nach oben
"Ganz nach dem Motto: Alle 30 Minuten fährt (k)ein Zug nach Karlsruhe" - so beschreibt Manuel Lausch sein Foto.
"Ganz nach dem Motto: Alle 30 Minuten fährt (k)ein Zug nach Karlsruhe" - so beschreibt Manuel Lausch sein Foto. © Manuel Lausch
12.06.2019

Diese 16 Erfahrungsberichte zeigen, welches Chaos der Bahn-Wechsel auslöste - und das sagt der Betreiber

Pforzheim/Enzkreis. Dutzende Leser haben der PZ geschildert, welche - negativen - Folgen der Fahrplanwechsel für Sie hat. Besonders auffällig sind die zahlreichen Einsendungen, die nicht nur die Verspätungen zum Start kritisieren - sondern auch die generellen Änderungen im Fahrplan, die für sie mehr Umstiege und eine längere Fahrtzeit bedeuten. Exemplarisch zeigt PZ-news 16 Erfahrungsbericht

[Wie sich der Bahnverkehr in der Region durch den Fahrplanwechsel ändert(e) lesen Sie hier, wie sich der Busverkehr ändert, lesen Sie hier.]

Das sagen Verkehrsministerium und Go-Ahead zum Bahn-Chaos

Das Verkehrsministerium des Landes greift in den neuen Bahnverkehr ein, um die massiven Verspätungen vor allem beim Interregio-Express (IRE) von Go-Ahead zwischen Stuttgart, Pforzheim und Karlsruhe abzubauen. „Bis auf Weiteres gibt es jeden Tag im Ministerium einen Termin mit den Anbietern mit dem Ziel, Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen“, sagte Ministerialdirektor Uwe Lahl.

Entgegen den Schilderungen zahlreicher Betroffener, vermeldete Go-Ahead am Mittwochabend: Der Betrieb auf allen befahrenen Strecken habe sich weitgehend stabilisiert, Verspätungen seien die Ausnahme gewesen.

Erste Reaktion des Landes: „Wir planen zurzeit, zusätzlich einen Reservezug einzusetzen, der an den jeweiligen Endbahnhöfen wartet, um Verspätungen aufzufangen“, so Lahl. Die zweite Änderung soll die Störungen im Fahrplan beseitigen: Kurzfristig habe Go-Ahead IRE-Züge zwischen Aalen und Stuttgart gestrichen – „sie werden in dieser Woche nicht fahren“, so ein Sprecher des Zugbetreibers.

Das sagen die PZ-news-Leser zum Bahn-Chaos

Wilfried Schnelle: "Ich wollte gestern um 10.18 Uhr von Remchingen-Singen nach Stuttgart fahren, leider wurde 10 Minuten vor Abfahrt der Zug ersatzlos gestrichen. Da kommt Freude auf, ich musste drei Geschäftstermine absagen. Ich dachte, die Deutsche Bahn ist in einem schlechten Zustand, aber es geht noch schlechter."

Kutay Sahin: "Meine Meinung zu dem Fahrplanwechsel einfach der Schrott. Jeden Tag immer zu spät. Oder, wenn man von Karlsruhe nach Niefern will, 2 oder 3 mal umsteigen - das gabs noch nie. Ich fand die alten S-Bahnen besser. Bitte wieder sofortigen Wechsel zu den S5!"

Marcel Schneider: „Der IRE 1 mit der Nummer 19670 mit planmäßigem Halt um 7.40 Uhr in Wilferdingen-Singen war heute Morgen sieben Minuten verspätet – beziehungsweise wäre er verspätet gewesen, wenn er überhaupt gehalten hätte. Er ist aber leider einfach durchgerauscht!“

Thorsten Flühr: „Der IRE kam nicht und es gab keine Info.“

Ralph Hofrichter: „Unser Vertrauen in Go-Ahead ist restlos erschüttert. Noch ein Satz zu den neuen Zügen. Ich bin mit 1,75 Metern bestimmt nicht der Kleinste, aber ich hatte Probleme, unseren Koffer auf die Gepäckablage zu bekommen. Diese ist viel zu hoch.“

Manuel Lausch: „Meine Erfahrung heute Morgen am Hauptbahnhof Pforzheim – um 8 Uhr war ich am Bahnsteig mit der Absicht, den 8.03 Uhr IRE nach Karlsruhe zu nehmen. Welcher zu dem Zeitpunkt bereits eine Verspätung von 30 Minuten angezeigt hatte. Auch der Zug davor um 7.31 Uhr hatte eine 40-minütige Verspätung angezeigt. Lobenswerterweise hat die Bahn den um 20 Minuten verspäteten IC, der nach Fahrplan um 8.34 Uhr abfährt, für den Nahverkehr freigegeben. Offenbar scheinen die neuen Zugverbindungen auch nicht mit ihren Verspätungszeiten in der DB Streckenradar-App erfasst zu werden, was ich sehr bedaure, da ich früher teils meinen Fußweg zum Bahnhof daran ausgerichtet habe.“

Bianca Bauer: "ich wollte heute morgen mit dem IRE um 9:31 von Pforzheim nach Karlsruhe fahren und dann weiter nach Germersheim. In der App stand, dass der Zug pünktlich kommt, jedoch wurde durch eine Durchsage um 9:30 gesagt, dass er ausfällt. Dann musste ich mit der S-Bahn fahren und war schließlich um 12:07 statt um 10:37 in Germersheim. Ich habe also insgesamt 3,5 Stunden (Bus aus Büchenbronn dazu gerechnet) von zuhause bis zum Ziel gebraucht für eine Strecke, die mit dem Auto 1 Stunde dauert. So wird der Verkehrswandel nicht gerade positiv beeinflusst und man bekommt nicht mal Geld zurück wenn man eine Studikarte vom KVV hat. Informationen in der App gab es auch keine."

