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Mit Flaggen aus aller Welt bekundeten rund 700 Bürger knapp eine Woche nach dem Brandanschlag ihre Unterstützung für Flüchtlinge. Foto: Zachmann(PZ-archiv)/Deck
Unbewohnbar, eine Alternative muss her: Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon vor der geplanten Asylunterkunft im Remchinger Ortsteil Singen.
11.08.2015

Nach Brandanschlag in Remchingen: Solidarität mit Flüchtlingen groß

Remchingen. Mit den Flammen in der Nacht auf den 18. Juli war das Image der selbst ernannten „Wohlfühlgemeinde“ Remchingen erst einmal dahin. Der Brand in einer geplanten Asylunterkunft entfachte die Spekulationen um einen fremdenfeindlichen Hintergrund, der Vorfall im Ortsteil Singen beherrschte selbst die Schlagzeilen überregionaler Medien. Erst recht, als die Spezialisten der Polizei Brandbeschleuniger im ersten Stock des Gebäudes nachweisen konnten.

Doch bei der Suche nach den Tätern tappen die Ermittler weiterhin im Dunkeln und der anfängliche Schock ist bei vielen Remchingern einer Welle der Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen gewichen.

90 Leute hätten sich gemeldet, um dem Netzwerk Asyl bei seiner Arbeit mit Flüchtlingen zu helfen, sagt Peter Farr, der sich als ehrenamtlicher Helfer engagiert. Für das Remchinger Netzwerk mit seinen bislang rund 20 aktiven Mitgliedern wäre dies ein enormer Zuwachs. Zwar seien nicht alle 90 Anfragen aus der Zeit nach dem Brand in der geplanten Flüchtlingsunterkunft, aber ein Großteil hätte sich wohl erst dadurch animiert gefühlt, sich zu überhaupt zu melden, schätzt Farr.

Für Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon, der in den vergangenen Wochen nicht müde wird, seiner Gemeinde das Attribut fremdenfeindlich abzusprechen, ist dies ein Zeichen für die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen. Remchingen sei schon immer eine offene Gemeinde mit Zuwanderung gewesen. Seit dem 18. Juli versuchen die Bürger immer wieder, dies der Welt und ein bisschen auch sich selbst zu beweisen. Eine Woche nach dem Brand zeigten 700 Remchinger und auswärtige Unterstützer Flagge für Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Integration. Das Gymnasium der Gemeinde schrieb sich dies in einer eigenen Aktion kurtze Zeit später ebenfalls auf die Fahnen. Erst vergangenes Wochenende liefen 80 Sportler beim „Homerun“ auch für die Flüchtlingshilfe Remchingen.

Der Spendenlauf sei ein Signal und solle sich in den nächsten Jahren etablieren, erhofft sich Peter Farr, der mit dem Netzwerk Asyl Remchingen noch in den Anfängen steht. Gleichwohl weiß auch er, dass in der Gemeinde nicht jeder Fremden und Flüchtlingen so positiv eingestellt ist, wie er. In den sozialen Netzwerken rumort es zu diesem Thema ebenfalls seit Monaten „Vorurteile sind bei vielen verbreitet.“ Das habe aber weniger mit Fremdenfeindlichkeit, als viel mehr mit Unwissen zu tun. „Wir müssen die Schicksale dieser Menschen aufzeigen und sie integrieren. Sonst droht Unruhe.“ Auch Prayon erreichen ab und an fremdenfeindliche Schriften – doch nicht mehr nur anonym, wie früher, sondern unterschrieben. „Wenn der Bund es nicht schafft, die Flüchtlingszahlen zu begrenzen, werden die Ressentiments wachsen“, warnt der Bürgermeister.

Um den Tätern auf die Spur zu kommen, nimmt die Polizei indes nun auch Anhänger der rechten Szene in Remchingen genauer unter die Lupe. Diese, eine niedrige einstellige Zahl an Personen, seien bisher durch Propagandadelikte aufgefallen, indem sie Zettel mit rechtem Gedankengut verteilt hätten – unter anderem wurde gegen Asylbewerber gehetzt, so die Polizei.

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Das abgebrannte Flüchtlingsheim in Singen.

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2015 brannte in Remchingen eine geplante Flüchtlingsunterkunft.