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Macht sich Sorgen um ihre Pferde und Schafe: Alexandra Kionka, die einen Zuchtbetrieb in Bad Wildbad führt.  Foto: Privat 

Nach erneutem Schafsriss in Bad Wildbad: Ebenfalls betroffene Pferdezüchterin kritisiert Forstliche Versuchsanstalt

Bad Wildbad. Noch steht die DNA-Analyse vom Schafsriss vergangene Woche im Oberen Enztal aus, doch viele Weidetierhalter sind sich sicher: Es war der Wolf, der auf der Weide von Karl-Otto Hagenlocher mindestens sieben Schafe gerissen hat. Die Agrarbiologin Alexandra Kionka, die einen Islandpferdehof, Kilometer entfernt von der betroffenen Weide führt, hatte bereits einige Wochen zuvor im November Besuch vom Wolf. Eine Wildtierkamera hat ihn in der Nähe ihrer Weide beim großen Holznasslagerplatz an der Enztalstraße in Bad Wildbad-Christophshof aufgenommen, wo sie auch rund 20 Schafe hält. Just in jener Nacht wurde das Elektronetz niedergerissen – sie vermutet vom Wolf. Kionka glaubt, dass die knallenden Stromimpulse, die entstehen, wenn das Netz am Boden liegt, ihre Schafe vor einem Riss bewahrt hat.

Andere Züchter hätten gewarnt werden können

Die Pferdezüchterin holte ihre Tiere daraufhin an den Hof und informierte die Forstliche Versuchsanstalt (FVA) in Freiburg über den Vorfall. FVA-Mitarbeiter reisten an und begutachteten die Situation vor Ort. Außerdem nahmen sie auch das Video in Augenschein. Wie Kionka berichtet, hätten die Mitarbeiter der FVA darauf den Wolf erkannt. Da jedoch die typische Fellzeichnung im Gesicht durch die Dunkelheit nicht eindeutig identifiziert werden konnte, sei der Vorfall nicht als Wolfsnachweis geführt worden, so Kionka. Da kein Schaf zu Schaden gekommen war, hätten auch keine DNA-Spuren genommen werden können.

Die Tierhalterin ist überzeugt davon, dass bei einer rechtzeitigen Veröffentlichung des Wolfsnachweises im Bereich Christophshof durch die FVA, andere Züchter hätten gewarnt werden können. „Da werden wichtige Fakten von der FVA vertuscht und unter den Teppich gekehrt“, ärgert sie sich.

Auch ihr Pferdezuchtbetrieb leide unter dem Auftauchen des Wolfes. Jährlich werden auf dem Gestüt fünf bis acht Fohlen geboren. Sie befürchtet, dass auch die Jungtiere angegriffen werden könnten. Die insgesamt 36 Hektar Fläche wolfsicher einzumachen, hätte sie viel Arbeit gekostet. Zwar seien 90 Prozent der Kosten vom Land übernommen worden, „aber die Arbeit bezahlt mir niemand“, so Kionka.

Nicole Biesinger

Nicole Biesinger

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