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 Foto: dpa (Symbolbild) 

Prozess um getöteten Pforzheimer Schmuckhändler: Nachbarin bekommt mit, wie großer Sack aus Haus getragen wird

Pforzheim/Karlsruhe. „Es hat ausgesehen, wie wenn eine Leiche transportiert wird“, so eine Zeugin in einer Whats-App-Nachricht. Zwar brachte der fünfte Verhandlungstag im Mordprozess um den getöteten Pforzheimer Schmuckhändler wenig Neues ans Licht, doch veranschaulichte er das Vorgehen des Angeklagten in den Abend- und frühen Nachtstunden nach der Tat. „Es war eine ganz komische Situation“, so ein 30-jähriger Zeuge. Zusammen mit seiner Freundin habe er eine Bekannte am Abend des 21. Juni in dem Gebäudekomplex besucht, in denen der 36-jährige Angeklagte seine Büroräume hatte. Dabei sei das Paar gegen 21 Uhr gekommen und habe die Wohnung gegen 23 Uhr wieder verlassen.

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Zwischendurch sei dem Freund beim Holen eines Schranks aufgefallen, dass die Kellertür nicht abgeschlossen gewesen sei und ein weißer Mercedes-Van vor dem Haus gestanden habe. Auch habe das Licht in den Büroräumen geleuchtet. Als das Paar die Wohnung verließ, sei das Auto erneut aufgefallen, wie es um den Block fuhr. „Ich habe gesehen, wie der Fahrer sich wegduckt, aber ich konnte kahle Stellen am Kopf erkennen“, erzählte der 30-jährige Zeuge. Da der im Wohnhaus lebenden Bekannten die Situation merkwürdig vorkam, beobachtete sie das Geschehen in Abständen weiter und sendete das Gesehene über Whats-App an das Paar. Dabei schilderte sie, dass sich das Auto nun direkt vor der Tür befinde und etwas großes „Sackähnliches“ in das Auto getragen werde.

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Über eine Audionachricht am nächsten Morgen sprach sie von einer möglichen Leiche. Den Angeklagten hatte sie nur sporadisch gekannt und wollte ihn später auf das Gesehene ansprechen. „Auch wenn es mir merkwürdig vorkam, bin ich davon ausgegangen, dass er eine Lieferung ins Auto lädt“, so die Nachbarin. Ebenso fiel dem Paar und der Nachbarin auf, dass eine Kamera, die vor den Büroräumen des Angeklagten gehangen hatte, nicht mehr vorhanden war. Daraufhin erklärte der Angeklagte, dass diese defekt sei. In der Verhandlung gab der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts, Alexander Lautz, bekannt, dass die Fortsetzungstermine am 17. Juni, 24. Juni und 1. Juli voraussichtlich entfallen, da davon auszugehen ist, dass diese nicht mehr benötigt würden.

Fortgesetzt wird die Verhandlung am Montag, 27. April.