[PZ am 10. Juni: Holpriger Bahn-Wechsel: Zahlreiche Verspätungen bei der Umstellung der Zuglinien]

Patrick Petersen: "Durch den Fahrplanwechsel ist es mir inzwischen nicht mehr möglich, von Eutingen nach Karlsruhe ohne Umstieg zu fahren. Dies ist besonders ärgerlich, da neben dem Umstieg auch noch eine Wartezeit zwischen den Zügen hinzukommt. Somit verdoppelt sich meine Anreisedauer. Hinzu kamen Verspätungen, so dass ich von Eutingen nach Karlsruhe 90 bis 120 Minuten brauchte. Entsprechend wird der künftige Weg hin und zurück nach Karlsruhe sehr beschwerlich. Ich fahre sehr gerne Bahn, aber durch diese Unannehmlichkeiten werde ich wohl auf das Auto wechseln müssen. Lebensqualität geht mir dann noch leider vor."

Reinhard Grebing, Niefern-Öschelbronn: "Unabhängig von den massiven Problemen der IRE-Verbindungen von Go-Ahead mit den neuen Zügen, hat sich das Angebot am Sonntag mit der Regionalbahn des Anbieters Abellio ab Niefern (somit ebenfalls ab Eutingen und Enzberg) wesentlich verschlechtert. Bisher waren am Sonntag größtenteils halbstündliche Verbindungen von Niefern in Richtung Stuttgart, - zum Teil mit Umstieg in Muhlacker bzw. Bietheim-Bissingen -, vorhanden, insgesamt im Zeitraum von 8 Uhr bis 20 Uhr waren es 18 Verbindungen. Nunmehr gibt es nur noch 11 Verbindungen in dem genannten Zeitraum, somit eine Verschlechterung der sonntäglichen Verbindung um ca. 38 Prozent. Und das verkauft das Verkehrsministerium von Baden-Württemberg als Angebotsverbesserung? Zu der Problematik der derzeitigen Verspätungen möchte ich gar nichts weiter ausführen, das werden sicher genügend PZ-Leser tun."

Nico Reißmann, Pforzheim: "Um es kurz zu fassen: Vollkatastrophe. Heute morgen hätte ich um 8:05 mit dem IRE von Pforzheim nach Karlsruhe fahren müssen, dieser hatte über eine Stunde Verspätung. Jetzt das gleiche auf dem Rückweg um 18:05 Uhr. Zug hat zirka 25 Minuten Verspätung. Als Pendler ist das eine Katastrophe, vor allem weil man Arbeitszeit verliert, die neben langem warten auch noch verlängerte Arbeitszeit mit sich bringt. Es müsste fast eine Sammelklage diesbezüglich eingereicht werden. So viel Unfähigkeit habe ich selten erlebt. Ich kann nur hoffen, dass man hier entschädigt wird, denn die Monatsfahrkarte kostet ja auch noch Geld!"

Adrian Renner, Pforzheim: "Bisher konnte ich keine gute Erfahrung mit dem Fahrplanwechsel und der Umstellung auf Abellio machen. Dienstag: Pforzheim Bhf - Karlsruhe Bhf, 07:30 'Technische Störungen. Zug verspätet sich auf unbestimmte Zeit.', 07:38 Der Zug der bereits um 07:03 da sein sollte fährt ein, bleibt aber zwischen Pforzheim und Karlsruhe auf unbestimmte Zeit stehen. 20 Minuten später geht’s weiter. Alles in allem: Die Ungewissheit und eine 30-minütige Verspätung sind bei angegebener Taktung eine Frechheit und Zumutung an alle Fahrgäste. Rückweg: Karlsruhe Bhf - Pforzheim Bhf; 18:05 Zug fährt mit Verspätung ein macht die Türen auf fährt aber nicht los. Das Ganze geht einige Minuten bis um 18:38 die Ansage kommt. Technische Störungen, Zug wechseln. 18:41 geht’s endlich los. Mit 36 Minuten Verspätung auch keine Glanzleistung."

Mario Schick, Remchingen: Folgendes Problem heute, 11. Juni, IRE-Verbindung von Wilferdingen-Singen nach Karlsruhe, Abfahrt 7:40 Uhr. Zug kommt mit ca. 8 Minuten Verspätung und fährt ohne zu halten am Bf Wilferdingen-Singen durch. Mit der nächsten Stadtbahn haben wir dann den auf freier Strecke in Grötzingen stehenedenZug überholt. In Durlach wollten wir dann in den auf Gleis 2 stehenden Zug umsteigen, jedoch schloss dieser die Türen als wir die Treppe hochkamen und fuhr davon. Es ist mir bisher noch nie passiert, dass ich denselben Zug zweimal von hinten gesehen haben."

