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Ein 24-jähriger und nahe Calw festgenommener Flüchtling aus Syrien sitzt gerade in U-Haftz. Er ssoll in Syrien einer terroristischen, islamistischen Vereinigung anghehört haben.
Ein 24-jähriger und nahe Calw festgenommener Flüchtling aus Syrien sitzt gerade in U-Haftz. Er ssoll in Syrien einer terroristischen, islamistischen Vereinigung anghehört haben. © Symbolbild: dpa
20.09.2016

Mutmaßlicher Terrorist aus Syrien lebte wohl vor Festnahme in Rutesheim

Rutesheim/Calw. Was für ein Fisch ist da den Beamten des Landeskriminalamts ins Netz gegangen? Am Montag ist ein 24 Jahre alter Syrer, der nach Medienberichten vor einigen Wochen ein Zimmer in einer Containersiedlung für Flüchtlinge in Rutesheim bezogen hat, festgenommen worden. Er soll vor seiner Flucht nach Deutschland für die Al-Kaida-nahen Terroristen von Dschabhat al-Nusra gekämpft haben. Aber was hat er in Deutschland gemacht?

„Hinweise auf mögliche Anschlagspläne in Deutschland gab es zu keiner Zeit“, betonten die Ermittler am Montag. Immerhin besaß er einschlägiges terroristisches Propagandamaterial auf einem USB-Stick. Den hatte er wohl in einem Zug verloren. Bei der Sichtung des Materials durch die Bundespolizei wurde schnell klar: Hier wird islamistischer Terror verherrlicht. Was genau in den Dateien zu sehen war, ist noch nicht öffentlich bekannt. Konkrete Anschlagspläne sollen jedoch nicht der Grund für die Festnahme gewesen sein. Auch heißt es nach Medienberichten, dass sich der 24-jährige Syrer in seinen Asylheimen unauffällig verhalten habe.

Der Terrorverdächtige soll im September 2015 nach Deutschland gekommen und unter anderem in einer Flüchtlingsunterkunft in der Leonberger Sporthalle gelebt haben, bevor er in die Containersiedlung nach Rutesheim kam. Dort wurden in seinem Zimmer zwei Handys, ein Notebook sowie schriftliche Unterlagen beschlagnahmt. Nach Medienberichten soll die Festnahme erfolgt sein, als der Terrorverdächtige zu einer medizinischen Behandlung in einer Klinik in Calw unterwegs war. Der 24-Jährige sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Der Vorwurf gegen ihn lautet Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung.

„Die Sicherheitsbehörden im Land schauen genau hin, wenn der Verdacht besteht, dass Dschihadisten sich als Flüchtlinge getarnt nach Deutschland begeben», sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Montag. «Die Festnahme ist ein sehr guter Erfolg für die Ermittler.“

Zuletzt war Ende Juli eine Flüchtlingsunterkunft in Herbrechtingen bei Heidenheim durchsucht worden, nachdem dort ein 20-Jähriger mit Kontakten zum Islamischen Staat (IS) geprahlt hatte. Im August 2015 war in einer Asylbewerberunterkunft im Kreis Ludwigsburg ein mutmaßlicher Unterstützer der Terrormiliz IS festgenommen worden. Er wurde von spanischen Behörden gesucht - und ausgeliefert.

In Pforzheim hatte der Fall eines jungen Mannes mit eritreischen Wurzeln Schlagzeilen gemacht, der mit 19 Jahren nach Syrien aufgebrochen war. Der heute 22-jährige Munir I. soll vor einigen Jahren selbst als radikalisierter Salafist über die Türkei nach Syrien ausgereist sein und für den IS gekämpft haben. Nach Kämpfen um Aleppo wurde er bereits totgesagt, aber offensichtlich war er vor über einem Jahr noch am Leben. Alina I., seine jüngere Schwester, galt als mutmaßliche Anwerberin für den Frauen- und Mädchen-Nachschub für die IS-Krieger. Der vor über 30 Jahren aus Eritrea nach Pforzheim gekommene Familienvater gilt als liberaler Muslim, der genau das Gegenteil jener extremistischen Bewegung darstellt.

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