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Die für den Fall Simon Paulus zuständige Staatsanwältin Christine Roschinski (links) und ihre Kollegin Regina Schmid. Foto: Meyer
07.06.2019

Deko-Handgranate in der Werkstatt, Gewehr auf dem Tisch: Gericht prüft Spurenlage in Paulus’ Wohnung

Karlsruhe/Enzkreis/Pforzheim. Nachdem das Karlsruher Landgericht im Paulus-Prozess zuletzt versucht hat, den Tatabend möglichst lückenlos zu rekonstruieren, ging es nun darum, welches Bild sich der Polizei am Folgetag in der Wohnung des Opfers geboten hat und wie die Ermittlungen angelaufen sind.

Der 50-jährige Büchsenmacher Simon Paulus wurde laut Staatsanwaltschaft am Abend des 29. August 2018 vor seiner Wohnung in Gräfenhausen getötet. Seine Leiche wurde aber erst Anfang Oktober vergraben im Wald beim Pforzheimer Wildpark gefunden. Knapp 30 Waffen sind aus seiner Wohnung verschwunden.

[ In einer Multimedia-Reportage blickt die PZ zurück auf einen der spektakulärsten Fälle der Region: Vom Verschwinden bis zum Prozess – der Fall Simon Paulus ]

Drei Polizisten, die mit zu den ersten am Tatort gehörten, sagten jetzt am fünften Verhandlungstag als Zeugen vor der Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Leonhard Schmidt aus. „Wir sind von einer hilflosen Lage ausgegangen“, erklärte eine 26-jährige Beamtin des Reviers Neuenbürg nach der Alarmierung am frühen Abend durch besorgte Nachbarn. Die Vermieterin habe sie und ihren Kollegen in die Wohnung gelassen: „Die Waffenschränke standen offen, auf einem Tisch lag ein Gewehr, im Schlafzimmer waren Klamotten auf den Boden geworfen, der Laptop lief.“ Eine hinzugezogene 32-jährige Kollegin berichtete, wie sie in einer kleinen Werkstatt hinter dem Wohnzimmer auf mehrere Gewehre und eine Handgranate gestoßen war. Später habe ein Kollege festgestellt, dass es sich um Dekostücke handelte.

Bildergalerie: Mordfall Simon Paulus: Prozess in Karlsruhe

Ein 31-Jähriger vom Kriminaldauerdiensterklärte, man habe die Wohnung untersucht und wie die Kollegen aus Neuenbürg zuvor schon Fotos gemacht. Das Gericht legte den Zeugen verschiedene Aufnahmen vor. Sommer versuchte zu ergründen, woher einzelne Veränderungen stammen. Mal lag eine Brille auf einem Buch, mal daneben. Mal änderte ein Gewehr auf dem Tisch leicht die Position. Erst waren die Waffenschränke offen, dann zu. Auf einem der Bilder tauchte plötzlich eine schwarze Mappe auf. „Von wem stammt die und wer hat die anderen Sachen bewegt“, fragte Sommer. Doch detailliert konnten sich die Zeugen daran nicht erinnern.

Am Mittwoch wird der Prozess vor dem Karlsruher Landgericht fortgesetzt.

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