und ohnehin nicht zur Polizei könnten.

In den Tagen nach der Tat soll der 36-jährige Angeklagte den gestohlenen Schmuck zum Einschmelzen gegeben haben.