[PZ am 11. Juni: Technische Probleme zum Fahrplanwechsel: Bahnanbieter Go-Ahead mächtig unter Druck beim IRE]

Christian Felcmann, Mühlacker: "Die Umstellung der Residenzbahn auf die neuen Betreiber auf Go-Ahead und Abellio hat für mich aktuell Nachteile: Karlsruhe ist für mich jetzt nur mit einem bis zwei Umstiegen erreichbar, das ist wenig komfortabel. Ich fahre öfters im Monat morgens von Mühlacker-Rößlesweg nach Basel, es gibt keinen RE nach Karlsruhe der hier hält. Früher: 5:59 Uhr Mühlacker-Rößlesweg mit dem RE19520 nach Karlsruhe direkt. Heute: 5:58 Uhr mit dem RB17A nach Mühlacker, dort Umstieg in den teureren IC2368. Die Rückfahrt immer mit Umstieg in Mühlacker und immer mit 21 Minuten Umsteigezeit. Auch wenn ich zu Flughafen nach Frankfurt möchte, werde ich heute nicht mehr über Karlsruhe, sondern über Stuttgart geleitet. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt, wenn die Schnellbahnstrecke Stuttgart - Mannheim im kommenden Jahr saniert wird."

Harald Merkle, Pforzheim-Eutingen: "Mein Bericht von gestern: Abfahrt 7.09 von Eutingen mit Abellio nach Pforzheim. Dieser Zug war 2 Min. verspätet. Dann Umstieg in die S5 nach Karlsruhe Durlach. Leider bekam die S5 eine technische Störung, so wir in Grötzingen umstiegen. Verspätete Ankunft in Karlsruhe Durlach ca. 15 Min. Das war noch o.k..

Rückfahrt um 17.37 von Karlsruhe Durlach. Der Go-Ahead hatte eine Verspätung von 20 Min. In Pforzheim war der Anschluss Zug Abellio schon weg. Wartezeit auf den nächsten Zug nach Eutingen ca. 20 Min. In Summe 1 Std. und 15 Min mehr Pendlerzeit. Für die Orte Eutingen, Niefern und Enzberg ist es eine Verschlechterung, da die Umstiegszeit in Pforzheim jetzt je 20 Min betragen. Vorher hielt der RE in diesen Orten und fuhr durch bis Durlach. Jetzt haben wir eine Pendler Mehrzeit von 40 Min."

Patrick Leininger, Calmbach: Ich fahre seit März 2018 täglich mit der Bahn von Calmbach nach Bietigheim und wieder zurück. Meine Verbindung heute morgen: Ab Bad Wildbad Bahnhof: 6:36 pünktlich, Ankunft Pforzheim, pünktlich 7:10 Uhr; Abfahrt 7:14 Uhr (5 Minuten Verspätung) also 7:19 Uhr; Ankunft Bietigheim mit 5 Minuten Verspätung, ca. 7:56 Uhr. Für mich kein Problem, also erstmal zufrieden. Heimreise: Ab Bietigheim Bissingen um 18:04 Uhr, 2 Minuten verspätet. Durch Probleme beim Ein-/Ausstieg und wohl Verzögerung beim Abkoppeln in Mühlacker, Ankunft in Pforzheim 18:48 Uhr, 6 Minuten verspätet. Anschlussbahn nach Bad Wildbad nicht erreicht. Warten auf die 19:17 Uhr Verbindung, welche ebenfalls erst 19:23 Uhr ankommen wird."

Hannah Oelmaier, Niefern: "Ich nutzte heute das erste Mal die neue Zugverbindung von Abellio/Go-Ahead vom Bahnhof Niefern zum Hauptbahnhof Karlsruhe und machte direkt schleckte Erfahrungen. Meine ursprünglich gebuchte Verbindung war folgende: 9.07h RB17A Niefern - 9.13h Pforzheim Hbf / 9.31h IRE1 Pforzheim Hbf - 9.53h Karlsruhe Hbf. Die Regionalbahn in Niefern kam bereits 7min zu spät, was aufgrund der regulär 18minütigen Umstiegszeit in Pforzheim jedoch kein Problem ist. In Pforzheim angekommen kam nach einigen Minuten die Meldung, der IRE1 habe 30min Verspätung. Erneut einige Minuten später hieß es: Der Zug fällt aus. Der nächste IRE1 (normalerweise Abfahrt 10.03h) sollte zunächst 10, dann 15min später kommen und kam schließlich 20min zu spät. In Wilferdingen-Singen gab es an sämtlichen Türen Störungen, sodass ein minutenlanger Aufenthalt nötig war und alle Fahrgäste über eine einzige Tür aussteigen mussten. Außerdem war der Zug vermutlich wegen des vorherigen Ausfalls sehr voll. Statt 9.53h kam ich um 11h in Karlsruhe am Hauptbahnhof an."